SLCO1B1-Mutationsanalyse

Synonyme:  SLCO1B1-Genanalyse, SLCO1B1-Genotypisierung (SLCO1B1)

Bei der SLCO1B1-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel, was auch personalisierte oder individualisierte Medizin genannt wird. Im Fall der SLCO1B1-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit Statinen (Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut) haben können, wobei im Falle bestimmter genetischer Variationen eine Behandlung mit diesen Medikamenten mit schweren Nebenwirkungen einhergehen kann.

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Warum wird eine SLCO1B1-Genotypisierung durchgeführt?

Bei der SLCO1B1-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel. Im Fall der SLCO1B1-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit Statinen (Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut) haben können.

Damit Medikamente aus der Gruppe der Statine wirksam werden können, müssen diese Arzneistoffe über einen bestimmten Eiweißstoff (ein sogenanntes Transportprotein in den Zellmembranen) in das Innere der Leberzellen aufgenommen werden:

  • SLCO1B1-Transportprotein.

Bestimmte genetische SLCO1B1-Variationen können dazu führen, dass die Aufnahme von Statinen in die Leberzellen gehemmt wird, wobei es in diesen Fällen unter Umständen zu schweren Nebenwirkungen dieser Medikamente bei der betroffenen Patientin/dem betroffenen Patienten kommen kann:

  • Rhabdomyolyse (Zerfall von quergestreifter Muskulatur des Bewegungsapparates sowie des Herzens);
  • Nierenversagen.

In diesen Fällen muss bei einem positiven Nachweis bestimmter SLCO1B1-Genotypen vor einer Behandlung mit Statinen eine entsprechende Nutzen-Risiko-Abwägung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt erfolgen.

Die Anpassung einer medikamentösen Arzneimitteltherapie an den Stoffwechsel einer einzelnen Personen wird als personalisierte oder individualisierte Medizin bezeichnet, wobei in diesem Zusammenhang auch bestimmte Erbmerkmale berücksichtigt werden. Aus diesem Grund ist die SLCO1B1-Genotypisierung im Vorfeld einer geplanten Therapie mit einem Statin im Hinblick auf potenziell toxische Nebenwirkungen eines Arzneimittels aus dieser Medikamentengruppe eine wichtige diagnostische Maßnahme.

Bei der SLCO1B1-Genotypisierung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur Analyse bestimmter Genvariationen (sogenannte Allele) in diesem molekularen Transportproteinsystem. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird dabei aus dem Blut die Erbsubstanz (sogenannte Desoxyribonukleinsäure – DNA) extrahiert, mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – Polymerase Chain Reaction) die entsprechende Genregion vervielfacht (sprich: „amplifiziert“) und im Falle eines positiven Nachweises die gesuchte Genvariante identifiziert bzw. quantifiziert.

Neben dem PCR-Verfahren gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin/dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird „DNA-Sequenzierung“ genannt. Da diese Labormethode aber aufwendiger als das PCR-Verfahren ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung im Rahmen der SLCO1B1-Genotypisierung vor allem im Zusammenhang mit speziellen diagnostischen bzw. wissenschaftlichen Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der SLCO1B1-Genotypisierung zu interpretieren?

Genetische Variationen des SLCO1B1-Transportproteinsystems können mit schweren Nebenwirkungen im Rahmen einer medikamentösen Therapie mit einem Cholesterinsenker aus der Arzneimittelgruppe der sogenannten Statine einhergehen:

  • Rhabdomyolyse (Zerfall von quergestreifter Muskulatur des Bewegungsapparates sowie des Herzens);
  • Nierenversagen.

Die häufigste SLCO1B1-Genvariation (in diesem Zusammenhang auch „Mutation“ genannt) betrifft den Austausch einer einzelnen Aminosäure an der Position 174 des Transportproteins (Aminosäure „Alanin“ [A] statt „Valin“ [V]). Mischerbige (heterozygote) Träger dieser Mutationen (SLCO1B1*VA-Genotyp) kommen in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von rund 28 Prozent vor. Die Häufigkeit von reinerbigen Mutationsträgern (SLCO1B1*AA-Genotyp) wird in der Bevölkerung mit rund zwei Prozent der Fälle angenommen.

Insgesamt haben diese Personen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten toxischer Nebenwirkungen im Rahmen einer Statin-Therapie:

  • Mischerbige Mutationsträger – ca. 4-fach erhöhtes Risiko;
  • reinerbige Mutationsträger – ca. 16-fach erhöhtes Risiko.

Personen mit reinerbigem (homozygotem) SLCO1B1*VV-Genotyp (sogenannter genetischer „Wildtyp“) stellen mit rund 70 Prozent die häufigste Konstellation hinsichtlich des SLCO1B1-Erbgutes dar, wobei in diesen Fällen primär keine Hinweise auf eine Verminderung der SLCO1B1-Transportfunktion anzunehmen sind.

Weitere Informationen

LOINC: 79722-5/SLCO1B1 gene prod funct imp Bld/T CPIC

Referenzwert

Einheit Referenzbereich
Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre

Im Rahmen der SLCO1B1-Genotypisierung erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genauso wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Hinweis

Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Die labormedizinischen Referenzwerte können sich von  Richtwerten oder Grenzwerten für Diagnose und Therapie von Krankheiten unterscheiden.

Grundsätzlich hängen Referenzwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Daher werden von der Ärztin oder vom Arzt nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen. Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Referenzwerte?

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 13. Februar 2018

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Dr. Gerhard Weigl

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