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DPYD-Genotypisierung (DPYD)

Bei der DPYD-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel, was auch personalisierte oder individualisierte Medizin genannt wird. Im Fall der DPYD-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit dem Medikament 5-Fluorouracil (dabei handelt es sich um ein Chemotherapeutikum, welches in der Krebstherapie eingesetzt wird) haben können, wobei im Falle bestimmter genetischer Variationen dieses Medikament übermäßig stark wirksam sein kann.

Warum wird eine DPYD-Genotypisierung durchgeführt?

Bei der DPYD-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel. Im Fall der DPYD-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit dem Medikament 5-Fluorouracil (5-FU) haben können. Bei 5-FU handelt es sich um ein Chemotherapeutikum, welches in der Krebstherapie eingesetzt wird.

Für den Abbau von 5-FU im Körper spielt das folgende Enzym eine wichtige Rolle:

  • Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPYD).

Bestimmte genetische DPYD-Variationen können zu einem veränderten Stoffwechsel von medikamentös verabreichtem 5-FU führen:

  • Bei Personen mit vermindertem 5-FU-Stoffwechsel (sogenannte „schlechte Metabolisierer“) kann es dazu kommen, dass 5-FU übermäßig stark bis toxisch wirksam sein kann, weil das Medikament verzögert abgebaut wird und sich dadurch im Körper anreichern kann. In diesen Fällen ist eine Verminderung der individuellen 5-FU-Dosierung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt in Erwägung zu ziehen. In bestimmten Fällen (sogenannte reinerbige Merkmalsträger) darf eine 5-FU-Therapie nicht zur Anwendung kommen.

Die Anpassung einer medikamentösen Arzneimitteltherapie an den Stoffwechsel einer einzelnen Person wird als personalisierte oder individualisierte Medizin bezeichnet, wobei in diesem Zusammenhang auch bestimmte Erbmerkmale berücksichtigt werden. Aus diesem Grund ist die DPYD-Genotypisierung im Vorfeld einer geplanten 5-FU-Therapie im Hinblick auf potenziell toxische Nebenwirkungen des Chemotherapeutikums eine wichtige diagnostische Maßnahme.

Bei der DPYD-Genotypisierung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur Analyse bestimmter Genvariationen (sogenannte Allele) in diesem Enzymsystem. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird dabei aus dem Blut die Erbsubstanz (sogenannte Desoxyribonukleinsäure – DNA) extrahiert, mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – Polymerase Chain Reaction) die entsprechende Genregion vervielfacht (amplifiziert) und im Falle eines positiven Nachweises die gesuchte Genvariante identifiziert bzw. quantifiziert.

Neben dem PCR-Verfahren gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin/dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird DNA-Sequenzierung genannt. Da diese Labormethode aber aufwendiger als das PCR-Verfahren ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung im Rahmen der DPYD-Genotypisierung vor allem im Zusammenhang mit speziellen diagnostischen bzw. wissenschaftlichen Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der DPYD-Genotypisierung zu interpretieren?

Genetische Variationen des DPYD-Enzymsystems können zu einem veränderten Stoffwechsel von medikamentös verabreichtem 5-FU führen:

  • Bei Personen mit vermindertem 5-FU-Stoffwechsel (sogenannte „schlechte Metabolisierer“) kann es dazu kommen, dass 5-FU übermäßig stark bis toxisch wirksam sein kann, weil das Medikament verzögert abgebaut wird und sich dadurch im Körper anreichert.

Die häufigsten DPYD-Genvariationen (in diesem Zusammenhang auch Mutationen genannt) sind die „*2A“-, „I560S“- und „D949V“-Mutation. Mischerbige (heterozygote) Träger dieser Mutationen kommen in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von rund zwei Prozent vor. Diese Personen haben ein erhöhtes Risiko für toxische 5-FU-Nebenwirkungen, und in diesen Fällen ist eine Verminderung der individuellen 5-FU-Dosierung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt in Erwägung zu ziehen. Bei den seltenen reinerbigen (homozygoten) DPYD-Mutationsträgern ist eine 5-FU-Therapie kontraindiziert.

Generell ist im Zusammenhang mit der DPYD-Genotypisierung aber zu berücksichtigen, dass der fehlende Nachweis einer der häufigsten Mutationen eine verminderte DPYD-Aktivität dennoch nicht immer ausschließen kann. Aus diesem Grund kann es in bestimmten Fällen erforderlich sein, weiterführende pharmakokinetische Untersuchungen im Hinblick auf eine Anpassung der individuellen 5-FU-Dosierung bei einzelnen Patientinnen/Patienten durchzuführen.
Synonyme: DPYD-Genanalyse, DPYD-Mutationsanalyse
LOINC: 45284-7/DPYD gene Mut Anal Bld/T

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre


Im Rahmen der DPYD-Genotypisierung erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genauso, wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Hinweis Bei der DPYD-Genotypisierung handelt es sich um eine Laboruntersuchung, für welche die Bestimmungen des Österreichischen Gentechnikgesetzes (GTG) maßgeblich sind (Feststellung einer bestehenden Erkrankung nach §65 GTG).

Demzufolge darf diese Analyse vom medizinischen Labor erst nach Vorliegen einer schriftlichen Bestätigung der zu untersuchenden Person über die umfassende Aufklärung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt hinsichtlich dieser genetischen Untersuchung durchgeführt werden (§69 GTG).

Bei unmündigen oder besachwalteten Personen muss diese schriftliche Bestätigung entweder durch die bzw. den Erziehungsberechtigten oder durch die Sachwalterin bzw. den Sachwalter erfolgen.

Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich das Recht, die Durchführung genetischer Untersuchungen an ihrer Person zu untersagen.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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