Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

ALDO-B-Genanalyse (ALDOB)

Die ALDO-B-Genanalyse kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Fruktoseintoleranz liefern. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig.

Warum wird eine ALDO-B-Genanalyse durchgeführt?

Die ALDO-B-Genotypisierung kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Fruktoseintoleranz liefern. Bei der Fruktoseintoleranz handelt es sich zumeist um eine angeborene Störung, die mit einer verminderten Aktivität des den Fruchtzucker (Fruktose) verdauenden Enzyms Aldolase einhergeht.

Die Ursache für die Fruktoseintoleranz sind zumeist bestimmte Konstellationen des Erbgutes des Menschen, die angeboren sind und meistens von den Eltern vererbt wurden. Die Grundlage des Erbgutes des Menschen ist der sogenannte genetische Code – auch Erbsubstanz oder DNA (Desoxyribonukleinsäure) genannt. Die Erbsubstanz befindet sich im Zellkern aller Körperzellen, und sie ist für jeden Menschen in ihrer exakten Zusammensetzung einzigartig – vergleichbar mit dem Fingerabdruck, der ebenfalls für jeden Menschen einzigartig ist.

Bestimmte Veränderungen (z.B. Mutationen) oder Konstellationen im Bereich der Feinstruktur der Erbsubstanz können mit dem Auftreten von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Im Falle der Fruktoseintoleranz sind das bestimmte Variationen im Bereich des

  • ALDO-B-Gens des Menschen (mindestens 33 bekannte Mutationen).

Zur Untersuchung der Feinstruktur der menschlichen Erbsubstanz kann eine sogenannte ALDO-B-Genanalyse durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur genetischen Analyse der mit dem Auftreten einer Fruktoseintoleranz in Verbindung stehenden bekannten genetischen Veränderungen (Mutationen).

Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird aus dem Blut die Erbsubstanz extrahiert und mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – Polymerase Chain Reaction) vervielfacht (sprich amplifiziert). Da bei der Vervielfachung der Erbsubstanz im Rahmen dieser Untersuchung gleichzeitig mehrere DNA-Regionen amplifiziert werden, spricht man hierbei von einer sogenannten Multiplex-PCR.

Neben dem Verfahren der Multiplex-PCR gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin bzw. dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird „DNA-Sequenzierung“ genannt. Da diese Labormethode aber aufwändiger als die Multiplex-PCR ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung zur ALDO-B-Genanalyse meistens im Rahmen spezieller diagnostischer Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der ALDO-B-Genanalyse zu interpretieren?

Zur Diagnosesicherung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Fruktoseintoleranz bei einer Patientin bzw. einem Patienten ist die Durchführung einer ALDO-B-Genanalyse sinnvoll. Am häufigsten sind die folgenden genetischen Varianten (Mutationen) im Bereich des ALDO-B-Gens:

  • A149P-Mutation,
  • A174D-Mutation,
  • N334K-Mutation sowie
  • Y203X-Mutation („Stopp-Mutation“).

Durch den Nachweis dieser Mutationen kann bei Vorliegen entsprechender Beschwerden nach Fruchtzuckeraufnahme bei einer Patientin/einem Patienten das Vorliegen einer Fruktoseintoleranz bewiesen werden.

Fruktoseintoleranz

Bei der Fruktoseintoleranz handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine angeborene Erkrankung, die mit einer verminderten Bildung des den Fruchtzucker (Fruktose) verdauenden Enzyms Aldolase einhergeht. In Westeuropa tritt die Fruktoseintoleranz mit einer Häufigkeit von 1:20.000 auf, wobei es sich um eine autosomal-dominante Erbkrankheit aufgrund von Mutationen im Bereich des folgenden Gens handelt:

  • ALDO-B-Gen (mehr als 33 bekannte Mutationen).

Im Rahmen der Fruktoseintoleranz kommt es zu einer individuell unterschiedlich stark ausgeprägten Aktivitätsverminderung des Enzyms Aldolase, was nach Einnahme von Fruktose zu den folgenden typischen Beschwerden führt:

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • „Unterzuckerung“ (Hypoglykämie) sowie
  • Leberfunktionsstörungen.

Dramatische Verlaufsformen (bis hin zu Krampfanfällen) können bereits im Säuglingsalter nach Zufüttern von Früchten, Süßigkeiten bzw. Saccharose auftreten. Darüber hinaus kann es zu Wachstums- und Gedeihstörungen sowie zu einer Lebervergrößerung kommen. Auf der anderen Seite fehlt bei der Fruktoseintoleranz jeglicher Kariesbefall der Zähne.

Im Hinblick auf die Diagnose einer Fruktoseintoleranz existieren neben dem typischen Beschwerdebild die folgenden Untersuchungsmöglichkeiten:

  • Fruktose-Belastungstest: Messung von Fruktose und Glukose im Blut nach oraler Verabreichung von Fruktose. Dieser Test darf bei Kindern nicht durchgeführt werden.
  • ALDO-B-Genanalyse.

Zur Behandlung einer Fruktoseintoleranz ist je nach Ausprägungsgrad der Erkrankung eine fruktosearme bzw. -freie Diät erforderlich.

Synonyme: Fruktoseintoleranz-Genotypisierung
LOINC: 41120-7 / ALDOB gene Mut Anal Bld/T, 36918-1 / ALDOB gene Mut Anal Bld/T

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre


Im Rahmen der ALDO-B-Genotypisierung erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genau so, wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Hinweis Bei der ALDO-B-Genotypisierung handelt es sich um eine Laboruntersuchung, für welche die Bestimmungen des Österreichischen Gentechnikgesetzes (GTG) maßgeblich sind (Feststellung einer bestehenden Erkrankung nach §65 GTG).

Demzufolge darf diese Analyse vom medizinischen Labor erst nach Vorliegen einer schriftlichen Bestätigung der zu untersuchenden Person, der/des Erziehungsberechtigten (bei nicht entscheidungsfähigen minderjährigen Personen) oder der gesetzlichen Vertreterin/des gesetzlichen Vertreters (bei nicht entscheidungsfähigen volljährigen Personen) über die umfassende Aufklärung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt hinsichtlich dieser genetischen Untersuchung durchgeführt werden (§69 GTG).

Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich das Recht, die Durchführung genetischer Untersuchungen an ihrer Person zu untersagen.

Weitere Informationen zum  Erwachsenenschutzrecht (ehem. Sachwalterschaft).

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen