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INR (International Normalised Ratio)

Die INR ist ein spezielles Umrechnungsverfahren des bei der Prothrombinzeit (PTZ) ermittelten Sekundenmesswertes der Blutgerinnung. Der INR-Wert wird zur Überwachung einer gerinnungshemmenden Behandlung (orale Antikoagulationstherapie) verwendet.

Warum wird die INR bei einer Patientin/einem Patienten ermittelt?

Die INR ist ein spezielles Umrechnungsverfahren der Prothrombinzeit (PTZ). Die PTZ selbst ist wiederum ein wichtiger Gerinnungstest zur Kontrolle, ob die Blutgerinnung im Körper richtig funktioniert.

Insbesondere wird durch die PTZ die Bildung bestimmter Blutgerinnungsfaktoren überprüft.

  • Blutgerinnungsfaktoren: Das sind von der Leber gebildete Eiweißstoffe, die ein wichtiger Bestandteil der Blutflüssigkeit (Blutplasma) sind.

Zur Herstellung bestimmter Blutgerinnungsfaktoren benötigt die Leber Vitamin K. Diese Blutgerinnungsfaktoren werden daher „die Vitamin-K-abhängigen“ Blutgerinnungsfaktoren genannt:

  • Faktor II, Faktor VII, Faktor IX, Faktor X, Protein C und Protein S.

Mit der PTZ bzw. mit dem aus der PTZ errechneten INR-Wert wird insbesondere die Funktionalität dieser Vitamin-K-abhängigen Blutgerinnungsfaktoren überprüft.

Was versteht man unter der INR?

Im medizinischen Labor existieren für die Überprüfung der Blutgerinnung verschiedene Messmethoden. Eine dieser Methoden ist die Prothrombinzeit (PTZ).

Bei der Messung der PTZ wird im medizinischen Labor zuerst zum Plasma der Patientin/des Patienten (dieses wird bei der Blutabnahme durch Zugabe von Zitrat nicht gerinnbar gemacht) eine Aktivierungssubstanz der Blutgerinnung hinzugegeben. Diese Aktivierungssubstanz der Blutgerinnung heißt:

  • Thromboplastin – aus diesem Grund wird die PTZ auch Thromboplastinzeit (TPZ) genannt.

Die Zugabe von Thromboplastin zum Blutplasma führt zur Aktivierung der Blutgerinnung. Im Labor werden dann die Sekunden gemessen, bis sich ein Blutgerinnsel bildet.

Allerdings gibt es für Thromboplastin viele verschiedene Herstellungsmethoden, die ein großes Problem mit sich bringen:

  • Denn jedes Thromboplastin liefert abhängig vom Hersteller bedauerlicherweise einen anderen Sekundenmesswert in Bezug auf die Länge der Blutgerinnung.
  • Daher bekommt man bei ein und derselben Patientin bzw. bei ein und demselben Patienten mit jedem Thromboplastin einen anderen PTZ-Wert.
  • Diese PTZ-Werte sind untereinander nicht vergleichbar.

Aus diesem Grund veranlasste die WHO (Weltgesundheitsorganisation) bereits in den 1980er Jahren die Erstellung international gültiger Richtlinien zur Vereinheitlichung der PTZ-Messung. Das Ergebnis dieser Vereinheitlichung ist die sogenannte „International Normalised Ratio“ (INR).

Bei der INR wird der nach Thromboplastinzugabe gemessene Sekundenwert bis zur Gerinnselbildung in Relation zur Gerinnungszeit eines standardisierten Normalplasmas gesetzt. In weiterer Folge kommt dann auch noch ein Korrekturfaktor („International Sensitivity Index“ – ISI) ins Spiel, der die herstellerseitigen Effekte des jeweils verwendeten Thromboplastins berücksichtigt. Der ISI-Wert muss vom Reagenshersteller oder vom medizinischen Labor in Angleichung an das WHO-Standardplasma ermittelt werden.

Formel zur Berechnung der „International Normalised Ratio“ (INR) © Dr. Gerhard Weigl








Entsprechend der abgebildeten Formel bedeutet ein INR-Wert von 2, dass die Gerinnungszeit der Patientin/des Patienten doppelt so lange ist wie die des Normalplasmas (vorausgesetzt, es wurde ein Thromboplastin mit einem ISI von 1 verwendet).

Wie wird der INR-Wert interpretiert?

In der Medizin wird die PTZ bzw. der entsprechende INR-Wert zur Kontrolle einer Behandlung mit einem Vitamin-K-Gegenspieler (Vitamin-K-Antagonist) verwendet:

  • Vitamin-K-Antagonisten sind Medikamente wie z.B. Marcoumar® oder Sintrom®, die zur Hemmung der Blutgerinnung bei bestimmten Erkrankungen (Herz-Vorhof-Flimmern, Thrombosegefährdung, nach Herz- oder Lungeninfarkt etc.) verwendet werden.

Je nach Grunderkrankung sollte der INR-Wert in einem bestimmten Bereich liegen. Hier einige Beispiele:

  • Vorbeugung von Thrombosen (z.B. nach Operation) – INR 1,5 bis 2,5
  • Herz-Vorhof-Flimmern – INR 2,0 bis 3,0
  • bei künstlicher mechanischer Herzklappe – INR 3,0 bis 4,5

Da die Vitamin-K-Antagonisten nicht bei jedem Menschen gleich wirken, muss die Dosierung dieser Medikamente für jede Patientin bzw. für jeden Patienten individuell erfolgen. Um die richtige Dosierung zu finden, ist eine regelmäßige Kontrolle der PTZ (angegeben in Prozent der Norm und/oder als INR) erforderlich. Diese medizinische Kontrolle der Blutgerinnung wird anfänglich als Therapieeinstellung bezeichnet.

Wenn die Therapie einmal richtig eingestellt ist, sollte eine regelmäßige Kontrolle der PTZ durchgeführt werden, denn die Gerinnung ist dann am besten eingestellt, wenn die PTZ- bzw. INR-Werte möglichst wenig schwanken.

Die INR ist ein wichtiger Laborwert zur Beurteilung von Veränderungen in der Blutgerinnung. Deren Funktionsfähigkeit hängt jedoch vom Zusammenspiel zahlreicher Faktoren ab. Warum dies so wichtig ist und wie die Blutgerinnung funktioniert, erfahren Sie unter Blutgerinnungssystem.

Weitere Informationen zu Thrombose und Lungenembolie finden Sie unter Erkrankungen der Venen.
Synonyme: International Normalised Ratio (INR)
LOINC: 6301-6

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
keine Einheit, weil es ein Verhältnis (Ratio) ist 1,5–4,5 1,5–4,5 1,5–4,5 1,5–4,5
Die INR wird zur Einstellung und Kontrolle einer oralen antikoagulatorischen Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten verwendet. Der therapeutische Zielbereich bzw. Zielwert hängt von der jeweiligen Indikation ab (Grunderkrankung der Patientin bzw. des Patienten).        

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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