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Barbiturate/Urin (BARBU)

Das Drogenscreening ist eine weitverbreitete Methode, um Medikamente (wie z.B. Barbiturate) und illegale Rauschdrogen im Harn nachzuweisen.

Warum werden Barbiturate im Harn bestimmt?

Das Drogenscreening ist eine weitverbreitete Methode, um Medikamente (wie z.B. Barbiturate) und illegale Rauschdrogen im Harn nachzuweisen. Barbiturate gehören zur Gruppe der sedativ (dämpfend auf das Zentralnervensystem) und hypnotisch wirkenden Medikamente. In der Vergangenheit wurden sie als Schlaf- und Narkosemittel verwendet. Aufgrund der schweren Nebenwirkungen dieser Medikamente (v.a. Atemdepression) wurden Barbiturate als Schlafmittel von den Benzodiazepinen verdrängt. Barbiturate werden von Drogenabhängigen auch zu Rauschzwecken eingenommen bzw. injiziert.

In der Medizin ist der Nachweis von Rauschmitteln insbesondere bei folgenden Fragestellungen erforderlich:

  • Akute Vergiftungen: In diesen Fällen kann von der raschen Identifizierung der Rauschsubstanz das Überleben der Patientin bzw. des Patienten abhängen;
  • Nachweis einer Suchterkrankung;
  • Entzugsbehandlung.

Als Untersuchungsmethode werden in medizinischen Laboratorien für das Drogenscreening üblicherweise sogenannte „Immunoassays“ eingesetzt. Diese Tests arbeiten mit Antikörpern, wobei es auch zu unerwünschten Kreuzreaktionen dieser Antikörper mit nicht relevanten Substanzen kommen kann.

Aus diesem Grund muss bei sensiblen, immer aber bei rechtsmedizinischen Fragestellungen eine Bestätigung jedes positiven Drogenscreening-Ergebnisses mit einer analytisch korrekten Referenzmethode (z.B. Gas-Chromatographie/Massenspektrometrie – GC/MS) erfolgen.

Was bedeutet ein positiver Barbiturat-Test?

Ein positiver Barbiturat-Test bedeutet, dass in der untersuchten Harnprobe eine Substanz aus der Gruppe der Barbiturate bzw. eine andere, vom verwendeten Testsystem miterfasste Substanz oberhalb des Schwellenwertes („Cut-off“) des Testsystems nachweisbar ist.

Barbiturat-Tests sind üblicherweise auf einen Cut-off von 200 ng/ml eingestellt, wobei die folgenden Substanzen erfasst werden:

  • Secobarbital, Phenobarbital, Barbital u.v.m.

Hinweis Bestimmte Antiepileptika (Medikamente zur Behandlung der Epilepsie) können in hohen Dosierungen zu einem positiven Barbiturat-Test führen.

Barbiturate werden in Abhängigkeit vom Grad ihrer Fettlöslichkeit in kurz-, mittel- und langwirksame Substanzen eingeteilt. Besonders fettlösliche Barbiturate können noch Wochen nach der Einnahme im Harn nachweisbar bleiben.

Drogenharnscreening

Die Untersuchung von Harn im Hinblick auf den Nachweis illegaler Rauschdrogen bzw. zu Berauschungszwecken eingenommener Medikamente wird als „Drogenscreeningbzw. „Drogenharnscreening“ bezeichnet. Allerdings ist beim Drogenscreening eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen, damit keine falschen Schlussfolgerungen gezogen werden.

Als Untersuchungsmaterial wird beim Drogenscreening Harn verwendet. Die Vorteile von Harn als Untersuchungsmaterial für das Drogenscreening umfassen:

  • relativ leichte Verfügbarkeit,
  • keine Blutabnahme erforderlich,
  • hohe Konzentration der zu untersuchenden Substanzen.

Harn hat als Untersuchungsmaterial aber auch eine Reihe von Nachteilen:

  • Die Drogentests sind pH-abhängig und können durch ein saures Milieu verfälscht werden;
  • die Konzentration von Spontanharn unterliegt starken Schwankungen;
  • Drogenharntests können leicht verfälscht werden, indem die Testperson viel Flüssigkeit trinkt.

Aus diesem Grund empfiehlt sich für das Drogenharnscreening (wie etwa auch beim Schwangerschaftstest) die Verwendung des ersten Morgenharns. Vonseiten des Labors sollte auch immer eine Kreatininbestimmung im Harn (und/oder Messung von pH-Wert, Osmolalität, spezifischem Gewicht, Temperatur) erfolgen, um die Konzentration des Harns abzuschätzen bzw. um vorsätzliche Probenmanipulationen auszuschließen.

Labormethoden

Als Bestimmungsmethoden für das Drogenscreening werden in medizinischen Laboratorien sogenannte „Immunoassays“ verwendet. Dazu zählen:

  • Harnstreifentests sowie
  • nasschemische Verfahren.

Prinzipiell handelt es sich bei diesen beiden Methoden um indirekte Nachweisverfahren, wobei Antikörper gegen einzelne Substanzen (Kokain, Methadon etc.), (Folgeprodukte durch Verstoffwechslung im Körper) von Substanzen (z.B. EDDP der primäre Methadonmetabolit) sowie Substanzklassen (Benzodiazepine, Amphetamine etc.) das grundsätzliche Funktionsprinzip dieser Tests darstellen.

Ein wesentlicher Nachteil der Immunoassays ist die Tatsache, dass es bei den verwendeten Antikörpern auch zu Kreuzreaktionen mit anderen, nicht relevanten Substanzen kommen kann. Besonders betroffen sind jene Tests, die Substanzklassen (Amphetamine, Benzodiazepine etc.) aufspüren.

Aus diesem Grund sollten für das vom jeweiligen medizinischen Labor verwendete Immunoassay-Testsystem sogenannte Kreuzreaktionslisten verfügbar sein. Anhand dieser Listen ist ersichtlich, mit welchen Substanzen sowie Konzentrationen der Immunoassay jeweils positive („Positiv-Listen“) bzw. negative („Negativ-Listen“) Ergebnisse liefert.

Hinweis Eine weitere Besonderheit der Immunoassays ist die Tatsache, dass diese Tests nur ein vorläufiges Ergebnis liefern. Aufgrund des Einsatzes von Antikörpern und der beschriebenen Kreuzreaktionsproblematik muss ein positives Drogenscreening-Ergebnis – insbesondere bei sensiblen bzw. rechtsmedizinischen Fragestellungen – mit einem sogenannten Referenzverfahren (z.B. Gas-Chromatographie/Massenspektrometrie – GC/MS) bestätigt werden.
Die GC/MS ist ein direktes Nachweisverfahren, wobei tatsächliche Substanzen (Drogen sowie Metabolite) nachgewiesen und exakt quantifiziert werden können.

Interpretation der Drogenscreening-Ergebnisse

Sowohl bei Immunoassays als auch GC/MS müssen bestimmte Schwellenwerte („Cut-offs“) verwendet werden. Dabei handelt es sich um willkürlich festgelegte Grenzwerte, ab wann ein Testergebnis als „positiv“ bzw. „negativ“ klassifiziert wird.

Darüber hinaus kann auch die Sensitivität des Testsystems mit dem Cut-off gesteuert werden. So existieren etwa für den Nachweis von Cannabis im Harn Testsysteme, die auf die Cut-offs 25, 50 bzw. 100 ng/ml eingestellt sind. Je nachdem, welches Testsystem zur Anwendung kommt, kann die Nachweisdauer der Rauschdrogen verlängert werden.

So kann etwa bei einem Cannabis-Testsystem mit einem Cut-off von 25 ng/ml der Test auch noch Wochen nach der letzten Konsumation positiv ausfallen, obwohl eine rauschmäßige Beeinträchtigung in so einem Fall lange nicht mehr gegeben ist.

LOINC: 9426-8

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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