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Akupunktur © llhedgehogll
Akupunktur © llhedgehogll

Akupunktur

Der Begriff „Akupunktur“ setzt sich aus dem lateinischen Wort acus (= Nadel) und punctura (= Stich) zusammen und bedeutet „Therapie mit Nadeln“. Die Akupunktur ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Grabfunde lassen darauf schließen, dass diese Methode bereits vor 5.000 bis 6.000 Jahren angewendet worden sein könnte. Damals wurden Steinnadeln, Bambussplitter und Fischgräten verwendet. In Europa wird Akupunktur erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt. Akupunktur ist in Österreich seit 1986 vom Obersten Sanitätsrat als „Offizielle Heilmethode“ bei bestimmten Indikationen anerkannt.

Was ist der Hintergrund?

Als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) basiert die Akupunktur auf dem philosophischen Konzept der Yin-Yang Theorie. Gesundheit bedeutet in der TCM ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Ziel der Akupunkteurin/des Akupunkteurs ist es, entstandene Ungleichgewichtszustände zu erkennen und auszugleichen.

Wie funktioniert die Methode?

Nach einer ausführlichen konventionell medizinischen und TCM Anamnese in Kombination mit Zungen- und Pulsdiagnose und gegebenenfalls weiteren Diagnosemethoden werden Akupunkturpunkte ausgewählt, die auf einem dreidimensional verlaufenden Netzwerk, den sogenannten Meridianen, liegen. Durch die Meridiane fließt nach Ansicht der TCM die Lebensenergie („Qi“). Sie durchziehen als Längslinien den ganzen Körper, verbinden aber auch die inneren Organe mit der Körperoberfläche. Durch das Stechen von Nadeln versucht die ausgebildete Akupunkteurin/der ausgebildete Akupunkteur über den Akupunkturpunkt auf den Energiefluss im Meridian einzuwirken, um Yin und Yang auszugleichen und ein harmonisches Gleichgewicht der Körperfunktionen herzustellen. 

Verwendet werden sterile Einmalnadeln aus Stahl, die 20 bis 30 Minuten belassen werden. Alternativ können die Akupunkturpunkte auch mittels Laser, Magnete, Schröpfköpfen oder Massage behandelt werden. Zusätzlich kommt manchmal auch eine spezielle Wärmetherapie, die Moxibustion, zur Anwendung.

Es wurden diverse physiologische Modelle vorgeschlagen, um die Auswirkungen der Akupunktur wissenschaftlich zu erklären. Für viele dieser Modelle waren die Daten jedoch entweder zu inkonsistent oder zu unzureichend, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. In verschiedenen Modellen werden Wirkungen auf Zytokine, Hormone (z.B. Cortisol und Oxytocin), biomechanische oder elektromagnetische Effekte beschrieben, welche das Immunsystem sowie das vegetative und somatische Nervensystem beeinflussen 

Welche Einsatzbereiche gibt es?

Laut Ansicht ihrer Befürworterinnen/Befürworter kommt die Akupunktur bei einer breiten Palette von Beschwerden zur Anwendung. 

Einsatzgebiete, bei denen die Wirksamkeit von Akupunktur als gesichert angenommen werden kann, sind:

Weitere Indikationen, für die eine Wirksamkeit der Akupunktur noch nicht gesichert ist, sind:

  • Spannungskopfschmerzen,
  • Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule,
  • Osteoarthrose,
  • Nackenschmerzen,
  • Regelbeschwerden (Dysmenorrhoe),
  • Schmerzmanagement während der Wehen,
  • Chemotherapie-bedingte Übelkeit oder Erbrechen.

Welche Evidenz gibt es?

Die WHO empfiehlt die Anwendung von Akupunktur für 108 Indikationen. Auch einschlägige Fachgesellschaften empfehlen Akupunktur in breiten Anwendungsbereichen. Die Ergebnisse einer im Jahre 2014 erstellten Übersichtsstudie mit insgesamt 55 Cochrane Reviews ("Overview of Cochrane Reviews“) zeigen hingegen, dass die Wirksamkeit von Akupunktur nur für zwei Indikationen als gesichert angenommen werden kann. Für sieben weitere Indikationen könnte die Wirksamkeit von Akupunktur gegeben sein. Für vier Indikationen (Epilepsie, Reizdarmsyndrom, Erbrechen und Übelkeit während der Schwangerschaft sowie künstliche Befruchtung) deutet der „Overview of Cochrane Reviews“ auf die Nicht-Wirksamkeit von Akupunktur hin. Für 42 Indikationen konnte aufgrund fehlender oder unzureichender Evidenz keine Aussage getroffen werden.

Hinweis Auf dem Gebiet der Akupunktur werden laufend neue Studien publiziert, die sich mit verschiedensten Krankheitsbildern und Beschwerden beschäftigen. 

Wohin kann ich mich wenden?

In Österreich ist die Ausübung der Akupunktur ausschließlich Ärztinnen/Ärzten vorbehalten, nur im Bereich der Geburtshilfe dürfen auch speziell ausgebildete Hebammen akupunktieren. 

Vonseiten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) sind vier Akupunkturausbildungsgesellschaften anerkannt: Ärzte für Akupunktur, Österreichische Gesellschaft für Akupunktur, Österreichische Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur und TCM und das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin und Komplementärmedizin der Donau-Universität Krems. Jede dieser Gesellschaften verfügt über eine Liste von Therapeutinnen/Therapeuten, welche die Ausbildung mit dem ÖÄK-Diplom für Akupunktur absolviert haben. Darüber hinaus wird Akupunktur in manchen Schmerzambulanzen angeboten. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für komplementärmedizinische Behandlungen werden von den Krankenversicherungsträgern im Regelfall nicht und in wenigen Fällen nach chefärztlicher Bewilligung übernommen. Im Kur- und Rehabilitationsbereich ist für einzelne Leistungen eine zumindest teilweise Kostenübernahme vorgesehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, beim zuständigen Krankenversicherungsträger nachzufragen.

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