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Studie: Gesundheitliche Folgen des Klimawandels

Klimawandel Symbolfoto © Nmedia
24.09.2018

Wetterextreme, höhere Pollenbelastung, neue Insektenarten: Ein aktueller Bericht beschreibt problematische Folgen des Klimawandels in Österreich und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Der „Österreichische Special Report Gesundheit, Demographie und Klimawandel“ wurde vor Kurzem vom Klima- und Energiefonds gemeinsam mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) präsentiert. An der Studie arbeiteten mehr als 60 Expertinnen und Experten unter dem Dach des „Austrian Panel on Climate Change“ (APCC) mit. Ziel des Gremiums ist, die Folgen der Klimaveränderung zu erforschen.

Der heurige Sommer brachte wieder einmal Rekordtemperaturen, so der Klimafonds in einer Aussendung. In allen Landeshauptstädten gab es deutlich mehr Hitzetage mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad als in einem durchschnittlichen Sommer. In Wien gab es insgesamt 40 Tropennächte und damit mehr als in jedem anderen Sommer seit Messbeginn.

Wie hängen Klimawandel und Gesundheit zusammen?

„Der Rekordsommer 2018 hat gezeigt: Der Klimawandel ist real, und seine Auswirkungen sind deutlich spürbar“, erklärt Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger. „Mit der vorliegenden Studie, die der Klima- und Energiefonds in Auftrag gegeben hat, wurden fundierte Fakten geschaffen. Nun brauchen wir konkrete Lösungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Österreichische Bundesregierung gibt dem Thema Klimaschutz große Bedeutung“, so Köstinger.

Der Bericht verdeutlicht, wie Klimawandel und Gesundheit zusammenhängen (Zitat): „Getrieben von der Temperaturzunahme, die mit beispielloser Geschwindigkeit vor sich geht, verändern sich weltweit – auch in Österreich – die klimatischen Bedingungen, welche die gesundheitlichen Einflussfaktoren direkt und indirekt mitbestimmen.“

Erhöhte Gesundheitsrisiken

Extreme Wetterereignisse gefährden die Gesundheit der Österreichischen Bevölkerung als direkte Auswirkungen. Am bedeutendsten sind dabei Hitzewellen. Laut der Studie wird sich die Zahl der Hitzetage bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Häufigere Hitzeperioden treffen gleichzeitig auf eine ältere Gesellschaft, die einen um zehn Prozent höheren Anteil an Personen über 65 Jahre aufweist. Aufgrund der wachsenden Zahl an Tropennächten, in denen nicht ausreichend Abkühlung stattfindet, führen all diese Entwicklungen insbesondere in dicht verbauten Gebieten zu stark erhöhten gesundheitlichen Risiken. Davon betroffen sind besonders ältere Menschen, Kinder, Patientinnen/Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Andere Extremereignisse, wie Stürme, Hochwasser oder Muren, führen zwar zu zahlenmäßig geringeren körperlichen Schäden als direkte Folge. Allerdings wird laut Bericht eine Zunahme psychischer Traumata aufgrund materieller Schäden erwartet. Die Zunahme von extremen Niederschlägen, länger andauernder Trockenheit oder heftigeren Stürmen verursachen zudem hohe wirtschaftliche Kosten etwa durch Hochwasserschäden oder Ernteausfälle.

Im Zuge des Klimawandels rechnen die Forscherinnen und Forscher außerdem mit einer erhöhten Pollenbelastung, insbesondere durch Ragweed (Traubenkraut, Ambrosia). Bereits heute sind rund zwanzig Prozent der Österreicherinnen und Österreicher von allergischen Erkrankungen betroffen. Folgt Österreich dem europäischen Trend, könnten das in den nächsten zehn Jahren fünfzig Prozent werden.

Der Klimawandel begünstigt die Ansiedlung oder Ausbreitung verschiedener Gliederfüßer (Arthropoden), wie Zecken und Mücken. Manche können Krankheiten übertragen. Auch finden künftig subtropische und tropische Stechmückenarten (z.B. Tigermücke und Buschmücke) hierzulande bessere Überlebensbedingungen vor und erfordern eine Überwachung der Ausbreitung sowie der Erkrankungen.

Gesünder leben und dabei das Klima schützen

„Sobald wir die Auswirkungen des Klimawandels auf alle unsere Lebensbereiche erkennen, kann es gelingen, passende Maßnahmen sowohl auf politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene zu identifizieren, als auch deutlich zu machen, wie jeder und jede Einzelne von uns bei einem klimatauglichen Leben unterstützt werden kann“, erklärt Willi Haas vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien und zentraler Studienautor.

Neben dem Abschwächen der Klimafolgen für die Gesundheit empfehlen die Autorinnen/Autoren, auch die klimaspezifische Gesundheitskompetenz von Gesundheitspersonal und Bevölkerung zu stärken. Verhaltensänderungen z.B. in den Bereichen Ernährung oder Mobilität wirken sich sowohl positiv auf das Klima als auch auf die Gesundheit aus. Zu den Möglichkeiten zählen:

  • Ausgewogene Ernährung in Anlehnung an die Ernährungspyramide (siehe gesunde Ernährung) mit mehr regionalen, saisonalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln.
  • Im Bereich Mobilität verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und mehr aktive Mobilität (z.B. per Fahrrad oder zu Fuß), Umstieg auf Elektromobilität, Carsharing statt motorisierter Individualverkehr.
  • Gesundes, klimafreundliches Wohnen, u.a. mit effizienten Systemen für Heizung und Warmwasser, auf Basis erneuerbarer Energie; Mehrfamilienwohnungen und Nutzung von Gemeinschaftsangeboten, wie Urban Gardening oder Nachbarschaftsgärten, als Alternative zu Einfamilienhäusern (siehe gesunde Nachbarschaft).

Weitere Informationen:

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