Welt-AIDS-Tag: HIV-Infektionen öfter unerkannt

30.11.2021

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Erstmals 1988 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen, steht dieser Tag für Solidarität mit Menschen mit HIV und AIDS und soll Diskriminierung entgegenwirken. Daten eines neuen WHO-Berichts weisen auf einen Anstieg der Dunkelziffer an HIV-Infektionen in Europa hin.

Bei HIV gilt wie bei SARS-CoV-2: Wenn eine Ansteckung früh erkannt wird, können weitere Infektionen vermieden werden.

Der neue Bericht wurde vom WHO-Regionalbüro für Europa gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zum Welt-Aids-Tag veröffentlicht. Der Bericht zeigt: Die Zahl neuer HIV-Diagnosen ging zwischen 2019 und 2020 um 24 Prozent zurück. Dieser Rückgang sei jedoch hauptsächlich auf die geringere Zahl an HIV-Tests aufgrund der durch COVID-19 bedingten Beeinträchtigungen in der Gesundheitsversorgung zurückzuführen.

Weniger HIV-Tests, weniger Neudiagnosen

Dies sei besorgniserregend, da die HIV-Neuinfektionen in Europa seit einem Jahrzehnt eine steigende Tendenz aufweisen. Die Daten des Berichts würden darauf hindeuten, dass die Zahl der Menschen mit einer nicht diagnostizierten HIV-Infektion in der Europäischen Region wächst. Dies erklärten das WHO-Regionalbüro für Europa und das ECDC in einer Aussendung.

„Auch wenn wir 2020 einen Rückgang der Fallzahlen erlebt haben, so ist doch davon auszugehen, dass ein erheblicher Anteil davon auf weniger frühzeitig entdeckte Fälle zurückzuführen ist, zumal die HIV-Testangebote wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 einen Teil des Jahres 2020 reduziert oder gänzlich eingestellt wurden“, erklärte Andrea Ammon, Leiterin des ECDC.

2020 betrug die durchschnittliche Infektionsrate (Inzidenz) in den EU-Ländern 3,7 Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner:innen. Österreich zählte mit einer Inzidenz von 1,7 zu den Ländern mit den niedrigsten Infektionsraten. Männer hatten laut WHO-Bericht in allen Altersgruppen höhere Infektionsraten als Frauen.

Häufige Übertragungswege von HIV

Die Art der Übertragung ist in den Ländern der Europäischen Region unterschiedlich. In den Ländern der EU und des EWR ist die sexuelle Übertragung zwischen Männern der häufigste Übertragungsweg. Im östlichen Teil der Europäischen Region hingegen sind heterosexuelle Übertragung und Drogeninjektion die am häufigsten gemeldeten Übertragungswege.

Diskriminierung von HIV-Betroffenen abbauen

„Auch wenn weltweit alle Augen auf die COVID-19-Pandemie gerichtet sind, so dürfen wir darüber doch nicht ein anderes tödliches Virus vergessen, das seit fast 40 Jahren Menschenleben und Gemeinschaften zerstört“, erklärte Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

In den vergangenen Jahren hätten sich viele Länder in der Europäischen Region darum bemüht, Tests und Therapien auszuweiten. Auch negative Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV wurden bekämpft. „Es gibt jedoch immer noch zu viel Diskriminierung und Falschinformationen über das Virus, aber auch eklatante Diskrepanzen innerhalb der Europäischen Region in Bezug auf Diagnose und Behandlung“, ergänzte Kluge.

Vorbeugung und frühe Diagnosen wichtig

Was man aktuell bei SARS-CoV-2 sieht, das gilt auch für HIV, so die AIDS-Hilfe Wien in einer Aussendung: Je früher man über eine Ansteckung Bescheid weiß, desto günstiger wirkt sich dies auf den Krankheitsverlauf und das persönliche Wohlbefinden aus. Späte HIV-Diagnosen haben Auswirkungen auf individueller, aber auch gesellschaftlicher Ebene: Menschen, die zu einem späten Zeitpunkt eine HIV-Diagnose erhalten, haben ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und eine frühzeitige Sterblichkeit.

Auf gesellschaftlicher Ebene führt der verzögerte Zugang zur HIV-Therapie zudem zu weiteren Infektionen, die vermeidbar wären, sowie zu höheren Behandlungskosten. Hingegen haben Menschen unter wirksamer Therapie eine normale Lebenserwartung und eine gute Lebensqualität, so die AIDS-Hilfe Wien. Und sie können unter wirksamer Therapie das Virus nicht weitergeben – auch nicht beim Sex.

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Letzte Aktualisierung: 30. November 2021

Erstellt durch: Redaktion

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