Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Mann im Bett © feelphotoartzm

Vorzeitiger Samenerguss

Zurzeit gibt es keine einheitliche Definition für das „oftmalige Zu-früh-Kommen“. Bei einer Ejaculatio praecox (EP, vorzeitiger Samenerguss) kommt es zu einer schnellen/vorzeitigen Ejakulation, sodass ein für beide Partner befriedigender Geschlechtsverkehr nicht möglich ist. Zum Samenerguss kommt es bereits vor, während oder kurz nach der Penetration (vor oder beim Eindringen in die Vagina) und beim Großteil der Sexualkontakte. Die Ejakulation tritt früher ein, als der Patient (und eventuell die Partnerin) dies möchte . . .

Bei der EP handelt sich um eine andauernde bzw. immer wieder kommende frühzeitige Ejakulation. Generell kann ein vorzeitiger Samenerguss in jedem Alter vorkommen. Der gelegentliche vorzeitige Samenerguss ist nicht unbedingt Anlass zu Sorge. Vor allem in jungen Jahren – und oftmals bedingt durch (noch) ungewohnte sexuelle Situationen – ist die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Samenergusses erhöht. Ein andauernder frühzeitiger Samenerguss stellt jedoch meist eine enorme psychische Belastung dar und kann die Beziehung negativ beeinflussen sowie zu zwischenmenschlichen Schwierigkeiten führen. Die „Angst vor dem Versagen“ kann zu Vermeidungsverhalten führen sowie zum „Verzicht“ bzw. zur Reduzierung der sexuellen Aktivitäten (Anzahl der Sexualkontakte).

Ursachen

Es können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen vorliegen. Beispielsweise können Fehlregulationen bei der Nervenreizübertragung vorkommen. Insbesondere bei der primären – lebenslangen – Form der EP scheint eine Dysregulation von Botenstoffen im Gehirn Ursache der Kontrolle des Ejakulationsreflexes zu sein. Sekundär kann es unter anderem auch im Rahmen einer Prostataentzündung oder bei Schilddrüsenerkrankungen zu einer EP kommen. Verschiedene Theorien gehen davon aus, dass eine EP psychische Ursachen bzw. krankhaft erlerntes Verhalten zur Ursache haben kann. Nicht alle Ursachen einer EP sind bislang vollständig geklärt.

Diagnose

Einen vorzeitigen Samenerguss anzusprechen ist ein wesentlicher Schritt, der oftmals mit viel Überwindung verbunden ist. Zur Diagnose einer EP führt die Ärztin/der Arzt ein ausführliches Anamnesegespräch, das nicht nur den körperlichen Zustand, sondern das ehrliche Ansprechen des Sozial- und Sexuallebens mit einbeziehen sollte. Wesentlich sind außerdem eventuelle Medikamenteneinnahmen (z.B. Psychopharmaka). Weiters klärt die Ärztin/der Arzt ab, ob es sich um eine primäre oder sekundäre (erworbene) EP handelt. Mögliche Grunderkrankungen werden in die Diagnose mit einbezogen (z.B. Entzündungen der Harnröhre). Entscheidend ist außerdem, ob der betroffene Mann tatsächlich unter einer EP leidet oder ob er nur durch falsche Annahmen hinsichtlich des „richtigen“ Zeitpunktes des Samenergusses vermutet, dass er „krank“ ist.

Therapie

Eine EP wird je nach Ursache behandelt. Die Therapie kann medikamentös, mechanisch und psychotherapeutisch erfolgen – aber auch aus einer Kombination mehrerer Therapieoptionen bestehen. Eine eventuelle Grunderkrankung wird mit einbezogen.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Therapie kann in Form von Gels bzw. Cremen sowie in Tablettenform erfolgen:

  • Medikamentöse topische (lokale) Therapie. Anästhesierende Gels und Cremen werden auf die Eichel des Penis aufgetragen (Emla-Creme, Xylocain-Gel 2%), sodass die Empfindung beim Mann reduziert wird.
  • Medikamentöse (orale) Therapie. Der Wirkstoff Dapoxetin wird eingesetzt, um die Ejakulation bei vorzeitigem Samenerguss durch Beeinflussung des Ejakulationsreflexes im Gehirn zu verzögern (orale Therapie in Tablettenform). Außerdem können weitere Medikamente verordnet werden, z.B. wenn zudem eine Erektionsstörung vorliegt. Über den Einsatz weiterer Medikamente informiert Sie die Ärztin/der Arzt.

Nicht medikamentöse mechanische Therapie (Verhaltensmaßnahmen)

Durch nicht medikamentöse Techniken, wie die Start-Stopp-Technik und die Squeeze-Technik, wird versucht, den Samenerguss hinauszuzögern.

  • Bei der Start-Stopp-Technik wird der Penis stimuliert und knapp vor dem Samenerguss (bzw. knapp vor dem Gefühl, dass der Samenerguss unausweichlich ist) die Stimulierung unterbrochen. Nach dem Nachlassen der Erregung wird wieder begonnen.
  • Bei der Squeeze-Technik wird der Sexualakt ebenfalls kurz vor dem Höhepunkt unterbrochen und durch Druck mit dem Daumen auf die Glansbasis des Penis (Bereich der Eichel, Vorderhautbändchen) versucht, die Blutfülle im Corpus cavernosum (Penisschwellkörper) zu verringern und die Ejakulation hinauszuzögern.

Verhaltensmaßnahmen sind am effektivsten, wenn sie zusätzlich zu anderen medizinischen Behandlungen angewandt werden, und sie sind nicht bei allen Formen der EP wirksam.

Psychotherapie
Psychotherapie

Verschiedene psychische Ursachen können mit einer EP zusammenhängen wie beispielsweise frühkindliche sexuelle Störungen, unrealistische Vorstellungen über Sexualität, Angst vorm Versagen sowie Leistungsdruck. Um diese Angstspirale zu durchbrechen, kann psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Das Einbeziehen der Partnerin (Gespräche und Therapie), Angstabbau, Veränderung von Denk- und Verhaltensmustern sowie Abbau eines eventuellen sexuellen Leistungsdrucks können notwendig sein. Sowohl Sexualtherapie als auch Verhaltens-, Paar- sowie Familientherapie können dazu dienen, Verhaltensweisen zu überdenken und Ängste abzubauen. Weitere Informationen finden Sie unter Psychotherapie.

Wohin kann ich mich wenden?

Andauernde Probleme mit vorzeitigem Samenerguss sollten mit einer Urologin/einem Urologen besprochen werden. Auch die Ärztin/der Arzt für Allgemeinmedizin kann kontaktiert werden und eine entsprechende Zuweisung in die Wege leiten. In den Diagnose- und Therapieprozess können Ärztinnen/Ärzte verschiedener Fachrichtungen sowie Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten involviert sein.

Nach wie vor sind sexuelle Probleme – wie der vorzeitige Samenerguss – ein Tabuthema. Sie können mit einem hohen Leidensdruck in Zusammenhang stehen. Man geht davon aus, dass nicht alle betroffenen Männer ärztliche Hilfe suchen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Sexuelle Funktionsstörungen gelten nicht als Krankheit im Sinn des Sozialversicherungsrechts. Behandlungen von sexuellen Funktionsstörungen fallen nicht in die Leistungspflicht der Krankenversicherung. Die Kosten werden nur in Einzelfällen von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie) ist eine Kostenbeteiligung der Patienten vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Leistungen & Kosten.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse