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Mann sitzt am Bett © BillionPhotos.com

Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion)

Man spricht von einer erektilen Dysfunktion (ED), wenn es dauerhaft nicht möglich ist, eine Erektion des Penises für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Die ED wurde früher auch als Impotenz bezeichnet – und wird heute noch umgangssprachlich so genannt. Sie ist eine der häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes. Die ED kann bereits bei jungen Männern vorkommen, betrifft jedoch vor allem die zweite Lebenshälfte. In einer repräsentativen Befragung von 28.000 Männern klagten sieben Prozent der 20- bis 29-Jährigen, 48 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 64 Prozent der 70- bis 79-Jährigen über Potenzstörungen. Eine ED hat nicht nur körperliche Auswirkungen, sondern kann die Psyche sowie die Qualität und Zufriedenheit der Paarbeziehung beeinträchtigen . . .

Ursachen

Für das Zustandekommen einer Erektion ist eine ganze Reihe komplexer Vorgänge notwendig. Nerven-, Hormon- und Blutgefäßsystem beeinflussen sie. Darüber hinaus verfügt der Penisschwellkörper über einen komplexen Aufbau. Dementsprechend mannigfaltig können die Ursachen einer ED sein. Psychische Faktoren (z.B. Stress, mangelndes Selbstvertrauen, Probleme in der Partnerschaft) zählen genauso zu den Ursachen wie körperliche. Auch eine Kombination mehrerer Faktoren kann zu einer ED führen.

Zu den möglichen Ursachen zählen u.a.:

  • Erkrankungen des Gefäßsystems wie Atherosklerose, Bluthochdruck,
  • metabolisches Syndrom,
  • hohe Cholesterinwerte,
  • Diabetes, diabetische Neuropathie,
  • Alkoholmissbrauch bzw. hoher Alkoholkonsum,
  • hoher Nikotinkonsum,
  • multiple Sklerose,
  • Testosteronmangel,
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion,
  • Hyperprolaktinämie,
  • Übergewicht,
  • Operationen im Beckenbereich (z.B. radikale Prostatektomie – Entfernung der Prostata, Operationen am Enddarm) oder Verletzungen im Beckenbereich,
  • Verletzungen des Rückenmarks,
  • Medikamente (z.B. Antihypertensiva, Antihistaminika, Psychopharmaka, Opiate),
  • schwere systemische Erkrankungen wie (z.B. Leukämie),
  • psychische Ursachen bzw. Erkrankungen (Ängste, Leistungsdruck, Unsicherheiten, Depression etc.).

Vorbeugung

Ein gesundheitsfördernder Lebensstil kann maßgeblich zu einer Verbesserung der Potenz beitragen. Dazu gehören vor allem:

  • Rauchstopp,
  • Normalgewicht anstreben,
  • regelmäßige körperliche Bewegung (z.B. Walken, Joggen, Biken),
  • gesundheitsfördernde Ernährung.

Förderlich ist eine lebendige, stimmige Partnerschaft, in der offene Gespräche über Sexualität möglich sind. Paare, die offen mit dem Thema Sexualität umgehen, haben deutlich weniger Probleme im Umgang mit auftretenden Potenzstörungen. Verdrängen und Verschweigen hingegen lassen aus einem kleinen Problem ein großes werden. Spekulationen auf der einen Seite, Fehlinterpretationen auf der anderen Seite bekommen oftmals eine fatale Eigendynamik. Hingegen führt ein offenes, konstruktives Gesprächsklima viel eher zu einem erfüllten Sexualleben.

Diagnose

Zur Abklärung einer ED führt die Ärztin/der Arzt eine ausführliche Anamnese durch, in die nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch Sexualität, Lebensstil und soziales wie partnerschaftliches Umfeld mit einbezogen werden. Dafür kann es sinnvoll sein, auch die Partnerin/den Partner in das Gespräch zu involvieren. Das Ansprechen von „Problemen“, die die Sexualität betreffen, ist oft mit Tabus und Hemmschwellen verbunden. Ein offenes und ehrliches Gespräch ist jedoch für Diagnose und Therapie notwendig.

Grunderkrankung und Blutwerte

Für die Diagnosestellung ist außerdem eine körperliche Untersuchung unumgänglich (urologische und rektale Untersuchung). Es werden Erkrankungen, die der ED zugrunde liegen können, abgeklärt (z.B. Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Blutdruckmessung, Schilddrüsenbefund, Sehnenreflexe sowie Prostatabefund können von der Ärztin/dem Arzt erhoben werden. Auch ein eventuelles metabolisches Syndrom wird abgeklärt.

Die Ärztin/der Arzt ordnet gegebenenfalls Laboruntersuchungen des Blutes an, wie Blutzucker, Blutfettwerte (Gesamt-Serum-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride), Hormonstatus (Gesamttestosteron, luteinisierendes Hormon und follikelstimulierendes Hormon, Prolaktin).

Abhängig von dem Patienten und der Ausgangssituation können auch weitere Blutuntersuchungen erhoben werden (wie rotes und weißes Blutbild, TSH, Albumin, PSA-Wert etc.).

Weitere Tests


Bei einigen Patienten können außerdem ein sogenannter Schwellkörperinjektionstest, eine Duplexsonographie des Penises (Ultraschall der Penisarterien) sowie weiterführende bildgebende Verfahren zur Darstellung und Beurteilung der Schwellkörper des Penises durchgeführt werden. Spezielle Untersuchungen sind jedoch sehr selten notwendig.

Therapie

Welche Therapieform passend ist, entscheidet die Ärztin/der Arzt gemeinsam mit dem Patienten individuell. Sie/er informiert außerdem über mögliche Nebenwirkungen der unterschiedlichen Behandlungsmethoden von Medikamenten, mechanischen und chirurgischen Verfahren bis hin zu Psychotherapie. Liegt der ED eine Krankheit zugrunde, wird diese entsprechend behandelt.

Lebensstil

Eine Reduktion des Alkoholkonsums sowie der Verzicht auf Nikotin können ebenfalls notwendig sein, genauso wie weitere Umstellungen des Lebensstils (z.B. Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, körperliche Aktivität, Stressabbau).

Medikamente

Die Therapie der Wahl ist oftmals die orale Einnahme von PDE-5-Hemmern (Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil, Avanafil). Diese Wirkstoffe verstärken den Mechanismus der Erektion im Schwellkörper (die Muskelzellen in den Schwellkörpern werden entspannt und die Blutzufuhr ermöglicht) – zu einem steifen Penis kommt es also nur bei entsprechender Erregung. Die Ärztin/der Arzt informiert über deren richtige Einnahme und Wirksamkeit.

Manche Patienten dürfen keine PDE-5-Hemmer einnehmen, z.B. Männer mit,

Die Therapie der Wahl ist oftmals die orale Einnahme von PDE-5-Hemmern (Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil, Avanafil). Diese Wirkstoffe verstärken den Mechanismus der Erektion im Schwellkörper – zu einem steifen Penis kommt es also nur bei entsprechender Erregung. Die Ärztin/der Arzt informiert über deren richtige Einnahme und Wirksamkeit.

  • bestimmten medikamentösen Therapien (z.B. Nitrattherapie bei Angina pectoris, koronarer Herzkrankheit),
  • schweren kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinsuffizienz,
  • schwerer Leberinsuffizienz,
  • sehr niedrigem Blutdruck,
  • kürzlich erlittener Schlaganfall,
  • Myokardinfarkten sowie
  • erblich bedingten degenerativen Erkrankungen der Netzhaut des Auges (z.B. Retinitis pigmentosa).

In bestimmten Fällen kann eine Testosterontherapie angewendet werden. Zudem können weitere Medikamente von der Ärztin/vom Arzt verordnet werden.

Stoßwellentherapie

Fokussierte Stoßwellentherapie hat sich in den letzten Jahren als neuartige und effektive Therapie der ED etabliert. Der gezielte mechanische Stimulus der Stoßwelle ist in der Lage, biologische Mechanismen anzuregen und wirkt vor allem bei gefäßbedingter ED. Die Behandlungen erfolgen in vier bis sechs Sitzungen, die im Abstand von ein bis zwei Wochen durchgeführt werden.

Intravenöse Prostaglandininjektionen (SKAT)

Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird eine Wirkstofflösung (Prostaglandine – Gewebshormone oder Papaverin/Phentolamin) in einer bestimmten Dosierung unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in den Schwellkörper gespritzt. Die injizierte Substanz wirkt gefäßerweiternd und führt unabhängig vom Erregungszustand zur Erektion. Die Injektion kann nach Anleitung und einigen Probeanwendungen durch die Ärztin/den Arzt vom Patienten selbst durchgeführt werden. Die Therapieform wird meist bei Patienten in Erwägung gezogen, bei denen eine orale medikamentöse Behandlung keinen Erfolg brachte. Um eine zu lange andauernde Erektion zu vermeiden, muss die Dosierung gut eingestellt sein. Bei der Anwendung kann es zu Blutergüssen, Penis- und Erektionsschmerzen etc. kommen. 

Intraurethrale Prostaglandinverabreichung

Ein stäbchenförmiger Applikator wird bei dieser Therapieform in die Harnröhre eingeführt. Der Applikator enthält den Wirkstoff Prostaglandin, der an die Harnröhre abgegeben wird, sodass eine Erektion erreicht werden kann. Bei dieser Form der Therapie kann es u.a. zu Schmerzen bzw. Blutungen der Harnröhre kommen.

Vakuumpumpen

Ein Zylinder aus Kunststoff wird auf den Penis aufgesetzt und mithilfe einer Saugpumpe wird Unterdruck erzeugt. Es kommt zu einem erhöhten Blutzufluss und zu einer Erektion. Ein eigens dafür konstruierter Gummiring wird auf die Peniswurzel abgestreift, sodass das Blut nicht abfließen kann. Nach dem Geschlechtsverkehr wird der Gummiring wieder entfernt. Vakuumgeräte sind zwar sicher in der Anwendung, dennoch sollten sie nicht länger als dreißig Minuten angesetzt werden, da dann der Penis abkühlt und schmerzen kann.

Schwellkörperimplantate

Schwellköperimplantate werden operativ in den Penisschwellkörper eingesetzt. Die Eingriffe eignen sich für Patienten mit schweren Formen der ED oder bei gleichzeitigem Vorliegen einer Penisverkrümmung und sind nicht wieder rückgängig zu machen. Sogenannte semirigide Penisprothesen können bei Bedarf hochgebogen werden (z.B. für den Geschlechtsverkehr). Bei hydraulischen Systemen wird im Hoden eine kleine Pumpe implantiert, die vom Patienten selbst betätigt werden kann. Im Bauchraum wird ein Reservoir mit Flüssigkeit angelegt, die mithilfe der Pumpe in den Penisschwellkörper fließt, sodass es zu einer Erektion kommt.

Psychotherapie

Sind psychische Ursachen der Grund für eine ED (wie z.B. Depressionen) oder ist die Situation sehr belastend, kann eine Psychotherapie oder Sexualtherapie sinnvoll sein. Oft lassen sich psychische und körperliche Ursachen bei einer ED nicht völlig trennen. Daher kann eine Psychotherapie auch begleitend zu anderen Therapieformen in Erwägung gezogen werden. Im Idealfall können Partnerschaftsprobleme unter Miteinbeziehen der Partnerin/des Partners besprochen werden. Weitere Informationen finden Sie unter Psychotherapie.

Prognose

Wie erfolgreich eine Behandlung verläuft, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die ursächliche Erkrankung ausreichend behandelt oder geheilt werden kann. Generell wird für nahezu jeden Patienten ein Behandlungsschema gefunden, das die Erektion als wichtigen Bestandteil des Sexuallebens wieder ermöglichen kann.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Auftreten von Erektionsproblemen sollte der Betroffene möglichst frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Zuständig sind vor allem:

  • Fachärztin/Facharzt für Urologie,
  • Ärztin/der Arzt für Allgemeinmedizin.

Auch weitere Fachärztinnen/Fachärzte (z.B. Internistinnen/Internisten) sowie Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten (mit sexualmedizinischer Erfahrung) können in den Diagnose- und Therapieprozess involviert sein.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Sexuelle Funktionsstörungen gelten nicht als Krankheit im Sinn des Sozialversicherungsrechts. Behandlungen von sexuellen Funktionsstörungen fallen nicht in die Leistungspflicht der Krankenversicherung. Die Kosten werden nur in Einzelfällen von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie) ist eine Kostenbeteiligung der Patienten vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Leistungen & Kosten.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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