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35 Jahre nach Tschernobyl: Radioaktivität bleibt nachweisbar

Pilze © Printemps
Pilze © Printemps
26.04.2021

Auch 35 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl ist in Wildpilzen und Wildfleisch noch immer radioaktives Cäsium-137 zu finden. Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) erhebt daher regelmäßig im Rahmen von Studien die radioaktive Belastung von Wildpilzen und Wildfleisch aus Österreich. Ergebnis: Steinpilze können problemlos genossen werden, bei Eierschwammerl und Wild gibt es in den größten Teilen Österreichs auch kein Problem. Maronenröhrlinge jedoch sollen aufgrund der Cäsium-137 Belastung weiterhin nicht auf den Teller. 

Bei den Pilzen wurden vor allem die als Speisepilze sehr beliebten Eierschwammerl und Steinpilze untersucht, in geringerem Ausmaß aber auch Maronenröhrlinge und Parasole. Beim Wildfleisch wurde besonderes Augenmerk auf Wildschweine gelegt, da Wildschweine erfahrungsgemäß stärker belastet sind als andere Wildarten. Das Gesundheitsministeriums informiert in einer Aussendung über die Ergebnisse der Untersuchungen und gibt Empfehlungen für den Konsum.

Sind Wildpilze und Wildfleisch noch radioaktiv belastet? 

Aus den Ergebnissen der Pilzuntersuchungen der letzten zehn Jahre wird deutlich, dass die Cäsium-137-Werte für die als Speisepilze sehr beliebten Eierschwammerl und Steinpilze im Mittel deutlich unter dem Grenzwert von 600 Bq/kg liegen. Allerdings wurden in den letzten Jahren noch immer bei etwa zehn Prozent der Eierschwammerl Überschreitungen des Grenzwerts festgestellt. Bei Steinpilzen kommen Überschreitungen des Grenzwertes nur noch selten vor und Parasole weisen nur sehr geringe Cäsium-137-Werte auf. Anders sieht die Situation hingegen bei Maronenröhrlingen aus. Hier liegen selbst die Mittelwerte über dem Grenzwert und Grenzwertüberschreitungen treten bei mehr als der Hälfte der Maronenröhrlinge auf. 

Die untersuchten Pilze stammen aus verschiedenen Regionen Österreichs, wobei bei der Auswahl der Sammelstellen darauf geachtet wurde, dass gering, mittel und höher belastete Gebiete umfasst sind.

In letzter Zeit wurden vom Gesundheitsministerium zwei größere Studien zur Erhebung der radioaktiven Belastung von Wildfleisch in Auftrag gegeben. Die eine Studie zeigte, dass etwa zehn Prozent der untersuchten Wildschweine und etwa vier Prozent der untersuchten Rehe Cäsium-137-Werte über dem Grenzwert von 600 Bq/kg aufweisen. Die Mittelwerte für diese zwei Gattungen liegen mit 250 Bq/kg bzw. 126 Bq/kg deutlich unter dem Grenzwert, die Maximalwerte mit etwa 5800 Bq/kg bzw. 3000 Bq/kg deutlich darüber. Im Rahmen dieser Studie wurde bevorzugt Wild aus Gebieten untersucht, die durch den Tschernobyl-Unfall höher belastet sind. Es ist daher anzunehmen, dass für Gesamtösterreich sowohl der prozentuelle Anteil der Grenzwertüberschreitungen als auch die Mittelwerte deutlich niedriger liegen. Im Rahmen der zweiten Studie wurde Fleisch von Wildschweinen aus dem Handel untersucht. Dabei wurde ein Mittelwert für Cäsium-137 von etwa 16 Bq/kg ermittelt. Selbst der Maximalwert liegt mit 408 Bq/kg deutlich unter dem Grenzwert.

Wildpilze und Wildfleisch werden zudem laufend im Rahmen der routinemäßigen Lebensmittelkontrollen auf Radioaktivität untersucht. Die Ergebnisse dieser Kontrollen bestätigen im Wesentlichen die Studienergebnisse.

Empfehlungen für den Konsum von Wildpilzen und Wildfleisch

Steinpilze können aus radiologischer Sicht praktisch aus allen Regionen Österreichs bedenkenlos genossen werden. Auch der Konsum von Eierschwammerln, deren radioaktive Belastung im Mittel deutlich unter dem Grenzwert liegt, stellt praktisch kein Gesundheitsrisiko dar.

Eierschwammerl aus höher belasteten Regionen sollten jedoch aus Vorsorgegründen nicht in allzu großen Mengen konsumiert werden. Höher belastete Gebiete sind vor allem im westlichen Niederösterreich, der westlichen Obersteiermark, in weiten Teilen Oberösterreichs und Salzburgs sowie im Koralpengebiet zu finden. Auf den Konsum von Maronenröhrlingen sollte generell eher verzichtet werden.

Hinweis Unabhängig von der radioaktiven Belastung ist ein übermäßiger Konsum von Wildpilzen auch wegen der Belastung mit Schwermetallen nicht ratsam.

Für den Konsum von Wildfleisch sollten die für Eierschwammerl gemachten Empfehlungen beachtet werden. Grundsätzlich stellt der Konsum von Wildfleisch also kein Gesundheitsrisiko dar, jedoch sollte Wildfleisch aus höher belasteten Regionen aus Vorsorgegründen nicht in allzu großen Mengen konsumiert werden. 

Welche Strahlendosis ergibt sich aus dem Konsum?

Dazu ein Beispiel: Werden bei einer Mahlzeit 200 g Wildpilze oder Wildfleisch mit einer vergleichsweise hohen Belastung von 1000 Bq/kg verzehrt, ergibt sich daraus eine Dosis von etwa 0,0028 mSv. Dies entspricht einem Tausendstel der mittleren jährlichen natürlichen Strahlenbelastung, die in Österreich etwa 2,8 mSv beträgt. Ein weiterer Vergleich dazu: Die Strahlenbelastung bei einem Flug in 10.000 m Höhe beträgt etwa 0,008 mSv pro Stunde. Dies ist deutlich mehr als die Dosis, die sich aus der oben angeführten Mahlzeit ergibt.

Welche Bedeutung haben Strahlengrenzwerte?

Grenzwerte stellen keine scharfe Trennung zwischen gesundheitsgefährdend und völlig unbedenklich dar. Sie werden so gewählt, dass selbst dann ein ausreichender Schutz gegeben ist, wenn ein größerer Anteil unserer Nahrungsmittel einen Radioaktivitätsgehalt in Höhe der Grenzwerte aufweist. Der gelegentliche Konsum von Nahrungsmitteln, etwa von Wildpilzen oder von Wildfleisch, deren Radioaktivität über dem Grenzwert liegt, stellt daher kein Problem dar, da unsere sonstigen Nahrungsmittel völlig unbelastet sind.

Weitere Informationen:

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