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Medikamente für Magenschutz können Allergien auslösen

Bauchkrämpfe © hin255
Bauchkrämpfe © hin255
05.08.2019

Medikamente für Magenschutz, sogenannte Magensäureblocker, können die Entstehung von Allergien fördern. Dieser Zusammenhang wurde bereits in Tierversuchen und Beobachtungsstudien festgestellt. Nun belegt eine breitangelegte Studie der MedUni Wien in Kooperation mit der Sozialversicherung ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen nach der Verwendung von Magenschutzmedikamenten.

Magensäureblocker reduzieren die Produktion von Magensäure, lindern Sodbrennen und unterstützen das Abheilen einer geschädigten Magenschleimhaut. Sie werden oft zur Unterstützung von Medikamententherapien von niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten oder im Spital verschrieben oder zur Vermeidung eines Magengeschwürs oder gegen Völlegefühl verordnet. Auch bei Stressreaktionen, die zu Reflux (Sodbrennen) führen, sind sie oft das Mittel der Wahl. So wurde im Jahr 2013 an 1.540.505 Personen in Österreich auf Kassenkosten zumindest eine Packung eines Magensäureblockers verschrieben. Magenschutzmedikamente sind zudem auch als rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke erhältlich.

Nun hat die Ende Juli 2019 veröffentlichte Studie der MedUni Wien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Magenschonern, vor allem aus der Familie der Protonenpumpenhemmer (PPI), und der nachfolgenden Verschreibung anti-allergischer Medikamente bestätigt.

Erhöhtes Risiko für allergische Symptome

Für die Studie wurden aus den Jahren 2009 bis 2013 Verschreibungen von Allergiemedikamenten (Antihistaminika, Allergen-Immuntherapien) an jene Personen analysiert, die zuvor Rezepte für Magenschoner erhalten hatten. Der Zusammenhang war deutlich, erklärt Galateja Jordakieva, Erstautorin der Studie: „Wer magenschonende Mittel wie Protonenpumpenhemmer einnimmt, erhöht sein Risiko für behandlungsbedürftige allergische Symptome um das Zwei- bis Dreifache“. 

Die Ergebnisse in Zahlen ausgedrückt: Von 1.000 Personen der Gesamtbevölkerung, die mit Magenschutzmedikamenten behandelt werden, bekommen 51 Personen auch anti-allergische Medikamente. Der Zusammenhang ist bei Frauen (58 von 1.000) stärker ausgeprägt als bei Männern (42 von 1.000). Zum Vergleich: Von 1.000 Personen ohne Magenschutzbehandlung bekommen nur 26 Personen anti-allergische Medikamente (Frauen: 28 von 1.000, Männer: 24 von 1.000). 

Langfristige und unkontrollierte Verwendung vermeiden

Die Magensäure erfüllt eine wichtige Funktion im Verdauungstrakt. Die darin enthaltenen säureabhängigen Enzyme spalten Proteine der Nahrungsmittel auf und führen sie der Weiterverwertung zu. Außerdem dient sie als Barriere gegen Bakterien und andere Krankheitserreger. Wenn diese Funktionen nun aufgrund der geblockten Magensäureproduktion reduziert sind, können Allergene unverarbeitet in den Darm vordringen. Das kann Allergien auslösen und die Symptome bei Menschen, die bereits unter bestehenden Allergien leiden, noch verstärken.

Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim warnt daher vor unkontrollierter Einnahme: „Die sogenannten ‚Magenschoner‘ sollte man nicht länger als nötig einsetzen. Sie verhindern die Proteinverdauung, verändern das Mikrobiom im Magen-Darm-Trakt und erhöhen das Risiko für allergische Reaktionen. Sobald sie ihre medizinisch verordnete Aufgabe erfüllt haben, sollte man sie rasch wieder absetzen.“

Magensäureblocker bekämpfen auch nur die Symptome und nicht die Ursache eines Leidens. „Behandelnde Ärzte sollten daher die kürzest mögliche Einnahme eines Magenschutzes festlegen. Bei der Behandlung von Stressreaktionen wie Sodbrennen empfiehlt sich eher eine Änderung des Lebensstils bzw. der Work-Life-Balance“, so Jensen-Jarolim.

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