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Studie: Kaiserschnitt-Langzeitfolgen für Mutter und Kind

Neugeborenes nach Kaiserschnittentbindung ©  GordonGrand
29.01.2018

Eine kürzlich veröffentlichte, internationale Übersichtsstudie untersuchte die langfristigen Vor- und Nachteile von Kaiserschnittgeburten im Vergleich zu normalen Geburten. Die Ergebnisse der Studie sollten zwar mit Vorsicht interpretiert werden, da die verfügbaren Daten keine ausreichend abgesicherten Aussagen zulassen, so die Autorinnen. Die Studie will dennoch wertvolle Informationen für die Beratung der Frauen bei der Wahl der Geburtsmethode liefern und zu informierten Entscheidungen beitragen.

Weltweit steigen die Kaiserschnittraten an. In Westeuropa wurden 2016 durchschnittlich 24,5 Prozent der Babys mittels Kaiserschnitt entbunden, in Nordamerika 32 Prozent und in Südamerika 41 Prozent. In Österreich lag die Kaiserschnittrate 2016 laut Statistik Austria bei rund 30 Prozent (15,3 Prozent primärer Kaiserschnitt und 14,2 Prozent sekundärer Kaiserschnitt).

Frauen auch über mögliche langfristige Folgen aufklären

In der Einleitung der Studie stellen die Autorinnen klar, dass ein Kaiserschnitt bei Komplikationen notwendig ist, um das Sterblichkeitsrisiko für Mutter und Kind zu senken. Jedoch würden heute immer mehr Babys mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht, ohne dass eine medizinische Indikation besteht.

Heute könnten die Risiken kurzfristiger Komplikationen einer Kaiserschnitt-Operation, wie Narbeninfektionen oder Entzündungen, dank der modernen Medizin minimiert werden. So gilt heute ein Kaiserschnitt in westlichen Länder als genauso sicher wie eine normale Geburt. Mögliche langfristige Folgen einer Kaiserschnittgeburt für die Mutter, für das Baby und für eine spätere Schwangerschaft werden jedoch meist weniger oft mit den Frauen besprochen.

Ziel des Forscherteams war, die verfügbare Evidenz der langfristigen Folgen von Kaiserschnittgeburten im Vergleich mit normalen Geburten zusammenzufassen. Verglichen wurde,

  • wie sich die beiden Geburtsarten auf Organe des Beckenbodens der Mutter auswirken,
  • ob Zusammenhänge mit einem späteren Auftreten von Asthma beim Kind bestehen und
  • ob es Zusammenhänge mit Totgeburten bei späteren Schwangerschaften gibt.

Das Forscherteam führte eine systematische Suche in vier wissenschaftlichen Datenbanken durch und wählte 80 Studien aus, die den definierten Qualitätsanforderungen entsprachen.

Die Ergebnisse der Übersichtsstudie

Die Auswertung der Daten von insgesamt knapp drei Millionen Teilnehmerinnen ergab folgende Ergebnisse:

  • Bei einer Kaiserschnittgeburt ist bei einer späteren Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen – Plazenta praevia, Ruptur (Riss) des Uterus oder Totgeburt – statistisch größer als bei einer normalen Geburt.
  • Nach einer Kaiserschnittgeburt ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Harninkontinenz, eines Gebärmuttervorfalls oder eines Scheidenvorfalls geringer als bei einer normalen Geburt.
  • Bei Kindern, die mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wurden, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bis zum Alter von zwölf Jahren Asthma und bis zum Alter von fünf Jahren starkes Übergewicht entwickeln.

Die Forscherinnen betonen, dass es zwischen den herangezogenen 80 Studien – 79 Kohortenstudien und eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) – große Unterschiede gab. Deshalb könne Kausalität nicht klar abgeleitet werden, und die Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden.

Laut Medizin-Transparent könnte ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Kaiserschnitt und späteren gesundheitlichen Problemen nur durch RCTs nachgewiesen werden. Bei dieser Methode wird etwa die Hälfte der Testpersonen zufällig per Los auf eine Behandlungsmethode festgelegt, die andere Hälfte erhält keine Behandlung oder ein Plazebo. Beim Thema Kaiserschnitt wäre jedoch ein strenges Vorgehen nach dieser Methode, das zudem alle relevanten Folgen untersucht, sehr aufwändig und unter Umständen unethisch.

Weitere Informationen:

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