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Krankenstände stabil, Arbeitsunfälle sinken

Leute im Wartezimmer © Robert Kneschke
12.12.2018

Laut aktuellem Fehlzeitenreport blieben 2017 die Krankenstände gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Die Beschäftigten verbrachten im Jahresverlauf durchschnittlich 12,5 Kalendertage im Krankenstand. Die Zahl der Arbeitsunfälle ist weiterhin rückläufig: 2017 lag die Unfallquote bei 319 je 10.000 Versicherte und erreichte somit den tiefsten Stand seit 1974.

Der Fehlzeitenreport gibt eine Übersicht über Entwicklung und Verteilung der gesundheitsbedingten beruflichen Fehlzeiten. Der Bericht wird vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag von Bundesarbeitskammer, Wirtschaftskammer Österreich und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger erstellt.

Langfristig gesehen ist das Niveau der Krankenstände in Österreich derzeit vergleichsweise niedrig: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten erreichten 1980 ihren Höchstwert, als pro Kopf durchschnittlich 17,4 Krankenstandstage anfielen. In den Jahren 1990 und 2000 waren die Beschäftigten im Durchschnitt 15,2 Tage bzw. 14,4 Tage krankgeschrieben. Der langjährige Trend des Anstiegs der Kurzkrankenstände setzte sich auch 2017 fort. Kurzkrankenstände stellen aktuell 40 Prozent aller erfassten Fälle dar. Gemessen an der Summe der Krankenstandstage ist ihr Gewicht aber gering und liegt bei 8,6 Prozent aller krankheitsbedingten Fehlzeiten.

Was sind die häufigsten Ursachen für Krankenstände?

Die häufigsten Ursachen für Krankenstände waren 2017 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes sowie jene des Atmungssystems. Zusammen verursachen diese Erkrankungen knapp 50 Prozent der Krankenstandsfälle und gut 40 Prozent der Fehlzeiten. Die dritthäufigste Ursache sind Verletzungen, gefolgt von psychischen und Verhaltensstörungen.

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich die Zahl der Krankenstandstage infolge psychischer Erkrankungen, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, fast verdreifacht. Auch in anderen Ländern, beispielsweise in Deutschland, ist eine ähnliche Entwicklung beobachtbar. Seit 2012 ist der Anstieg der psychisch bedingten Krankenstände in Österreich allerdings abgeflacht, 2016 kam es erstmals seit Mitte der 2000er-Jahre zu einem leichten Rückgang der Pro-Kopf-Quoten in dieser Krankheitsgruppe. 2017 verharrte die Quote auf demselben Wert wie im Vorjahr.

Arbeiten trotz Krankheit

Der Fehlzeitenreport 2018 behandelt auch die Themen Präsentismus und Absentismus. Von Präsentismus spricht man, wenn Beschäftigte arbeiten, obwohl Krankheitssymptome oder gesundheitliche Einschränkungen vorliegen, die einen Krankenstand rechtfertigen würden. Mit Absentismus sind dagegen jene Fälle gemeint, in denen Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer eine Erkrankung bzw. Arbeitsunfähigkeit vortäuschen, um dem Arbeitsplatz fern zu bleiben. Etwa die Hälfte der österreichischen Beschäftigten war im Verlauf des Jahres 2017 mindestens einmal trotz Krankheitssymptomen am Arbeitsplatz. Absentismus betrifft hingegen einen kleineren Beschäftigtenkreis. Sowohl Präsentismus als auch Absentismus verursachen Kosten und können kurz- und längerfristige Schäden für die Wirtschaft und die Gesellschaft zur Folge haben.

Neben der Persönlichkeit spielt auch die Arbeitsorganisation eine Rolle, wie sich Beschäftigte bei gesundheitlichen Problemen verhalten. Beschäftigte neigen eher zu Präsentismus, wenn ihre Arbeit im Abwesenheitsfall unerledigt bleibt. Das kann sowohl bei Personalknappheit als auch bei hoher Arbeitsspezialisierung oder fehlender Einschulung von Kolleginnen/Kollegen der Fall sein. Darüber hinaus wirken sich die Unternehmenskultur und insbesondere die Qualität der Führung mit unterschiedlichem Vorzeichen auf Präsentismus aus. Die Betriebliche Gesundheitsförderung kann Unternehmen dabei unterstützen, gesunde Verhältnisse am Arbeitsplatz zu schaffen.

Weitere Informationen:

Fehlzeitenreport (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) 

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