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Corona-Pandemie und Suchtmittelkonsum

Frau hält Zigarette und Tabletten © Photographee.eu
Frau hält Zigarette und Tabletten © Photographee.eu
05.02.2021

Hat sich das Suchtverhalten der Menschen in Österreich durch den ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 verändert? Unterschiedliche Auswirkungen zeigt eine kürzlich vorgestellte Bevölkerungsumfrage des Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich. Rauchen bleibt auch in Corona-Zeiten die am meisten verbreitete Sucht. Neben den Ergebnissen der Umfrage wurden auch zwei aktuelle Berichte zur Drogensituation und zu Suchterkrankungen präsentiert. In Sachen illegaler Drogen zeigen die Berichte für Österreich eine stabile Lage.

Zwischen April und Anfang Juni 2020 führte das Kompetenzzentrum Sucht der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des BMSGPK und des BMF eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Konsumgewohnheiten mit rund 6.000 Personen online durch. Abgefragt wurden der Konsum von Alkohol, Tabakprodukten, illegalen Drogen und Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie die Nutzung von Glücksspiel und Computerspielen.  

Wie hat sich die Corona-Krise auf das Suchtverhalten ausgewirkt?

Die Ergebnisse der Online-Umfrage zeichnen kein eindeutiges Bild der Auswirkungen. In Österreich haben die Menschen unterschiedlich auf den ersten Lockdown der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 reagiert. Beim Konsum psychoaktiver Substanzen (Alkohol, Cannabis, Nikotin und Schlaf- und Beruhigungsmittel) berichtet jeweils die Mehrheit der Befragten keine Veränderungen. Zu‐ bzw. Abnahmen im Konsumverhalten halten sich die Waage. Bei Glücksspiel wird eine starke Abnahme beobachtet,  die deutlichste Zunahme bei der Nutzung von Computerspielen.

Was die Umfrage noch zeigte: Frauen berichten wesentlich häufiger von einem gesteigerten Substanzkonsum während der Corona‐Krise als Männer. Dies betrifft Alkohol, Tabak und vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel. Diese Reaktion kann möglicherweise auf eine stärkere Belastung von Frauen durch die Pandemie hindeuten. 

Jüngere Menschen haben ihr Konsumverhalten beim Rauchen und Trinken am stärksten verändert, ältere Menschen kaum. Personen, welche die Corona‐Krise überproportional als Belastung wahrnehmen, berichten häufiger davon, ihre Konsumgewohnheiten geändert zu haben. 

Stabile Lage bei illegalen Drogen

Die aktuellen Publikationen „Drogenbericht 2020“ und „Epidemiologiebericht Sucht 2020“ des Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich GmbH, beide im Auftrag des BMSGPK erstellt, zeigen für Österreich eine stabile Lage in Sachen illegaler Drogen. Fast alle Daten des Drogenmonitorings belegen einen Rückgang des risikoreichen Drogenkonsums (Opioide, wie z.B. Heroin) in der Altersgruppe der unter 25-Jährigen. Das deutet auf eine Entspannung hinsichtlich der Drogenproblematik hin.

Konsumerfahrungen mit illegalen Drogen finden in Österreich am häufigsten mit Cannabis statt. 30 bis 40 Prozent der jungen Erwachsenen haben schon einmal Cannabis konsumiert. Klar abzugrenzen von Probierkonsum und gelegentlichem Konsum ist der risikoreiche Drogenkonsum. Dieser wird laut Drogenbericht in Österreich vom Opioidkonsum (u.a. Heroin) dominiert. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Österreich zwischen 31.000 und 37.000 Menschen opioidabhängig.

Im Zeitvergleich lassen jedoch fast alle Daten auf eine Entspannung der Situation schließen, da der Anteil der unter 25-Jährigen zurückgeht. Die Betroffenen werden immer älter, unter anderem aufgrund des chronischen Charakters der Erkrankung und der guten therapeutischen Versorgung in Österreich. Die Behandlungsrate opioidabhängiger Personen konnte massiv erhöht werden. Mehr als die Hälfte der Betroffenen befinden sich den aktuellen Schätzungen zufolge in einer Substitutionsbehandlung. 

Rauchen bleibt Sucht Nr. 1

In Österreich gibt jede/jeder Vierte an, täglich zu rauchen, ein Drittel davon hat im Lauf des letzten Jahres erfolglos versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei den täglich Rauchenden liegt Österreich im europäischen Vergleich über dem Durchschnitt, aktuellen Schätzungen zufolge ist Tabakrauchen (inklusive Passivrauchen) für 15 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. 

In den letzten Jahren gab es einen Rückgang beim Zigarettenkonsum bei Kindern und Jugendlichen. Bei den 15-Jährigen hat sich der Anteil der täglich Rauchenden seit 2002 mehr als halbiert. Dennoch liegt der Anteil der täglich Rauchenden auch in dieser Altersgruppe über dem europäischen Durchschnitt. 

Insgesamt konsumieren nur wenige Jugendliche täglich Produkte wie Shisha, E‐Zigaretten und Kautabak, insbesondere bei Buben ist der Konsumanteil jedoch teilweise sogar fast gleich hoch wie bei herkömmlichen Zigaretten. 

Österreicherinnen und Österreicher trinken gern, aber weniger 

Beim Alkohol wird die Bevölkerung zunehmend zurückhaltender: Der problematische Alkoholkonsum, alkoholassoziierte Erkrankungen und Todesfälle sind seit Jahren rückläufig.  Auch bei den Jugendlichen zeigt sich insgesamt im Einklang mit der Entwicklung in vielen anderen EU-Ländern ein Rückgang des Alkoholkonsums. 

Weitere Informationen: 

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