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Diabetes: Unterschiede bei Frauen und Männern

Blutzuckermessung © tunedin
16.08.2016

Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Erkrankten steigt weltweit seit Jahren an. In Österreich leiden geschätzte 600.000 Personen an Diabetes. Vor diesem Hintergrund gewinnen geschlechtsspezifische Unterschiede zunehmend an Bedeutung, sowohl für Früherkennung als auch für Diagnose und Therapie. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse dazu fasste eine Forschergruppe der MedUni Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Gender Medicine Unit, in einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit zusammen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diabetes

Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen bei der Entstehung und der klinischen Ausprägung von Typ-2-Diabetes sowie beim Risiko einer Erkrankung. Sie werden durch geschlechtsspezifische Unterschiede z.B. in der Biologie, im Lebensstil, in der Kultur, im sozialen Status und im Einkommen beeinflusst.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie kurz zusammengefasst:

  • Männer haben biologisch ein allgemein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken. Sie haben mehr Bauchfett und Leberfett als Frauen. Männer haben eine niedrigere Insulinempfindlichkeit, auch wenn sie nicht übergewichtig sind.
  • Bei Frauen sind höhere Werte an männlichen Sexualhormonen (Androgenen) und Schwangerschaftsdiabetes mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.
  • Bei Männern ist das Vorhandensein einer erektilen Dysfunktion oder eines Testosteronmangels ein geschlechtsspezifischer Risikofaktor. 
  • Frauen sind u.a. durch die erhöhte Ausschüttung des Hormons Östrogen länger „geschützt“. Nach der Menopause steigt das Diabetesrisiko jedoch stark an.
  • Fett an den Oberschenkeln, das bei Frauen genetisch und Östrogen-bedingt häufiger auftritt, kann vor Diabetes schützend wirken. 
  • Psychosozialer Stress, Stress im Job oder Schlafmangel, oft verstärkt durch Gewichtszunahme, führen bei Frauen häufiger zu Diabetes als bei Männern.
  • Frauen sind öfter stark übergewichtig und weniger körperlich aktiv als Männer, obwohl sie hinsichtlich Gesundheit und Lebenserwartung sogar noch mehr als Männer von häufigerer Bewegung profitieren dürften.

Umwelteinflüsse als Risikofaktoren

„Immer bedeutsamer werden auch endokrine Disruptoren, also hormonaktive Stoffe“, betont Jürgen Harreiter von der MedUni Wien und Co-Autor der Übersichtsarbeit. So wurde in Studien gezeigt, dass etwa synthetisch hergestellte Substanzen wie Bisphenol A oder Phthalate (Weichmacher), die in vielen Kunststoffartikeln enthalten sind, als Risikofaktoren für Diabetes gelten. Auch hier gibt es bei Männern und Frauen unterschiedliche Effekte.

Geschlechtsspezifische Leitlinien für eine Behandlung

Die erwähnten geschlechtsspezifischen Faktoren bei Diabetes sollen künftig noch mehr in die Praxis der Behandlung einfließen. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die einzige Diabetes-Fachgesellschaft weltweit, die eigene geschlechtsspezifische Leitlinien in ihrem Programm berücksichtigt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

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