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Patienteninformationen unter der Lupe

Krankenschwester im Gespräch mit Patientin © Yuri Arcurs
01.03.2012

Ein schwerer medizinischer Eingriff, wie beispielsweise der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks, will gut überlegt sein. Viele Patientinnen und Patienten wollen über die Vorteile, Erfolgschancen und Risiken einer Operation, mögliche Komplikationen, zu erwartende Schmerzen etc. Bescheid wissen.

Das Recht von Patientinnen und Patienten auf umfassende ärztliche Aufklärung ist gesetzlich verankert und wichtig, um sich selbstbestimmt für oder gegen eine Behandlung entscheiden zu können. Doch wie genau wollen Patientinnen und Patienten tatsächlich Bescheid wissen, wenn ein Eingriff bevorsteht? Und wie gut sind die vom Spital angebotenen Informationen?

Das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), ein Teilbereich der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), untersuchte die Qualität von Patienteninformationen am Beispiel der Implantation von künstlichen Hüftgelenken. Für einen Bericht wurden Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in orthopädischen und unfallchirurgischen Krankenhausabteilungen befragt und insgesamt 2059 Fragebögen ausgewertet.

Hoher Informationsbedarf der Patientinnen und Patienten

Die Ergebnisse zeigen ein hohen Informationsbedarf: 70 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten möchten ausführlich über Behandlung und Risiken, weitere 26 Prozent über die wichtigsten Punkte informiert werden. Nur vier Prozent wollen gar nicht so sehr informiert werden, da sie sich sonst nur unnötig Sorgen machen.

Dem Wunsch nach Information wird offenbar entsprochen: Der Großteil der Patientinnen und Patienten fühlt sich vor der Operation sehr gut bzw. gut mit Infos zu Operation und Krankheit versorgt. Informationsdefizite gab es hauptsächlich bei der Aufklärung über mögliche Alternativen zur bevorstehenden Behandlung.

Die Patienteninformation erfolgt üblicher Weise in persönlichen Informationsgesprächen mit der Ärztin/dem Arzt oder mittels Informationsmedien, die auch unterstützend zum Aufklärungsgespräch eingesetzt werden. Oft werden dabei standardisierte Aufklärungsbögen und Info-Folder verwendet.

Persönliches Arztgespräch am wichtigsten

Bei der Frage nach der Informationsart sind den Patientinnen und Patienten persönliche Gespräche mit der Ärztin oder dem Arzt bzw. anderen Gesundheitsberufen am wichtigsten. Die Aufklärungsgespräche dauern durchschnittlich 16 bis 18 Minuten. Aus Patientensicht gibt es oft auch genügend Zeit, um Fragen zu stellen. Für die meisten Befragten sind die Infos bei den Erstgesprächen verständlich, nützlich und ausreichend. Nur vier Prozent fühlen sich unzureichend informiert. Ein ähnlich positives Bild zeigt sich bei den Aufklärungsgesprächen vor der Operation.

Die Informationen zum Verlauf der Operation und zur weiteren Behandlung im Krankenhaus werden als gut angesehen. Als unzureichend hingegen bewerten die Befragten die erhaltenen Informationen zur Nachbehandlung, Rehabilitation, zu Alltagsempfehlungen und zu Kontaktadressen für weitere Unterstützung.

Die Befragung der Spitalsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ergab, dass Informationsblätter mehrheitlich als sinnvolle Unterstützung zum Arztgespräch gesehen werden. Knapp 90 Prozent des Personals hält es für sehr bzw. eher sinnvoll, wenn es für häufige Eingriffe standardisierte, qualitätsgesicherte und pharma-unabhängige Info-Materialien geben würde. Viele schlagen auch vor, das Internet im Spital z.B. mit Info-Points als Informationsquelle einzusetzen.

Verbesserungsmöglichkeiten 

Insgesamt bewerten Patientinnen und Patienten die Information und Aufklärung zur Implantation von künstlichen Hüftgelenken großteils positiv. Als Verbesserungsvorschläge werden „Verständlichkeit“ und „mehr Zeit für Fragen“ genannt. Ein weiterer Knackpunkt ist die begrenzte Aufnahmefä­higkeit der Patientinnen und Patienten. Oft fehlt auch die altersgerechte Aufbereitung von Informationen. Sprachli­che Barrieren, der falsche Zeitpunkt der Information und zu große Informationsmengen in kurzen Gesprä­chen erwiesen sich in der Befragung ebenso als hinderlich für die Patienteninformation.

Hinweis Für die Erstellung von Patienteninformationen hat das BIQG eine Checkliste mit Kriterien für die optische Aufmachung, Lesbarkeit, Inhalt und Transparenz (z.B. Sponsoren) entwickelt.

Weitere Informationen:

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