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Kinesio-Tapes auf dem Prüfstand

Patient mit Tape auf der Schulter © Kzenon
19.09.2012

Man sieht sie bei Profis und Hobbysportlern: Farbige Bänder, die auf Waden, Schultern, Armen oder auf andere Körperteile geklebt werden. Die sogenannten Kinesio-Tapes wurden vom japanischen Chiropraktiker Dr. Kenso Kase in den 1970ern erfunden. Die elastischen, atmungsaktiven Bänder werden mit leichter Spannung auf bestimmte Hautbereiche geklebt. 

Durch das leichte Anheben der Haut sollen darunterliegende Rezeptoren angeregt und körpereigene Prozesse aktiviert werden. Dadurch können sich die Durchblutung und der Lymphfluss verbessern, Schmerzen gelindert werden sowie Verspannungen im Bewegungsapparat lösen.

Die Kinesio-Tapes werden zur Unterstützung der Behandlung bei Sportverletzungen oder bei Beschwerden im Bewegungsapparat eingesetzt. Wie in der Kinesiologie spielt beim Kinesio-Taping die Lösung von Blockaden, die den Fluss von „Lebensenergien“ behindern, ein wichtige Rolle. Vor Kurzem wurde die aktuelle wissenschaftliche Beweislage zur Wirkung der Kinesio-Tapes vom Department für Evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems untersucht und die Ergebnisse auf www.medizin-transparent.at veröffentlicht. Wissenschaftliche Hinweise, dass die Tapes tatsächlich Schmerzen lindern oder die Beweglichkeit verbessern, wurden keine gefunden.

Wissenschaftlicher Nachweis des Nutzens fehlt


Dem Bericht nach ist die Studienlage sehr bescheiden. Nur zwei systematische Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2010 und 2012 konnten vom Autorenteam gefunden werden. Darin werden die Ergebnisse der wenigen bisher durchgeführten Studien mit insgesamt 382 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zusammengefasst. Die Studien untersuchten die Frage, ob Kinesio-Tapes eine therapeutische Wirkung bei Schmerzen und Verletzungen von Muskeln oder Gelenken haben. Das Gesamtergebnis wird auf medizin-transparent.at als ernüchternd bezeichnet, es gab bei den wenigen untersuchten Patientinnen und Patienten mit Schulter- bzw. Nackenschmerzen keine Anzeichen auf Schmerzlinderung. Auch verletzungsbedingten Bewegungseinschränkungen dürfte das Tape nicht wirklich entgegenwirken, die verschiedenen Studien zeigten hier jedoch widersprüchliche Ergebnisse. So wird die Verbesserung der Beweglichkeit in zwei Studien als gering, in zwei anderen als unbedeutend dargestellt. Laut einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 würde die Anzahl von Fallberichten genauere Forschungen rechtfertigen. Um die Wirkungen zuverlässiger beurteilen zu können, müssten laut medizin-transparent.at größere Studien über längere Zeiträume durchgeführt werden.

Geschulte Anbieter

Kinesio-Taping wird unter anderem von Ärztinnen/Ärzten sowie von Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten angeboten. Die Ärztekammern und Physio Austria, der Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs, bieten dafür spezielle Fortbildungen für ihre Berufsgruppe an. Im Internet finden sich aber auch Kursanbieter, die lediglich Anatomiekenntnisse voraussetzen.

Für das Kinesio-Taping fehlt bisher der wissenschaftliche Nutzennachweis, die Kosten werden nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Im Unterschied zum Kinesio-Taping werden beim „klassischen“ Taping stabile Bänder eingesetzt, um mittels Tape-Verbänden verletzte Gelenke oder Bänder ruhig zu stellen oder zu fixieren.

Weitere Informationen: www.medizin-transparent.at

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