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e-Medikation: Einführung österreichweit empfohlen

Medikamente auf Tastatur © Gina Sanders
14.05.2012

Die E-Medikation – das elektronische Informations- und Prüfprogramm für Ärztinnen/Ärzte und Apotheken – wurde von April bis Dezember 2011 in Oberösterreich, Tirol und Wien in einem Pilotprojekt getestet. Nun wurden die Ergebnisse des Probebetriebs vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger präsentiert.

„E-Medikation unterstützt Ärzte und Apotheker bei der Behandlung ihrer Patienten, indem sie schwere Wechselwirkungen oder doppelte Verschreibungen des gleichen Wirkstoffs aufdeckt“, erklärte Gesundheitsminister Alois Stöger zu den Ergebnissen des Pilotprojekts. Durch e-Medikation könnten sich Patientinnen und Patienten bei der Einnahme von Medikamenten noch sicherer fühlen.

Am Pilotprojekt e-Medikation hatten 5.431 Patientinnen und Patienten, 72 niedergelassene Ärztinnen/Ärzte, 13 Allgemeinmedizinerinnen/-mediziner mit Hausapotheke, 50 Apotheken und vier Spitäler aktiv teilgenommen. Mit dem Projekt sollten technische und organisatorische Erkenntnisse aus der Praxis für eine österreichweite Umsetzung gewonnen werden. Die Evaluation wurde von der Medizinischen Universität Wien in Kooperation mit der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) durchgeführt.

Häufige Doppelverordnungen

Zu den Ergebnissen: Im Durchschnitt trat zum Beispiel bei jedem neunten Besuch einer Patientin oder eines Patienten in der Arztpraxis beziehungsweise in der Apotheke eine Warnung vor einer Doppelverordnung auf – damit ist die Gefahr einer möglichen Überdosierung verbunden. Bei jedem zweiten Besuch wurde eine Warnung vor einer Wechselwirkung aufgezeigt.

Die Österreichische Ärztekammer erklärte dazu in einer Aussendung, dass der Nutzen von e-Medikation für die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt vor allem darin liege, einen raschen und umfassenden Überblick über die bestehende Medikation der Patientin/des Patienten zu erhalten. Triviale Wechselwirkungen würden oft im Interesse des vorrangigen Behandlungsziels bei Verschreibungen bewusst in Kauf genommen.

Flächendeckende Einführung empfohlen


Die Evaluation ergab eine klare Empfehlung der flächendeckenden österreichweiten Einführung von e-Medikation. Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Pilotprojekts konnten wertvolle Ansatzpunkte zur Erhöhung der Patientensicherheit, aber auch zur Minimierung des zeitlichen Aufwandes für Ärztinnen/Ärzte und Apothekerinnen/Apotheker gewonnen werden. Auch die teilnehmenden Patientinnen und Patienten wurde befragt: 85 Prozent gaben an, sich bei Ärztinnen/Ärzten bzw. Apotheken, die am Pilotprojekt teilnahmen, sicherer zu fühlen.

Informationsbedarf besonders bei älteren Menschen 

Nahezu zeitgleich zu den Ergebnissen der Evaluierung wurde eine Umfrage unter Personen über 60 Jahren von OEKONSULT zum Thema Medikamentenversorgung und -sicherheit veröffentlich. Der Hintergrund: Ältere Menschen müssen aufgrund gesundheitlicher Beschwerden oft mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen und sind einem erhöhten Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen oder Überdosierungen ausgesetzt. Von den befragten 631 Seniorinnen und Senioren sehen 84 Prozent die e-Medikation als „durchaus positiv und wünschenswert“. Rund 80 Prozent können nicht vollständig aufzählen, welche Medikamente sie im vergangenen halben Jahr eingenommen haben. Und 74 Prozent meinen, von den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten zu wenig über mögliche Wechselwirkungen informiert worden zu sein.

Weitere Informationen:

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