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Chemikalien belasten Mütter und Neugeborene

Arzt untersucht Schwangere © nyul
07.11.2012

Chemische Stoffe sind Bestandteil von alltäglichen Gegenständen, wie Lebensmitteln, Verpackungen, Körperpflegeprodukten oder anderen Konsumprodukten. Viele Chemikalien gelangen letztendlich auch in die Umwelt, können sich dort anreichern und die Gesundheit der Menschen negativ beeinflussen. 

Manche schädlichen Auswirkungen sind kurzfristig erkennbar (z.B. Kontaktallergien, Reizungen der Atemwege), manche zeigen sich erst nach einem längeren Zeitraum (z.B. krebserregende Stoffe). Besonders gefährdet sind Ungeborene und Neugeborene, da die Entwicklung des Organismus durch die Chemikalien beeinträchtigt werden kann.  

Projekt: „Umwelt-Mutter-Kind“

Im Projekt „Umwelt-Mutter-Kind“ (Um-MuKi) wurde die Schadstoffbelastung von insgesamt 200 Müttern und ihren neugeborenen Babys aus Wien und Bratislava untersucht. In den Jahren 2010 und 2011 analysierten Expertinnen und Experten des Umweltbundesamtes, der Medizinischen Universität Wien (Institut für Medizinische Genetik) und des slowakischen Medgene Labors die Blutproben der Testpersonen. Der Vergleich der Daten zwischen Wien und Bratislava sollte helfen, die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Lebensgewohnheiten und Schadstoffbelastung besser zu verstehen. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem veröffentlicht. 

Die Schwangeren und ihre Babys wurden auf die Schwermetalle Quecksilber und Blei getestet. Bei 40 Mutter-Kind-Paaren wurden zusätzlich die Schadstoffe Methylquecksilber, Bisphenol A und perfluorierte Tenside untersucht.

Untersuchungsergebnisse


Trotz der geringen räumlichen Distanz zwischen Wien und Bratislava, gab es große Unterschiede in der Schadstoffbelastung. Bei den einzelnen Chemikalien zeigen sich folgende Ergebnisse:

Quecksilber: Methylquecksilber ist eine organische Quecksilberverbindung und hochgiftig. Der Mensch nimmt es hauptsächlich über den Verzehr von fettreichem Raubfisch (z.B. Makrelen, Barschen oder Thunfischen) auf. Während der Schwangerschaft gelangt dieses Schwermetall auch in den Organismus des Ungeborenen. Wegen seiner Fettlöslichkeit kann Methylquecksilber über die Plazenta auf das Kind übertragen werden und in hoher Menge die geistige Entwicklung des Embryos beeinträchtigen.

Bei Belastungen der Untersuchungspersonen mit Quecksilberverbindungen zeigte sich ein großer regionaler Unterschied: Die Blutproben aus Wien waren wesentlich stärker belastet als jene aus Bratislava. Eine Hauptursache wird im Fischkonsum vermutet. Die schwangeren Wienerinnen aßen deutlich mehr Fisch pro Woche als die Schwangeren in Bratislava. Die Untersuchungsergebnisse der Studie ergaben jedoch, dass die Quecksilberwerte innerhalb des gesundheitlich unbedenklichen Konzentrationsbereiches lagen. Expertinnen und Experten empfehlen Schwangeren Fischarten mit geringer Quecksilberbelastung (z.B. Lachs oder Forelle).

Blei: Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten eine höhere Bleibelastung in Wien als im Vergleich zu Bratislava. Mögliche Erklärungen dafür sind eine stärkere Trinkwasserbelastung durch die Wohnsituation. Vor allem jene Studienteilnehmerinnen, die in Wien in Altbauten wohnten, wiesen eine erhöhte Bleikonzentration im Blut auf. Dies führten die Expertinnen und Experten auf die noch recht weit verbreiteten Wasserleitungen aus Blei zurück.

Aber auch das Alter spielte bei dieser Gruppe eine Rolle. Die Bleikonzentration im Blut stieg mit dem Lebensalter nachweislich an. Gelangt Blei in unseren Blutkreislauf, verteilt es sich rasch im Körper. Geringe Bleimengen werden durch die Niere wieder ausgeschieden. Übersteigt die Bleiaufnahme die Ausscheidungskapazität der Niere, kann Blei langfristig z.B. in Knochen gespeichert werden und zu einem späterem Zeitpunkt wieder freigesetzt werden – beispielsweise über die Muttermilch. Eine erhöhte Bleibelastung während der Schwangerschaft kann sich vor allem negativ auf das Geburtsgewicht, die Körperlänge und den Kopfumfang des Neugeborenen auswirken.

Bisphenol A (BPA): Dieser chemische Weichmacher wird unter anderem zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen und Plastikgeschirr (z.B. Polykarbonat-Fläschchen) verwendet. BPA kann bereits in kleinster Dosierung die Hirnentwicklung bei Ungeborenen und Kindern beeinflussen. In Österreich ist – zusätzlich zum EU-Verbot von BPA in Babyflaschen – die Verwendung von BPA in Beißringen und Schnullern verboten.
Die Untersuchungsergebnisse der Um-MuKi-Studie zeigten, dass der Gehalt an Bisphenol A (BPA) in Bratislava und Wien im mütterlichen Blut gemessen deutlich unter den Werten vergleichbarer Mutter-Kind-Studien lag. Die Proben ergaben jedoch, dass die Testpersonen aus Bratislava stärker mit BPA belastet waren, als jene aus dem Raum Wien.


Perfluorierte Tenside (PFT): Diese Chemikalie ist wasser- und fettabweisend und kommt vor allem in Industrie (z.B. für die Beschichtung von Teppichen) und Haushalt (z.B. Textil- und Möbelimprägnierungen) zum Einsatz. PFT werden vom Menschen jedoch hauptsächlich über Trinkwasser, Lebensmittel (v.a. Wild und Meeresfrüchte), Luft und Konsumprodukte aufgenommen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen von PFT auf den Menschen ist noch wenig bekannt. Es gibt Hinweise, dass PFT sich im Körper anreichern und eine Störung des Sexualhormonstoffwechsels und der Schilddrüse hervorrufen können. Auch gibt es Hinweise, dass das Immunsystem geschwächt werden kann.

Bei der Untersuchung auf perfluorierte Tenside (PFT) konnte das Vorkommen im Blut aller Testpersonen nachgewiesen werden. Die PFT-Werte der Wiener Mutter-Kind-Paare lagen geringfügig höher als die der slowakischen. Die festgestellten Mengen an PFT lagen jedoch deutlich unter den Referenzwerten und haben somit keinen negativen gesundheitlichen Einfluss auf das Neugeborene.

Es besteht Handlungsbedarf


Expertinnen und Experten weisen drauf hin, dass die Freisetzung dieser langlebigen und gefährlichen Chemikalien in die Umwelt vermieden werden sollte, um die Gesundheit der Menschen und insbesondere der Ungeborenen und Kinder vor der Belastung mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zu schützen. Vor allem wenn man bedenkt, dass in der Um-MuKi-Studie nur eine Auswahl von Chemikalien analysiert wurde. Es ist anzunehmen, dass eine Vielzahl weiterer Schadstoffe Mütter und Kinder belasten.

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