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Mehr Verständnis für Alzheimer-Kranke

Alte Frau wird umarmt © fotopfeifer
21.09.2010

Am 21.9., dem Weltalzheimertag, wird auf die Alzheimer-Erkrankung und die Situation der Betroffenen aufmerksam gemacht. Ein Kernanliegen ist, Vorurteile und falsche Vorstellungen über diese unheilbare Gehirnerkrankung auszuräumen.

„Vor 15 Jahren wurde Alzheimer-Demenz oft noch als Problem gesehen, über das man hinter vorgehaltener Hand sprach und als Vergesslichkeit bagatellisierte“, erklärt Prof. Lotte Tobisch-Labotyn, Ehrenpräsidentin der Selbsthilfegruppe „Alzheimer Angehörige Austria“, auf einer Pressekonferenz. Heute sei Alzheimer zwar als schwere Erkrankung in der Öffentlichkeit bekannt. „Was es aber tatsächlich bedeutet, an Alzheimer zu leiden, kann man nicht ermessen.“

Die Sicht der Betroffenen

„Alzheimer-Kranke leben in ihrer eigenen Welt. Sie können sich in bestimmten Lebenssituationen oder einer fremden Umgebung nicht zurechtfinden, sind verwirrt und hilflos. Ihr Leben wird zunehmend fremdbestimmt“, beschreibt Antonia Croy, Präsidentin der Alzheimer-Selbsthilfegruppe, das Krankheitsbild. Oft leiden die Erkrankten weniger unter ihrer Vergesslichkeit als unter dem Umstand, dass sie dauernd von ihrem Umfeld darauf hingewiesen werden, etwas falsch zu machen. Manche wehren sich dagegen oder werden ärgerlich. Und sie haben häufig Angst, vor allem vor dem Alleinsein, wenn vertraute Bezugspersonen fehlen.

„Auch die Angehörigen wissen zu Beginn der Erkrankung nicht, warum sich die betroffene Person anders verhält. Das mündet oft in Vorwürfen und Streit“, erklärt Croy. Wichtig ist daher die frühzeitige Diagnose einer Alzheimer-Demenz. Danach kann sofort die medizinische Behandlung mit speziellen Medikamenten begonnen werden, die das Fortschreiten verlangsamt. Auch für die pflegenden Angehörigen ist die Diagnose wichtig, um sich besser auf die Erkrankung einstellen zu können. Von einem stabilen und verständnisvollen Umfeld profitieren wiederum die Erkrankten.

Geistiges Training und Schulungen


Dies zeigen auch neue wissenschaftliche Untersuchungen. Demnach sind nicht medikamentöse Therapien wie die gezielte Förderung der Erkrankten oder spezielle Schulungen der pflegenden Angehörigen mindestens genauso wirksam wie Medikamente. Die Selbsthilfegruppen fordern daher eine bessere individuelle Pflege der Erkrankten und mehr Unterstützungsangebote für die betreuenden Personen. Um die Versorgung zu verbessern, sollte die in Vorbereitung befindliche Bundesqualitätsleitlinie für Demenz umgesetzt werden, so die Forderung der Selbsthilfegruppen. Ein Leitfaden des Gesundheitsministeriums für personenzentrierte Kommunikation mit Demenzkranken wird demnächst zur Verfügung stehen.

Betreuung und Pflege


Betreuung und Pflege ist heute in erster Linie „Familiensache“. 80 Prozent der demenzkranken Menschen werden über lange Jahre und unter schwierigen Bedingungen zu Hause betreut und gepflegt – von Ehepartnerinnen bzw. Ehepartnern, Kindern, Verwandten oder Freunden, meistens von Frauen. Die Betreuung ist psychisch sehr belastend. Croy erklärt: „Besonders schwierig ist es, mit den Verhaltensänderungen umzugehen und sie nicht als persönlichen Angriff zu sehen. Zunächst müssen Angehörige lernen, die Krankheit zu akzeptieren und Hilfe, wie soziale Dienste, in Anspruch zu nehmen. Sie müssen auch lernen, für zwei Personen zu denken und vorausschauend Situationen zu erkennen, die ein Problem darstellen können. Wichtig ist, eine soziale Isolation zu vermeiden.“

Unterstützung durch Selbsthilfegruppen


Alzheimer-Selbsthilfegruppen bieten pflegenden Angehörigen Aufklärung über die Erkrankung, Erfahrungsaustausch und unterstützen beim Aufbau eines Helfernetzes. Wichtig ist die psychische Komponente: das Sprechen über negative Gefühle und Suchen von Lösungen.

Über Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz ist eine Krankheit des Gehirns, an der in Österreich rund 80.000 Menschen leiden, die Tendenz ist steigend. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung spielen giftige Eiweißablagerungen zwischen und in den Nervenzellen. Sie stören die Signalübertragung im Gehirn und zerstören immer mehr Zellen und Nervenverbindungen. Die ursächlichen Vorgänge sind jedoch noch nicht geklärt. Eine Alzheimer-Demenz kann sich unterschiedlich entwickeln. Häufige Anzeichen sind: Gedächtnisverlust, der das tägliche Leben beeinträchtigt, Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, zeitliche und räumliche Desorientierung bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen oder Verhaltensstörungen.

Weitere Informationen:

www.alzheimer-selbsthilfe.at

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