Nach dem „Dry January“: Was risikoarmer Alkoholkonsum bedeutet
„Wenn es um risikoarmen Alkoholkonsum geht, sollten Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, darauf schauen, dass sie in einem gewissen Rahmen konsumieren“, erklärt Julian Strizek vom Kompetenzzentrum Sucht der Gesundheit Österreich GmbH. „Das bedeutet in erster Linie, dass die durchschnittliche Konsummenge sich in einem Bereich mit einem akzeptablen Risiko bewegt“. Welches Risiko als akzeptabel eingeschätzt wird, kann individuell sehr unterschiedlich sein, je nachdem welche positive Bedeutung jemand dem Alkohol zumisst. Personen, denen Abstinenz leichtfällt, tun damit ihrer Gesundheit etwas Gutes, betont der Experte. Das bedeutet aber nicht, dass sie komplett abstinent leben müssen oder dass jeder Schluck Alkohol eine Gefahr darstellt.
Grenzmengen eines risikoarmen Alkoholkonsums bieten eine Orientierung für gesunde Menschen, um das eigene Trinkverhalten zu beurteilen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen kann Alkoholkonsum grundsätzlich ein Gesundheitsrisiko darstellen und diese sollten generell darauf verzichten.
Alkoholkonsum mit geringem Risiko
Die Grenzmenge, ab der ein moderat erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen eintritt, wird in Österreich für Frauen mit 16 Gramm Alkohol pro Tag und für Männer mit 24 Gramm Alkohol pro Tag angegeben. Zur Orientierung: Ein halber Liter Bier enthält ungefähr 20 Gramm Alkohol. Um im Konsumbereich mit geringem Risiko zu bleiben, sollten zudem zwei Tage pro Woche alkoholfrei bleiben.
Zeichen für problematischen Konsum
Ein stark erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen ist ab einer Menge von 40 Gramm pro Tag für Frauen und 60 Gramm für Männer gegeben. Dann gilt der Alkoholkonsum als problematisch.
„Problematisch ist Alkoholkonsum aber auch, wenn Menschen die Fähigkeit verlieren, in bestimmten Situationen nüchtern zu bleiben, um sich und andere Menschen nicht zu gefährden, zum Beispiel im Straßenverkehr“, erklärt Strizek. Fachleute bezeichnen dies als Punktnüchternheit. Ein weiteres Zeichen für problematischen Konsum sind Suchtsymptome, zum Beispiel wenn Menschen längere Zeit nicht mehr auf Alkohol verzichten können oder immer mehr trinken.
Trinkgewohnheiten im Griff
Mit der Kampagne „Dry January“ sollen Menschen dazu motiviert werden, einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten und den eigenen Alkoholkonsum zu hinterfragen. In der Kampagne werden auch die positiven Wirkungen eines Alkoholverzichts aufgezeigt, wie Gewichtsreduktion, verbessertes Herz-Kreislauf-System oder bessere Immunfunktion.
„Unabhängig vom Monat Jänner ist es natürlich jederzeit ratsam sich kritisch mit dem eigenen Alkoholkonsum auseinanderzusetzen und gegebenenfalls diesen zu reduzieren“, empfiehlt der Soziologe und Suchtexperte Strizek und ergänzt: „Wie viel Alkohol jemand konsumiert, ist aber nicht immer eine reine Willensfrage. Vor allem bei Personen mit problematischem Konsumverhalten oder einer Alkoholerkrankung stehen häufig andere, meist psychische Erkrankungen im Hintergrund. Für diese Menschen gibt es spezielle Unterstützungsangebote, zum Beispiel psychotherapeutische oder ärztliche Betreuung oder Angebote der Suchtberatung.“
Weitere Informationen:
- Dialogwoche Alkohol
- Was ist eine Alkoholabhängigkeit?
- Handbuch Alkohol – Österreich (Gesundheit Östereich GmbH)
Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal