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Wie geht es pflegenden Angehörigen?

Seniorin im Rollstuhl mit pflegender Angehöriger © highwaystarz
22.08.2018

Um einen tieferen Einblick in die Situation pflegender Angehöriger zu erhalten, beauftragte das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) das Institut für Pflegewissenschaft in Kooperation mit dem Institut für Soziologie mit der Durchführung einer diesbezüglichen Studie. Der Endbericht liegt nunmehr vor und zeichnet ein umfassendes Bild über den Lebensalltag pflegender Angehöriger.

Auf Basis vorliegender Daten schätzen die Autorinnen/Autoren der Studie, dass mehr als 900.000 Erwachsene in Österreich in die Pflege und Betreuung einer pflegebedürftigen Person auf irgendeine Art und Weise involviert sind. Die Studie enthält eine Reihe von Empfehlungen, um pflegende Angehörige zu unterstützen, z.B. Information und Beratung problemzentriert anzubieten. „Wir werden die Ergebnisse der Studie nun genau analysieren und prüfen bereits erste, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Beratung und Sensibilisierung“, erklärte Bundesministerin Mag. Beate Hartinger-Klein.

Um die Situation pflegender Angehöriger zu erfassen, wurden Fragebögen an 11.487 Personen, die Pflegegeld beziehen, verschickt – mit der Bitte, den Fragebogen an jene Person aus dem Familien- und Freundeskreis weiterzugeben, die sich am meisten um die zu pflegebedürftige Person kümmert. Es wurden zwei unterschiedliche Fragebögen eingesetzt: für zu Hause gepflegte und in der stationären Langzeitpflege lebende Pflegegeldbezieherinnen. Insgesamt konnten 3.246 ausgefüllte Fragebögen ausgewertet werden.

Wer sind „pflegende Angehörige“?

Pflege durch Angehörige ist nach wie vor „weiblich“. Der Anteil der Frauen beträgt in der häuslichen Pflege 73 Prozent, in der stationären Langzeitpflege 63 Prozent. Das Durchschnittsalter der pflegenden Angehörigen liegt knapp über 60 Jahren. Pflegende Kinder sind die größte Gruppe pflegender Angehöriger.

Rund 30 Prozent der Angehörigen, die eine Person zu Hause pflegen, sind erwerbstätig. Bei den Angehörigen in der stationären Langzeitpflege liegt der Anteil der Erwerbstätigen bei 40 Prozent. Oft wurde eine Berufstätigkeit wegen einer Pflege zu Hause aufgegeben oder eingeschränkt. Die befragten pflegenden Angehörigen weisen einen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich schlechteren subjektiven Gesundheitszustand auf.

Die Pflege- und Betreuungssituation

Über 50 Prozent der Befragten stufen das Pflegegeld als kaum oder nur teilweise ausreichend ein, um den Pflegebedarf damit finanziell zu decken. Rund zwei Drittel der Angehörigen geben an, dass damit Kosten für 24-Stunden-Betreuung nur teilweise oder kaum gedeckt sind. Somit stellt die 24-Stunden-Betreuung eine erhöhte finanzielle Belastung für die Gepflegten bzw. für die Angehörigen dar.

Angehörige von zu Hause lebenden gepflegten Personen wohnen mehrheitlich (61 Prozent) mit diesen in einem gemeinsamen Haushalt. Knapp die Hälfte (48 Prozent) gibt an, „so gut wie rund um die Uhr“ für die gepflegte Person da zu sein. Bei Angehörigen von Menschen mit Demenz beträgt dieser Wert 58 Prozent. Generell empfinden zu Hause pflegende Angehörige die Belastungen höher als jene im stationären Setting. 

Die Empfehlungen 

Auf Basis der Ergebnisse der Studie geben die Autorinnen/Autoren Empfehlungen zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen und zur der Weiterentwicklung des österreichischen Pflegesystems. Dazu zählen:

  • Angehörige als zentrale Gruppe wahrnehmen, wertschätzen und stärken
  • Angebotsvielfalt, flexibel, kurzfristig und stundenweise abrufen können
  • Informationen und Beratung problemzentriert, proaktiv und zum richtigen Zeitpunkt anbieten
  • Demenz als zentrale Herausforderung und starke Belastung weiter im Blick haben
  • Situation pflegebedürftiger Kinder stärker berücksichtigen
  • Alternative Betreuungsformen ausbauen
  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter fördern
  • Valorisierung des Pflegegeldes und höhere Zuschüsse für vorhandene Dienste und Hilfsmittel

Weitere Informationen:

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