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Telemedizin auf dem Weg in die Diabetesversorgung

Man mit digitalem Zuckermessgerät © Africa Studio
10.04.2018

Welche Bedeutung Telemedizin, Digitalisierung und Data Science für das Thema Diabetes haben, präsentierten die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK), Beate Hartinger-Klein, und die Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, Alexandra Kautzky-Willer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Rund 600.000 Menschen leiden in Österreich an Diabetes mellitus. Schon heute spielt Telemedizin in der Versorgung von Diabetikerinnen und Diabetikern eine Rolle. Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, welchen persönlichen Nutzen die Anwendungen für Patientinnen und Patienten bringen. Zudem kann die Auswertung großer Datenmengen der Wissenschaft helfen, Forschungen im Bereich Diabetes voranzutreiben und neue Strategien für die Vorbeugung und Behandlung von Diabetes zu entwickeln.

Diabetes ist laut Österreichischer Diabetes-Strategie eine chronische Stoffwechselerkrankung, die gravierende Folge- und Begleiterkrankungen verursachen kann und im Alter häufig mit Multimorbidität einhergeht. Trotz vieler Verbesserungen in der Diabetes-Behandlung, liegt die Lebenserwartung von Diabetikerinnen und Diabetikern unter jener der Durchschnittsbevölkerung. Um Typ-2-Diabetes in den Griff zu bekommen und Begleiterkrankungen vorzubeugen, sind Änderungen des Lebensstils wichtig. Dazu gehört auch die regelmäßige Kontrolle bestimmter Werte, z.B. Blutzucker, Körpergewicht, Blutdruck oder Blutfette.

Für Bundesministerin Beate Hartinger-Klein liegt der Nutzen der Telemedizin für die Betroffenen in Qualitätsverbesserungen beim Selbstmanagement der Krankheit: „Telemonitoring unterstützt die Patienten im Alltag und sorgt für eine digitale Vernetzung mit eingebundenen Gesundheitsdienstleistern zugunsten einer bestmöglichen Betreuung der Patienten.“ Um die Standardisierung von Telemonitoring-Lösungen voranzutreiben, wurde vom BMASGK bereits eine Rahmenrichtlinie (Telemonitoring-Richtlinie) veröffentlicht.

Telemedizin in der Diabetes-Versorgung

Zwei auf der Pressekonferenz vorgestellte Beispiele zeigen den erfolgreichen Einsatz von Telemedizin in der Diabetesversorgung: der Gesundheitsdialog Diabetes der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) und DiabCare in Tirol.

  • Beim Gesundheitsdialog Diabetes wird eine intensive und regelmäßige ärztliche Betreuung durch die Telemedizin vereinfacht. Das Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelte hierfür DiabMemory, ein elektronisches Diabetikertagebuch. Die Patientin/der Patient spielt u.a. Zuckermesswerte, Gewicht etc. in das elektronische Diabetikertagebuch ein. Die Ärztin/der Arzt kann sich regelmäßig einen Überblick über die Werte verschaffen, Feedback geben oder die Patientin/den Patienten in die Ordination beordern. Gesundheitsdialog Diabetes wurde bereits in die Regelversorgung überführt und steht österreichweit allen VAEB-Versicherten zur Verfügung.
  • DiabCare steht im Bezirk Landeck in Tirol zur Verfügung. Vernetzt werden eine spezialisierte Stoffwechselambulanz, niedergelassene Ärztinnen/Ärzte, Diabetes-Pflegefachkräfte, Diabetes-Berater, Diätologen etc. Über eine Handy-App sammeln Patientinnen/Patienten wichtige Daten und übertragen sie an die Stoffwechselambulanz. Geraten Werte in problematische Bereiche, werden die Betreuerinnen/Betreuer vor Ort informiert.

Zuckerbelastungstest im Mutter-Kind-Pass

Rund eine von sieben Frauen ist von Schwangerschaftsdiabetes betroffen. Die Stoffwechselstörung endet normalerweise nach der Schwangerschaft. Rund 50 bis 70 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erkranken jedoch in den nächsten zehn bis 15 Jahren an Typ-2-Diabetes. ÖDG-Präsidentin Kautzky-Willer erklärte: „Besonders wichtig für die weitere Risikoabschätzung wäre eine Neubeurteilung der Glukosetoleranz sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt. Die Compliance der frischgebackenen Mütter zur Nachkontrolle ist in Österreich derzeit aber mit ungefähr 30 Prozent sehr schlecht. Die meisten Mütter kommen erst wieder nach Jahren mit einem manifesten Diabetes oder Komplikationen zum Arzt. Eine gute Möglichkeit, um Mütter sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt zum Zuckerbelastungstest zu bringen, wäre eine Aufnahme dieser Untersuchung in den Mutter-Kind-Pass.“ Derzeit verhandelt das BMASGK eine entsprechende Anpassung des Mutter-Kind-Passes. Ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) ist bisher nur in der dritten Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
während der Schwangerschaft vorgesehen.

Weitere Informationen: 

Diabetes

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