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Gemeinsame österreichische Suchtpräventionsstrategie

Drogenbesteck © motismotis
01.02.2016

Erstmalig wurden in Österreich Empfehlungen zum Umgang mit Suchterkrankungen formuliert. Die Ende Jänner im Ministerrat beschlossene „Österreichische Suchtpräventionsstrategie“ stellt ein konsensorientiertes Novum dar. 

Mit Nachdruck vermittelt die Strategie, dass Sucht keine Willensschwäche oder moralische Verfehlung ist. Sucht ist eine Krankheit und als solche zu behandeln. Das 24-seitige Dossier versteht sich als „Dach“ aller Aktivitäten, Maßnahmen und Entwicklungen hinsichtlich Sucht und Abhängigkeit. Es bietet sämtlichen Akteurinnen/Akteuren an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, medizinischer und psychosozialer Praxis sowie den maßgeblichen Politik- und Verwaltungsbereichen eine bundesländerübergreifende und nationale Orientierungshilfe. Die Strategie befasst sich mit der Abhängigkeit von psychogenen Drogen, Alkohol und Nikotin ebenso wie mit substanzungebundenen Verhaltenssüchten wie Spiel-, Kauf-, Internet- oder Sexsucht.

Sucht: Ein gesellschaftliches Phänomen

Die Empfehlungen gehen aus einem mehrjährigen Prozess im Rahmen einer Delphi-Studie hervor, an der rund 100 Expertinnen/Experten aus Wissenschaft, Praxis und Verwaltung aktiv mitgewirkt haben. Berücksichtigt wurde neben Suchtprävention und -hilfe auch der Aspekt der Sicherheit.

Die Suchtstrategie versteht sich weniger als Maßnahmenkatalog, sondern vielmehr als moralisches Statement mit humanistischen Grundsätzen. Sie definiert ein gemeinsames gesellschaftliches Grundverständnis zum Thema „Sucht“ und soll insbesondere der Stigmatisierung und Ausgrenzung Betroffener entgegenwirken. Denn Sucht ist ein gesellschaftliches Phänomen, dem mit einem umfassenden Ansatz begegnet werden muss.

Individuelle Suchttherapie

An der Entstehung von Sucht sind komplexe Vorgänge und Faktoren beteiligt. Vielfältig daher auch ihre Erscheinungs- und Ausprägungsformen. Eines haben jedoch alle Abhängigkeiten gemeinsam: „Sucht ist eine Erkrankung und nichts, das man jemandem ausreden kann“, so Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser anlässlich der Präsentation des Strategiepapiers.

Da jede Sucht individuell entsteht und verläuft, müssen auch Therapieansätze individuell angepasst werden: Nicht immer ist eine völlige Abstinenz das geeignete Therapieziel. Auch eine Substitution kann als erfolgreicher Schritt gewertet werden, wenn es zur Schadenminimierung führt, so der Tenor im Dossier.

Die zentralen Ziele der österreichischen Präventions- und Suchtpolitik sind:

  • negative Auswirkungen durch den Gebrauch psychotroper Substanzen und durch Verhaltenssüchte so gering wie möglich zu halten, d.h. durch suchtpräventive Maßnahmen Probleme in diesem Zusammenhang möglichst nicht entstehen zu lassen bzw. Probleme, wenn sie aufgetreten sind, durch Suchtberatung, Therapie, Rehabilitation, Überlebenshilfe/Schadensminimierung sowie soziale und berufliche Integrations- bzw. Reintegrationsmaßnahmen zu begrenzen bzw. zu lösen;
  • suchtkranke Menschen, häufig mit chronischem Krankheitsverlauf, bedarfsorientiert im Gesundheits- und Sozialsystem zu betreuen;
  • Sorge zu tragen, dass Menschen mit einer Suchtproblematik sowohl objektiv als auch subjektiv gesünder werden und in das gesellschaftliche Leben integriert bleiben bzw. werden;
  • Suchtkranken eine selbstbestimmte und sinnstiftende Lebensführung mittels (Re-) Integration in den Arbeitsmarkt und sozialer (Re-)Integration zu ermöglichen und
  • ein sozial verträgliches Mit- oder Nebeneinander aller Menschen im öffentlichen Raum sowie im Gemeinwesen zu bewirken.

Auch weiterhin ist das seit 1997 bestehende österreichische Bundesdrogenforum für das dynamische Abstimmen drogenpolitischer Fragen und Agenden unter den Ländern zuständig. Mehrere Bundesdrogenkoordinatorinnen/-koordinatoren vermitteln zudem zwischen Bund, Ländern sowie auf europäischer Ebene.

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