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Weniger Medizinerlatein in der Krankenversorgung

Krankenschwester übergibt  Medikamente an Patientin © Syda Productions
17.10.2016

Die Gesprächsqualität in der Krankenversorgung soll verbessert werden, vor allem bei Arzt-Patienten-Gesprächen. Bund, Länder und Sozialversicherung präsentierten am 13.10. eine Strategie und Maßnahmen zur Umsetzung dieses gemeinsamen Ziels in einem Pressegespräch anlässlich einer Fachkonferenz.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Gespräche zwischen dem Gesundheitspersonal und den Patientinnen und Patienten einen starken Einfluss auf die Ergebnisse der Krankenversorgung, auf den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten haben. „Eine gute Gesprächsqualität erhöht die Patientensicherheit, vermeidet Behandlungsfehler, verbessert den gesundheitlichen Outcome und fördert auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitssystem“, erklärt Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.

Befragungen und Studien zeigen, dass die Gesprächsqualität im Gesundheitswesen in Österreich unter dem EU-Durchschnitt liegt. So hat jede/jeder Fünfte Schwierigkeiten, seine Ärztin/seinen Arzt zu verstehen. Kommunikative Kompetenzen haben zwar Eingang in die medizinische Ausbildung gefunden. Im Alltag der Krankenversorgung werden sie allerdings noch zu wenig umgesetzt. Ein Ziel ist es daher, das qualitätsvolle Gespräch zwischen Gesundheitspersonal und Patientinnen/Patienten und deren Angehörigen stärker als bisher zu einer zentralen pflegerischen, diagnostischen und therapeutischen Leistung zu machen.

Gesprächsqualität in der Ausbildung

Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Gesundheitsberufen und Patientinnen/Patienten ist auch ein zentraler Schwerpunkt des Landes Oberösterreich im Rahmen des Gesundheitsziels der Stärkung der Gesundheitskompetenz. Konkret wird in Oberösterreich bei der Ausbildung in der Pflege und in den Krankenanstalten angesetzt.

Eine vor vier Jahren veröffentlichte Studie zeigte, dass mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher nur über unzureichende Gesundheitskompetenz verfügen. Das bedeutet: Vielen Menschen fehlt das nötige Wissen oder fehlen die Fähigkeiten, um Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, sie zu bewerten und dann für ihre Gesundheit positive Entscheidungen zu treffen. Durch eine bessere Gesprächsqualität in der Krankenversorgung soll auch die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten gestärkt werden.

Mehr Möglichkeiten für Gespräche in Primärversorgungszentren

In einem gelungenen Gespräch sollten die Patientinnen und Patienten ihre gesundheitlichen Probleme und Anliegen verständlich machen können. Sie sollten die mögliche Therapien verstehen, eventuell bei der Behandlung mitentscheiden und sie vor allem mittragen und wissen, welchen Beitrag sie selbst leisten können, um gesund zu werden. Gut geführte Gespräche tragen zur richtigen Diagnose und zur Verbesserung des Gesundheitszustandes bei, vor allem bei chronisch Kranken. „Im Rahmen der gesundheitskompetenten Sozialversicherung haben wir 2016 in unseren eigenen Einrichtungen umfassende Ansätze zur Verbesserung der Kommunikation und zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Patienten erprobt“, erklärt Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherung.

Im niedergelassenen Bereich würden, so Probst, neue Primärversorgungszentren den Patientinnen/Patienten viele Möglichkeiten bieten, ihre Anliegen in persönlichen Gesprächen zu äußern. Die Zentren bieten mindestens 50 Stunden pro Woche umfassende, individuelle Betreuung durch verschiedene Gesundheitsberufe: Ärztinnen/Ärzte für Allgemeinmedizin, diplomiertes Pflegepersonal, Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten etc.

Garant für Patientenzufriedenheit

Die Erfahrungen der Patientenanwaltschaft bestätigt die Bedeutung der Gesprächsqualität: Nur rund ein Viertel der Beschwerden betrifft medizinische Fehler, der Rest bezieht sich auf Probleme in der Kommunikation. Patientenanwalt Gerald Bachinger erklärt: „Patientinnen und Patienten haben durchaus Verständnis dafür, dass in den hochkomplexen Einrichtungen des Gesundheitswesens Fehler oder Schadensfälle vorfallen können. Wofür sie wenig Verständnis haben, ist, wenn die nachfolgende Gesprächsqualität mangelhaft oder ungeeignet ist. Das richtige Wort, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, gesprochen vom kompetenten Gesundheitspersonal ist die beste Beschwerdeprävention und Garant für höchste Patientenzufriedenheit.“ 

Weitere Informationen: Bundesministerium für Gesundheit und Frauen

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