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Kaiserschnittgeburten: Große Unterschiede in Europa

Baby nach Kaiserschnittgeburt © Martin Valigursky
13.05.2015

Bei den Häufigkeiten von Kaiserschnittgeburten gibt es in europäischen Ländern deutliche Unterschiede. Laut einer Analyse von Daten des Euro-Peristat-Projekts schwankt der Anteil der Kaiserschnittgeburten zwischen 14,8 und 52,2 Prozent aller Geburten eines Landes.

Zypern: Jede 2. Geburt als Kaiserschnitt

In der im März 2015 veröffentlichen Analyse wurden Daten aus dem Jahr 2010 von 31 europäischen Ländern oder Regionen untersucht. Das Land mit der höchsten Kaiserschnittrate ist Zypern mit 52,2 Prozent, gefolgt von Italien mit 38 Prozent. Die niedrigsten Raten haben nordische Länder, wie Island (14,8 Prozent) oder Finnland (16,8 Prozent) sowie die Niederlande (17 Prozent), aber auch Slowenien (19,1 Prozent). Für Österreich wird eine Kaiserschnittrate von 28,8 Prozent, für Deutschland werden 31,3 Prozent angegeben.

Steigende Raten trotz WHO-Empfehlung

Die WHO stellte 1985 fest: „Länder mit einigen der niedrigsten Raten der Geburtssterblichkeit der Welt haben Kaiserschnittraten kleiner zehn Prozent. Es gibt keine Begründung, dass irgendein Land der Welt höhere Kaiserschnittraten als zehn bis 15 Prozent hat.“ Die Autoren der aktuellen Studie stellen fest, dass diese WHO-Empfehlung nach wie vor häufig zitiert wird. Trotzdem steigen die Raten der geburtshilflichen Interventionen in Ländern mit hohen oder mittleren Einkommen.

Risikogeburten keine Erklärung

Die Autoren weisen darauf hin, dass die festgestellten großen Differenzen nur zu einem kleinen Teil durch Unterschiede bei Risikogeburten erklärt werden könnten. Eine Kaiserschnittgeburt ist medizinisch eindeutig bei bestimmten kritischen Situationen notwendig, z.B. Plazenta preavia (Tiefsitzen des Mutterkuchens) oder bei drohendem Sauerstoffmangel des Fötus. Bei anderen Situationen wird die systematische Durchführung eines Kaiserschnitts noch diskutiert, z.B. bei einer Steißlage, Mehrlingsgeburt oder bei einer vorangegangenen Kaiserschnittgeburt.

Genaue Ursachen untersuchen

Vermutet wird von den Studienautoren vielmehr, dass bei den Kaiserschnittraten der Länder auch bestimmte Unterschiede in den Gesundheitssystemen, in der Finanzierung, in den medizinischen Leitlinien oder in der Einstellung der Eltern und des medizinischen Personals eine Rolle spielen.

Von anderen Forschungen gäbe es Hinweise, dass Faktoren des Gesundheitssystems, insbesondere Unterschiede in der Organisation und Finanzierung, die Wahl der Geburtsmethode beeinflussen könnten. Aufschlussreich wäre näher zu untersuchen, ob Unterschiede in der Ausbildung und in den Verantwortlichkeiten des Geburtshilfepersonals einen Einfluss haben.

Auch der Wunsch der Frauen nach einer Geburt mit Kaiserschnitt wird oft als Grund für die steigenden Kaiserschnittraten angegeben. In vielen Ländern würde aber nur eine Minderheit diesen Wunsch ausdrücken. Studien aus zahlreichen Ländern zeigten jedoch, dass viele Frauen, die ihr Kind mittels Kaiserschnitt zur Welt brachten, eine normale vaginale Geburt bevorzugt hätten.

Abschließend stellen die Studienautoren fest: Die großen Unterschiede bei den Kaiserschnittraten in Europa sind besorgniserregend. Es besteht offenbar kein Konsens über die „beste Praxis“ und es sei notwendig, die genauen Ursachen der Unterschiede herauszufinden.

Ziel des 1999 gestarteten Euro-Peristat-Projekts ist die Beobachtung und Evaluation der Gesundheit von Mutter und Kind vor, bei und nach der Geburt mittels perinataler Messgrößen.

Weitere Infos:

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