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Gesundheitskompetenz: Leichter gesund entscheiden

Arzt spricht mit Patientin © gpointstudio
28.09.2015

Am 23.9.2015 präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der drei Partner der Gesundheitsreform sowie des Bildungs- und Sozialministeriums die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) im Rahmen einer Konferenz. Ziel der Plattform ist, österreichweit wirksame Maßnahmen zu bündeln und deren Umsetzung zu unterstützen.

Auf ihrer ersten Konferenz präsentierte die ÖPGK europäische Initiativen und Beispiele „guter Praxis“ aus Österreich. Vorgestellt wurden unter anderem die Projekte „Gesundheitskompetenz-Coaching in Einrichtungen der Sozialversicherung“, „Weiterentwicklung der Gesprächsqualität in der Patientenversorgung“, „Videodolmetschen im Gesundheitswesen“ oder „Beratungs- und Schulungsangebote für pflegende Angehörige“.

Was ist Gesundheitskompetenz?

Viele Entscheidungen, die wir im Alltag treffen, beeinflussen unsere Gesundheit: ob im Krankheitsfall, beim tagtäglichen Einkauf von Lebensmitteln, am Arbeitsplatz oder bei Freizeitaktivitäten. Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und letztendlich in „gesundheitswirksames“ Handeln umzusetzen.

Neben dem persönlichen Wissen hängt Gesundheitskompetenz auch zu einem großen Teil von der Qualität und Verständlichkeit von Gesundheitsinformationen ab, die den Bürgerinnen und Bürgern in Österreich angeboten werden: zum Beispiel im Spital, beim Arztbesuch, von Einrichtungen der Gesundheitsförderung. Auch Medien oder Werbung liefern Informationen, die Gesundheitsentscheidungen beeinflussen.

Warum Gesundheitskompetenz so wichtig ist

Die Daten zeigen uns, dass es um die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung nicht besonders gut bestellt ist. Das Problem dahinter ist, dass mangelnde Gesundheitskompetenz negative Folgen hat. Mangelnde Gesundheitskompetenz steht unter anderem in Zusammenhang mit geringerer Teilnahme an Präventionsmaßnahmen, schlechterem Gesundheitsverhalten, schlechterem Management chronischer Erkrankungen, mehr stationären Aufnahmen und mehr krankheitsbedingten Krankenständen.

Gesundheitskompetenz als Gesundheitsziel

Eines der zehn Rahmen-Gesundheitsziele ist „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“. Ein Bündel von Maßnahmen soll nun dazu beitragen, die Gesundheitskompetenz und damit die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung, zu verbessern. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Unterstützung vulnerabler Gruppen, wie alte Menschen, sozioökonomisch Benachteiligte, chronisch Kranke oder Frauen und Männer mit Behinderungen gelegt. Für diese Gruppen ist das Zurechtfinden im Gesundheitssystem aufgrund spezifischer Bedürfnisse und Problemlagen oft eine besondere Herausforderung.

Einrichtung der ÖPGK

Im Dezember 2014 beschloss die Bundesgesundheitskommission (BGK) die „Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK)“. Der Fonds Gesundes Österreich wurde mit der bundesweiten Koordination der Plattform beauftragt.
Mit der neuen Plattform für Gesundheitskompetenz soll die Zusammenarbeit der beteiligten Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Politik- und Gesellschaftsbereichen gefördert werden.

Die Partner der Bundes-Zielsteuerung – Bund, Länder und Sozialversicherung – sowie das Bildungs- und Sozialressort verstehen sich hierbei als Motor zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Die Koordinationsstelle im Fonds Gesundes Österreich ist Servicestelle, Drehscheibe und Wissenszentrum der ÖPGK. In den nächsten Monaten will die ÖPGK Mitglieder gewinnen. Mitglieder sind Organisationen, die Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz umsetzen.

Statements zur ÖPGK

„Die Stärkung der Gesundheitskompetenz erleichtert es den Menschen, ihre Rolle als selbstbestimmte Partner im Gesundheitssystem wahrzunehmen. Zentral für die patientenorientierte Gestaltung des Gesundheitssystems ist sowohl die kommunikative Kompetenz der Gesundheitsdienstleisterinnen und -dienstleister, als auch die verständliche Aufbereitung von Informationen in Gesundheitseinrichtungen. Aber auch das System selbst muss „gesundheitskompetent“ werden“, erklärt Bundesministerin Sabine Oberhauser.

„Es geht darum, Lebenswelten und das Gesundheitssystem verständlicher zu machen, die Kompetenzen der Patientinnen und Patienten zu stärken sowie Produkte und Dienstleistungen im Hinblick auf Gesundheitskompetenz zu optimieren. Wir verfolgen dabei eine Strategie auf zwei Ebenen. Wir versuchen, mit gezielten Angeboten an die Versicherten die Kompetenz des Einzelnen zu fördern. Der zweite Ansatzpunkt ist es, Informationen und Prozesse so zu gestalten, dass sie von den Betroffenen leichter verstanden werden. Die Beteiligung der Betroffenen ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Wir müssen an die Lebenswirklichkeit der Menschen anschließen und die Systeme so gestalten, dass sie verstanden werden. Gemeinsam wollen wir hier entsprechende Initiativen setzen“, so Mag. Peter McDonald, Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Für Bundesminister Rudolf Hundstorfer sind Soziales und Gesundheit zwei Querschnittsmaterien, die in der Realität kaum trennbar sind. Die ÖPGK fördert die Vernetzung beider Themen und das ist aus Sicht des Sozialministeriums der besondere Mehrwert daran.

Die Bundesländer bekennen sich zur Wichtigkeit der Umsetzung des Rahmen-Gesundheitsziels „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“ und damit zur Einrichtung der ÖPGK. Damit dieses Thema weiterhin möglichst koordiniert und qualitätsgesichert vorangetrieben wird, bringen sich die Bundesländer aktiv in die Steuerung und Umsetzung ein. „Von Bedeutung dabei ist uns die Stärkung der individuellen Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger bei gesundheitsbezogenen Entscheidungen sowie im Umgang mit Krankheiten. Damit soll schon im Kindergarten und der Schule begonnen werden“, sagt LH Josef Pühringer als Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz. „Im späteren Leben sind bei der Stärkung der Gesundheitskompetenz vor allem chronisch kranke Menschen, ältere Menschen und sozioökonomisch Benachteiligte in das Blickfeld zu nehmen, aber ebenso spezielle Personengruppen wie pflegende Angehörige. Auf der anderen Seite wollen wir das Gesundheitspersonal bei ihren Überlegungen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten unterstützen. Die Länder engagieren sich in diesem Prozess auch durch die Mitwirkung in der ÖPGK, damit möglichst zielführende Maßnahmen weitergeführt bzw. eingeleitet werden. Die Österreicherinnen und Österreicher sollen immer stärker dazu befähigt werden, individuelle Entscheidungen in Bezug auf ihre Gesundheit zu treffen und dabei vor allem durch die Gesundheitsprofessionistinnen und -professionisten unterstützt werden.“

Weitere Informationen:

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