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Nahrungsergänzungen: Wann sind sie sinnvoll?

Apfel oder Nahrungsergänzung? © monropic
28.01.2013

Der Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) boomt – bereits zirka ein Drittel der österreichischen Erwachsenen nimmt derartige Präparate ein. Angeboten werden meist Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in konzentrierter Form als Pillen, Kapseln oder Säfte.

Sinnvoller Einsatz nur bei Risikogruppen


Ernährt man sich gesund und ausgewogen, besteht kein Grund zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Wie sinnvoll es ist, mit solchen Produkten Fehler und Sünden in der Ernährung auszugleichen, sollte kritisch hinterfragt werden, so der Verein für Konsumenteninformation („Der Konsument“, VKI) anlässlich seiner Präsentation des Tests zu Nahrungsergänzungen im Direktvertrieb.

In bestimmten Lebenslagen oder bei besonderen Risikogruppen, wie z.B. Schwangeren, chronisch Kranken oder Hochleistungssportlerinnen und -sportlern, kann eine Einnahme von Nutzen sein – doch auch hier sollte diese nur unter fachlicher Aufsicht erfolgen.

Keine Arzneien, sondern Lebensmittel


Häufig erwecken NEM den Eindruck, es handle sich um Medikamente. Doch dem ist nicht so: Rein rechtlich betrachtet fallen sie in die Gruppe der Lebensmittel. Der Weg eines NEM in den Handel unterliegt demzufolge weniger strengen Zulassungskriterien und Untersuchungen, als es bei Arzneien der Fall ist. Unbedenklich ist die Einnahme von NEM dennoch nicht, da es durchaus zu Überdosierungen oder Wechselwirkungen kommen kann. Es lohnt sich daher, gut beraten zu werden . . .

Beratung im Direktvertrieb fragwürdig


Erhältlich sind Nahrungsergänzungen in Apotheken, Drogerie- und Supermärkten, seit 2004 auch über das Internet sowie im Direktvertrieb. Während in Super- und Drogeriemärkten faktisch keine Beratung zur Verfügung steht, erfolgt in den Apotheken fachkundige Auskunft durch die Apothekerin/den Apotheker. Im Direktvertrieb findet zwar Beratung statt, diese sollte jedoch eher skeptisch betrachtet werden, denn die Verkäuferinnen/Verkäufer müssen hier kein Fachwissen nachweisen, sondern lediglich einen Gewerbeschein.

Der Verein für Konsumenteninformation schickte zwei Testpersonen auf den Weg, um genauere Vorgehensweisen im Direktvertrieb zu beleuchten – getestet wurden fünf bekannte Vertriebsfirmen, das Ergebnis lässt zu wünschen übrig:

Die Produkte wurden zwar in keiner einzigen Beratung mit krankheitsbezogenen Angaben beworben – dies wäre verboten. Es kam aber durchaus zu einigen nicht wissenschaftlich belegten oder grenzwertigen Aussagen. In keinem Beratungsgespräch kam der Hinweis, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einer Ärztin/einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft zu sprechen. Stattdessen wurde in nahezu allen Gesprächen versucht, die Kundin/den Kunden auch als Beraterin/Berater bzw. Teampartnerin/-partner anzuwerben.

Vorsicht: Überdosierungen möglich


Darüber hinaus kontrollierte der VKI in den angebotenen Produkten den Vitamin- und Mineralstoffgehalt mit den offiziellen Empfehlungen des Gesundheitsministeriums. Zudem wurden die Dosierungsvorschläge mit den D-A-CH-Referenzwerten der Ernährungsgesellschaften verglichen – in einigen Fällen wurden Überschreitungen und zu hohe Dosierungen deutlich.

„Die meisten der überdosierten Nährstoffe wie z.B. Biotin, Folat und Vitamin C sind zwar weniger problematisch, da diese wasserlöslich sind und über die Nieren ausgeschieden werden. Auf Dauer ist ein Zuviel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen laut aktueller Studien aber nicht ungefährlich. Dazu kommt, dass es bei Nahrungsergänzungsmitteln auch zu Wechselwirkungen kommen kann. Im Vorfeld sollte daher abgeklärt werden, ob Medikamente eingenommen werden und Allergien oder Unverträglichkeiten bestehen“, so VKI-Ernährungswissenschafterin Mittl.

Fazit der Expertinnen/Experten: Eine ausgewogene Ernährung liefert dem Körper alle erforderlichen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, ist natürlicher und günstiger und schmeckt zudem besser als Nahrungsergänzungsmittel. Über die Einnahme sollte unbedingt mit einer Ärztin/einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft (z.B. Diätologin/Diätologe) gesprochen werden. Eine Blutuntersuchung kann hilfreich sein, bei der Ergänzung gezielter vorzugehen.

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