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Fußspuren im Sand © Alexander Ozerov

Suizid-Vorurteile

In der öffentlichen Meinung gibt es viele Vorurteile zum Thema Suizid, die irreführend und falsch sind. Diese Mythen erschweren Betroffenen und Angehörigen die ohnehin bereits belastende Situation. In der Folge sind einige ausgewählte Beispiele angeführt . . .

Vorurteil 1: Wer von Suizid redet, begeht nicht Suizid.

Die meisten Suizide werden angekündigt – direkt (z.B. „Ich bringe mich um“) oder indirekt (z.B. „Ich will nicht mehr“). Jede Äußerung über Suizid ist Zeichen für eine Notsituation und sollte daher immer ernst genommen und die betreffende Person darauf angesprochen werden. 

Vorurteil 2: Ansprechen auf Suizidgedanken ist gefährlich.

Bringt man einen Menschen erst recht auf die Idee sich das Leben zu nehmen, wenn man Suizidgedanken anspricht? Diese Befürchtung ist unbegründet. Kein Mensch nimmt sich das Leben, weil er auf Suizidgedanken angesprochen wurde. Im Gegenteil: Für gewöhnlich reagieren Menschen erleichtert, wenn sie – ohne verurteilt zu werden – mit jemandem über diese Gefühle und Gedanken sprechen können. Fragen Sie nach, wenn Sie den Eindruck haben, dass sich jemand das Leben nehmen will!  

Vorurteil 3: Wer sich wirklich das Leben nehmen möchte, ist nicht aufzuhalten.

Suizidale Menschen durchlaufen eine Phase der Ambivalenz (Zwiespältigkeit) und sind daher für gewöhnlich hin und her gerissen zwischen Leben und Tod. Gerade in dieser Phase sind Betroffene für Hilfe zugänglicher. Bei Entschluss zum Suizid, ist es schwieriger, die betreffende Person von ihrem Vorhaben abzuhalten. In dieser Phase erfolgen meist nur noch indirekte Ankündigungen. Dennoch ist es auch dann möglich, durch das Ansprechen der Suizidgedanken und Mobilisieren von Hilfsangeboten einen Suizid oder Suizidversuch zu verhindern. 

Vorurteil 4: Wer an Suizid denkt, ist nicht normal.

Die meisten Menschen befinden sich irgendwann einmal in ihrem Leben in einer Krise, in der sie denken, es sei besser, nicht mehr zu leben. Oft gelangt man in eine Situation, die unüberschaubar ist und aussichtslos erscheint. In solchen Situationen an Suizid zu denken, kann häufig vorkommen. Wenn diese Gedanken längere Zeit bestehen, sich aufdrängen oder es zur Planung eines Suizids kommt, ist professionelle Hilfe wichtig. 

Vorurteil 5: Wer einen Suizidversuch überlebt, macht das nie wieder.

Nach einem Suizidversuch besteht ein erhöhtes Risiko, erneut suizidal zu werden. Daher ist es wichtig, auch nach einem versuchten Suizid weiterhin bei schwierigen Lebenssituationen nach dementsprechenden Gedanken oder Gefühlen zu fragen. 

Vorurteil 6: Zu Weihnachten oder im grauen November gibt es die meisten Suizide. 

Die meisten Suizide ereignen sich in Österreich für gewöhnlich im Frühling, während die Zahl zu Weihnachten/Neujahr eher gering ist. 

Vorurteil 7: Suizide ereignen sich hauptsächlich in der Stadt, nicht auf dem Land.

Hinsichtlich der Zahl der Suizide gibt es innerhalb eines Landes starke regionale Unterschiede, wobei die Suizidrate auf dem Land für gewöhnlich höher ist als in großen Städten. Der Grund hierfür könnte die höhere Dichte an psychosozialer Versorgung in Städten sein. 

Vorurteil 8: Wer Suizidgedanken hat, wird sein ganzes Leben daran denken.

Suizidgedanken entstehen oft in Krisensituationen. Wird die Krise bewältigt bzw. der Umgang mit der neuen Lebenssituation erlernt, so verschwinden für gewöhnlich auch die Suizidgedanken. 

Vorurteil 9: Ein Suizidversuch ist nur Erpressung.

Suizidankündigungen und -versuche sind Ausdruck der Not der Betroffenen und deren Bedürfnis diese mitzuteilen. Durch professionelle Hilfe können sowohl die/der Betroffene als auch die Menschen in ihrem/seinem nahen Umfeld entlastet werden. Für Angehörige ist Unterstützung durch professionelle Hilfe ebenfalls möglich.

Tipp Auf der Website http://bittelebe.at/#videotipps kann man sich ein interessantes Video zu Suizid-Vorurteilen unter „Gängige Vorurteile“ ansehen.

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