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Stein mit Feder © Jeanette Dietl

Trauerphasen nach Suizid

Die Trauer um einen nahestehenden Menschen stellt die Psyche oftmals auf eine harte Probe und braucht vor allem eines: Zeit. Suizid-Hinterbliebene haben in der Regel besonders mit der Situation zu kämpfen. Sie trauern länger und meist in starkem Ausmaß. Die Trauer nach Suizid fällt meist komplexer aus, da etwa die Umstände mitunter viele Fragen aufwerfen . . .

Trauerphasen als Orientierung

Jeder Mensch trauert auf seine individuelle Weise, es gibt keine „richtige“ Art zu trauern. Dennoch ist es hilfreich zu erfahren, wie Betroffene die Trauer erleben und bewältigen können. Trauer ist ein Prozess. Um diesen greifbarer zu machen, wird er oft in sogenannte Trauerphasen unterteilt. Ein Modell dafür läuft laut der Psychologin Verena Kast in vier Phasen ab. Diese können immer wieder durchlaufen werden. Sie stellen keine zwingende Ablauffolge dar, bieten jedoch Orientierung.

Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens

Während dieser Phase, die bis zu vier Wochen dauern kann, befinden sich die meisten Betroffenen in einem Schockzustand. In dieser Zeit ist der Verlust oft noch nicht ganz greifbar und schwer zu realisieren. Mitunter stellt sich das Gefühl ein, sich selbst oder die Situation aus weiter Entfernung zu beobachten. Auch andere, manchmal äußerst intensive, Gefühle sind spürbar: Angst, Verzweiflung, Scham oder Wut. Sie können als unerträglich bis hin zu unkontrollierbar empfunden werden. In der Folge kann es zu starker Unruhe oder Angstreaktionen kommen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Reaktionen unter diesen Umständen normal sind.

Phase der aufbrechenden Emotionen

Es dauert ungefähr bis zu vier Wochen nach dem Tod des nahestehenden Menschen, bis weitere oder noch stärkere Gefühle von seelischem Schmerz, Traurigkeit, Zorn, Schuld oder Furcht hochkommen. Auch körperliche Erscheinungen sind möglich. Zu diesen zählen unter anderem Schlafstörungen, ausgeprägter Bewegungsdrang oder Schmerzen am Körper. Aus Verzweiflung wird manchmal in der Folge zu Alkohol oder anderen Substanzen gegriffen. Zu den Gedanken, die Betroffene nach einem Suizid eines Angehörigen häufig durch den Kopf gehen, zählen z.B.:

  • „Wie kann ich nach diesem unfassbaren Verlust weiterleben?“

  • „Hätte ich den Tod des geliebten Menschen verhindern können?“

  • „Wie kann sie/er mir das antun? Liebte sie/er mich nicht?“

  • „Warum ist das passiert? Wieso muss ich so ein schweres Schicksal tragen?“

  • „Könnte ich auch in so eine Situation kommen wie der Verstorbene?“

  • „Was wohl meine Umgebung denkt?“

Manchmal ist es schwer, diese Gedanken und Gefühle in Worten auszudrücken. In dieser belastenden Situation kann es auch vorkommen, dass man die Lebensperspektive verliert und selbst Suizidgedanken entwickelt. Es hilft in jedem Fall in diesen schweren Wochen, jemanden Vertrauten um sich zu haben. Ist niemand vom Umfeld verfügbar oder verschlechtert sich das Befinden zunehmend, ist rechtzeitige professionelle Hilfe wesentlich.

Phase des Suchens und Sich-Trennens

In dieser Phase versucht die/der Trauernde innerlich eine Verbindung zu der/dem Verstorbenen zu finden oder zu erhalten: beispielsweise durch Erinnern an gemeinsame Momente oder das Besuchen von bestimmten, mit dem Menschen verbundenen Orten. In der Trauer wird versucht, eine neue Form der „Beziehung“ zur/zum Verstorbenen zu finden. Manche Menschen finden etwa Trost, wenn sie sich den geliebten Menschen als „inneren Begleiter“ vorstellen. Andere suchen vielleicht Halt im Glauben. Auch hier gilt, dass jede/jeder seine ganz eigene Art hat, damit umzugehen. Mit der Zeit wird es leichter, sich mit dem schmerzhaften Verlust abzufinden.

Phase des neuen Selbst- und Weltbezuges

Je mehr Zeit vergeht, desto eher finden Trauernde wieder zurück zu ihrem Gleichgewicht. Es gelingt, die Situation nach und nach zu akzeptieren, der Alltag wird an die neuen Verhältnisse angepasst. Das eigene Leben und die „Außenwelt“ treten wieder mehr in den Vordergrund. Mit dem Verlust verbundene, starke, negative Gefühle vergehen. Bei sehr langem Trauerprozess oder Schwierigkeiten, sich an die Lage anzupassen (z.B. Probleme bei der Alltagsbewältigung), kann professionelle Hilfe einen Weg aus der Krise aufzeigen und mitfühlend begleiten.

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