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Blutproben © weseetheworld

Stammzellspende

Für Patientinnen und Patienten mit einer bösartigen Blutkrankheit wie Leukämie ist eine Stammzellspende oft die einzige Aussicht auf Hilfe oder Heilung. Mit einer Stammzellspende kann eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden, die den Wiederaufbau einer gesunden Blutbildung ermöglicht. Je nach Indikation erhält die Patientin/der Patient eigene Stammzellen (autologe Stammzelltransplantation) oder Stammzellspenden einer verwandten oder nicht verwandten Person (allogene Stammzelltransplantation). Stammzellen können aus peripherem Blut, Knochenmark oder Nabelschnurblut gewonnen werden.

Allogene Stammzellspende

Wichtig für den Erfolg einer allogenen Stammzelltransplantation ist eine optimale Übereinstimmung der HLA-(Humane-Leukozyten-Antigene-)Gewebemerkmale von Empfängerin/Empfänger und Spenderin/Spender. Passende Stammzellen können bei Geschwistern oder seltener bei Eltern und anderen nahen Verwandten gefunden werden.

Bei der Mehrzahl der Patientinnen/Patienten muss nach einer nicht verwandten Person gesucht werden. Die Chance auf einen Erfolg der Suche hängt von den Gewebemerkmalen der Patientin/des Patienten ab. Bestimmte Gewebemerkmale sind relativ häufig, andere hingegen sehr selten. Im Durchschnitt beträgt die Wahrscheinlichkeit, eine passende Spenderin/einen passenden Spender zu finden, rund 1:500.000.

Organisation der Spendersuche

Das Österreichische Stammzellregister an der Gesundheit Österreich GmbH ist die Informationsdrehscheibe für die Suche nach nicht verwandten Stammzellspenderinnen/Stammzellspendern im In- und Ausland. In Österreich sind rund 66.000 Spenderinnen/Spender in verschiedenen Spenderzentren registriert. Weltweit stehen rund 28 Millionen Spenderinnen/Spender von Stammzellen bzw. Nabelschnurbluteinheiten zur Verfügung. Das Suchsystem über das Stammzellregister bietet einer Patientin/einem Patienten eine viel größere Chance auf eine geeignete Stammzellspende als eine individuelle Suche nur auf nationaler Ebene bzw. private Spendenaufrufe.

Österreichisches Stammzellregister

Das Österreichische Stammzellregister leitet eine Anfrage nach einer Stammzellspende mit den gesuchten Gewebemerkmalen an die nationalen und internationalen Spenderzentren bzw. -register weiter. Konnte eine passende Spenderin/ein passender Spender gefunden werden, koordiniert das Stammzellregister in der Folge die Aktivitäten von Spender-, Entnahme- und Transplantationszentren. Die Suche nach nicht verwandten Stammzellspenderinnen/Stammzellspendern dauert durchschnittlich 30 Tage. Für rund 80 Prozent der Patientinnen/Patienten, denen keine passende Geschwisterspende zur Verfügung steht, kann eine Fremdspende gefunden werden.  

Spenderzentren

Spenderzentren sind in Österreich eng an medizinische Einrichtungen (z.B. Spitäler) gekoppelt. Ihr Aufgabebereich umfasst die Rekrutierung, Information und Betreuung von Spenderinnen/Spendern, die HLA-Bestimmung durch akkreditierte Gewebetypisierungslabors und die Verwaltung der Spenderdaten. Ein Spenderzentrum organisiert die Voruntersuchungen von Spenderinnen/Spendern, die Gewinnung von Stammzellen in den Stammzellentnahmezentren und die Nachbetreuung der Spenderinnen/Spender.

Um die Qualität der Stammzelltransplantationen und -spenden sicherzustellen, werden die Grundlagen sowie die Anforderungen, Aufgaben und Ausstattung der beteiligten Organisationen in den „Richtlinien zur Transplantation von Stammzellen“ genau beschrieben.

Stammzellspende: Voraussetzungen

Für die allogene Stammzelltransplantation können neben Geschwistern auch unverwandte Personen für eine Spende infrage kommen. Alternativ kann die Stammzelltransplantation auch mit Nabenschnurblut durchgeführt werden.

Unverwandte Stammzell-/Knochenmarkspende

Als freiwillige Spenderinnen/Spender von Stammzellen kommen gesunde Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren infrage. Die Registrierung der Spenderinnen/Spender von Stammzellen erfolgt in Österreich in den Spenderzentren und ist bis zu einem Alter von maximal 45 Jahre möglich. Aufgrund der besseren Stammzellenqualität eignen sich jüngere Personen am besten. Jede Spenderin/jeder Spender muss über Zweck, Durchführung und potenzielle Gefahren der Stammzellspende umfassend von einer Ärztin/einem Arzt des Spenderzentrums informiert werden. Die Ärztin/der Arzt untersucht auch die Spendentauglichkeit. Für die Gewebetypisierung wird eine Blutprobe oder ein Wangenabstrich abgenommen. Nach der Registrierung der potenziellen Spenderin/des potenziellen Spenders werden die Daten in das Österreichische Stammzellregister in anonymisierter Form aufgenommen.

Die Spenderdaten stehen damit auch weltweit für Suchanfragen zur Verfügung. Ab diesem Zeitpunkt kann die Spenderin/der Spender jederzeit für eine Stammzellspende angefragt werden. Die Spenderin/der Spender hat das Recht, jederzeit von der Bereitschaft zur Stammzellspende zurückzutreten. Ein Rücktritt unmittelbar vor einer schon geplanten Spende kann jedoch die Empfängerin/den Empfänger der Stammzellen einer unmittelbaren Lebensgefahr aussetzen.

Spende von Nabelschnurblut

Für die gemeinnützige Spende von Nabelschnurblut (Cord Blood, CB) muss das Einverständnis der Mutter nach umfassender Aufklärung schriftlich eingeholt werden. Dies soll in der Schwangerenvorsorge nach der 22. Schwangerschaftswoche, idealerweise bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche, erfolgen. Auch die Spendentauglichkeit von Mutter und Kind muss gegeben sein.

Stammzellspende: Ablauf

Das Österreichische Stammzellregister übernimmt auf Anfrage eines Stammzelltransplantationszentrums die Suche nach einer geeigneten Spenderin/einem geeigneten Spender. Es informiert das jeweilige Spenderzentrum, wenn die HLA-Merkmale einer registrierten Spenderin/eines registrierten Spenders mit jenen einer Patientin/eines Patienten übereinstimmen. Danach informiert das Spenderzentrum die Spenderin/den Spender und organisiert die nächsten Schritte.

Die Spenderin/der Spender wird ärztlich untersucht und über den Ablauf der Stammzellentnahme informiert. Nach der neuerlichen Einverständniserklärung und bei positivem Ergebnis der Untersuchung kann mit der Stammzellentnahme in einem spezialisierten Entnahmezentrum begonnen werden. Die Gewinnung von Stammzellen erfolgt unmittelbar vor der Stammzelltransplantation. Durch dieses Vorgehen wird die Anonymität von Spenderin/Spender und Patientin/Patienten in allen Einrichtungen gewährleistet.

Die Stammzellspende kann auf verschiedene Weise gewonnen werden:

  • Bei der am häufigsten durchgeführten peripheren Stammzellspende erhält die Spenderin/der Spender fünf Tag lang einen Wachstumsfaktor, um vermehrt Blutstammzellen zu produzieren. Anschließend werden die Stammzellen ambulant mittels Zellapherese entnommen. Der Vorgang dauert ca. fünf Stunden. Anschließend wird die Stammzellspende für die Transplantation aufbereitet. Als Nebenwirkung der Behandlung mit Wachstumsfaktoren können Kopf- und Gliederschmerzen auftreten, die kurz nach der Behandlung wieder abklingen. Die Nachkontrollen der Spenderin/des Spenders werden vom Spenderzentrum veranlasst. Jährliche Blutuntersuchungen sollen mindestens zehn Jahre lang durchgeführt werden.

  • Bei der seltener durchgeführten Knochenmarkspende werden stationär in Vollnarkose mittels Punktierungen in den Beckenknochen ca. ein bis 1,5 Liter Knochenmark entnommen. Der Vorgang dauert rund eine Stunde. Anschließend wird die Knochenmarkspende für die Transplantation aufbereitet. Meist kann die Spenderin/der Spender das Spital am nächsten Tag verlassen. Das Knochenmark bildet sich in wenigen Wochen vollständig nach. Als Folge der kleinen Einstiche können Blutergüsse auftreten. Eine Vollnarkose ist mit dem üblichen Narkoserisiko verbunden. Die Nachkontrollen der Spenderin/des Spenders werden vom Spenderzentrum veranlasst. Jährliche Blutuntersuchungen sollen mindestens zehn Jahre lang durchgeführt werden.

  • Bei der Nabelschnurblutspende werden kurz nach der Geburt, nach Abnabelung des Babys, in der Plazenta verbliebene Stammzellen über das Nabelschnurblut gewonnen. Dieses Restblut aus der Plazenta wird normalerweise verworfen, da es das Kind nicht benötigt. Nach der Entnahme des Nabelschnurbluts wird das Stammzellpräparat aufbereitet. Eine Blutprobe der Mutter kurz vor oder nach der Geburt dient zur Kontrolle von möglichen Infektionen, welche auch das Nabelschnurpräparat betreffen würden.

Wo kann ich Stammzellen spenden?

Wer sich als mögliche Spenderin/als möglicher Spender von Stammzellen registrieren lassen möchte, um bei Bedarf für eine lebensrettende Stammzelltransplantation zur Verfügung zu stehen, wendet sich an ein Spenderzentrum. Eine Liste der Spenderzentren finden Sie auf der Web-Seite der Gesundheit Österreich GmbH, ÖBIG Transplant.

Eine Stammzellspende erfolgt durch die Spenderin/den Spender freiwillig und unentgeltlich. Es entstehen der Spenderin/dem Spender grundsätzlich keine Kosten.

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