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Vortiele durch die neue Primärversorgung ©vervievas
Vortiele durch die neue Primärversorgung ©vervievas

Was bringt die neue Primärversorgung?

Im Rahmen der Gesundheitsreform 2013 wurde der Startschuss zur Neugestaltung der Primärversorgung in Österreich gegeben. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie die gesundheitliche Versorgung der Zukunft aussehen kann und was Patientinnen und Patienten brauchen, um optimal betreut zu werden. Ursprünglich bezeichnet Primärversorgung (PV) die erste Anlaufstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Fragestellungen und Problemen. Das neue Konzept der Primärversorgung beinhaltet aber auch Aufgaben, die über die Akutbetreuung hinausgehen: Unterschiedliche Gesundheitsberufe widmen sich gemeinsam - wohnortnah, niederschwellig und zeitlich flexibel - der Gesundheit der Bevölkerung. Dazu zählen auch die Versorgung chronisch Kranker, die psychosoziale Betreuung von Patientinnen und Patienten, gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie die Prävention. 

Um dies in der Praxis umsetzen zu können, wurde das Konzept der Primärversorgungseinheiten entworfen: Eine Primärversorgungseinheit (kurz PVE) ist ein Zentrum oder ein Netzwerk, in dem Teams aus Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern, diplomierten Pflegekräften und z.B. Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Logopädinnen und Logopäden, Diätologinnen und Diätologen sowie andere Angehörige von Gesundheitsberufen gemeinsam und aufeinander abgestimmt Patientinnen und Patienten behandeln.

Seit die Stärkung der Primärversorgung in der Gesundheitsreform 2013 verankert wurde, wird stetig daran gearbeitet, diese in ganz Österreich zu verbessern, und es ist bereits viel passiert:

Beispielsweise wurde 2018 die Anstellung von Medizinerinnen und Medizinern bei anderen Ärztinnen und Ärzten bzw. Gruppenpraxen berufsrechtlich ermöglicht. Des Weiteren gibt seit 2019 ein bundesweiter Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten den Rahmen für die neuen teambasierten Primärversorgungseinheiten vor.

Von 2018 bis Anfang 2022 wurde seitens des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) in Kooperation mit der Europäischen Union eine Gründungsinitiative für PVE-Gründer:innen ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative war es, potenzielle Betreiber:innen von Primärversorgungseinheiten maßgeblich bei der Gründung zu unterstützen und so die Gründung von Primärversorgungseinheiten anzuregen. Um den Gründungsprozess zu erleichtern, wurden Vor-Ort-Beratungen angeboten, und es wurde ein umfangreiches Handbuch zur Gründung einer PVE erarbeitet. Nähere Informationen zur Gründungsinitiative und zum Handbuch finden Sie auf www.pve.gv.at

Ein weiteres EU-Projekt wurde 2021 im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität durch das BMSGPK erfolgreich eingereicht. Mit Mitteln in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro soll bis 2026 ein breites Maßnahmenbündel zur Attraktivierung und Stärkung der Primärversorgung umgesetzt werden. Im ersten Schritt können zum einen Förderungen zu PVE-Neugründungen und zum anderen Förderungen zu konkreten Projekten in der bestehenden Primärversorgung in den Bereichen Klima, soziale Inklusion, Digitalisierung und Infrastruktur sowie Fort- und Weiterbildung (multiprofessionelles Team) beantragt werden. Auch eine Plattform, die einen Rahmen für Austausch, Vernetzung und Wissenstransfer zwischen engagierten und interessierten Personen in der Primärversorgung bieten soll, wird implementiert. Weitere Informationen zum Projekt und zu den konkreten Förderungen finden Sie unter www.primaerversorgung.gv.at 

Diese Entwicklungen sind für die Versorgungslandschaft in Österreich sehr positiv, denn die Primärversorgung bringt Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzten sowie Gemeinden zahlreiche Vorteile.

Vorteile für Patientinnen und Patienten im Überblick

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  • Längere und flexiblere Öffnungszeiten (abends und auch am Wochenende)
  • Nahe am Wohnort
  • Gesundheitsversorgung durch vernetzte  und multiprofessionelle Teams
  • Weniger doppelte Wege und Befunde
  • Kürzere Wartezeiten
  • Mehr spezialisierte Angebote (z.B. Schulungen für Diabetiker:innen, Ernährungsberatung, psychosoziale Unterstützung)
  • Mehr Leistungen in der Gesundheitsförderung und Prävention

Vorteile für multiprofessionelle Teams im Überblick

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  • Aufwertung der Rolle der Allgemeinmediziner:innen
  • Mehr Zeit für Patientinnen und Patienten
  • Bessere Work-Life-Balance durch geregelte Arbeitszeiten und Teamwork in Primärversorgungseinheiten (Zentren oder Netzwerken)
  • Familienfreundliche Arbeitszeiten
  • Moderne Arbeitsbedingungen
  • Möglichkeit zum Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen
  • Bessere Abstimmung bei der Urlaubsplanung
  • Mehr Möglichkeiten für Teilzeitarbeit
  • Möglichkeit der Inanspruchnahme von diversen Förderungen bei der Gründung einer Primärversorgungseinheit 

Vorteile für die Gemeinde, die Stadt oder die Region im Überblick

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  • Transparente und nachhaltige Planung der Gesundheitsversorgung in den Regionen
  • Bessere Berücksichtigung der Bedürfnisse in den Regionen
  • Bessere Verschränkung der verschiedenen Gesundheitsangebote
  • Absicherung der allgemeinmedizinischen Versorgung in den Gemeinden
  • Erhöhung und Sicherstellung der Lebensqualität in den Regionen

Fallbeispiele

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Frau F., 80, Diabetikerin

Frau F. ist 80 Jahre alt, leidet an Diabetes und ist nicht mehr so gut zu Fuß. Frau F. wird auch in Zukunft eine Hausärztin/einen Hausarzt ganz in ihrer Nähe haben. Neu ist: Neben der Ärztin/dem Arzt gibt es im Primärversorgungsteam auch eine Ernährungsberaterin, und  Frau F. kann sich mit Fragen zur Ernährung bei Diabetes ohne großen Aufwand und ohne zusätzliche Kosten beraten lassen. Aber auch die regelmäßige Versorgung ihrer Füße sowie die Erinnerung an wichtige Behandlungen über die Terminfunktion tragen dazu bei, dass Frau F. im Alltag besser mit ihrer Diabeteserkrankung zurechtkommt.

Ihr Vorteil: umfassend betreut, wohnortnah, bequem.

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Herr S., 35, gesundheitsbewusst

Herr S. ist 35 Jahre alt und spielt gerne Fußball – manchmal übertreibt er damit auch ein wenig. Beim wöchentlichen Spiel mit seinen Freunden hat er sich schon öfter verletzt, zudem überlegt er, mit dem Rauchen aufzuhören. Im Primärversorgungsteam gibt es neben der Hausärztin/dem Hausarzt auch eine Physiotherapeutin. An sie kann sich Herr S. unkompliziert wenden, wenn Beschwerden auftreten oder er Fragen hat – und das auch abends nach der Arbeit. Zusätzlich bietet das Primärversorgungsteam Informationsabende an, bei denen es etwa um richtige Ernährung oder ein rauchfreies Leben geht. Denn Prävention und Gesundheitsförderung sind ein zentraler Aspekt der Primärversorgung in Österreich.

Sein Vorteil:  unterstützend, informativ, begleitend

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Familie K., 2 Kinder

Die ganze Familie wird umfassend betreut. Denn im Primärversorgungsteam arbeitet auch ein Kinderarzt, der sich den Problemen der Kleinen widmet. Es wird auch eine Stillberatung angeboten, die die Mutter mit dem Baby besuchen kann, während der Vater mit der älteren Tochter abklären lässt, ob die Mittelohrentzündung gut abgeheilt ist. Bereits während der Schwangerschaft konnte die Familie bei Unsicherheiten und Fragen von der Hebammenberatung profitieren. So sind Groß und Klein gut versorgt.

Deren Vorteil: rasch, integriert und unkompliziert.

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Frau Dr.in M., Allgemeinmedizinerin

Frau Dr.in M. ist Allgemeinmedizinerin am Land und jeden Tag rund um die Uhr für ihre Patientinnen und Patienten im Einsatz. Abends macht sie Hausbesuche; Urlaubsvertretungen für ihre Ordination zu finden, ist schwierig. In Zukunft arbeitet Dr.in M. in einem Primärversorgungsteam. Sie kann sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen beraten und hat eine Vertretung, wenn sie selbst einmal krank ist oder Urlaub macht. Sie kann sich ihre Arbeitszeit flexibler einteilen und auch einmal ein bisschen kürzer treten, wenn sie Erholung braucht. Auch für die Familie bleibt mehr Zeit, denn durch die Teamarbeit hat sie endlich familienfreundlichere Arbeitszeiten.  

Ihr Vorteil: vernetzt, Teamarbeit und familienfreundlich. 

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Frau Z., Bürgermeisterin

Frau Z. ist Bürgermeisterin einer kleinen Gemeinde. Der Hausarzt wird in ein paar Jahren in Pension gehen, und Frau Z. macht sich Sorgen über die Zeit danach. Damit die Versorgung auch in Zukunft sichergestellt ist, wird ein Primärversorgungsnetzwerk aufgebaut. Durch die Arbeit im Team mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ist eine Stelle in einem solchen Netzwerk besonders für junge Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, die zuvor im Rahmen der praxisbezogenen Ausbildung Erfahrungen gesammelt haben, interessant. Die Arbeit im Team und die Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen (z.B. Therapeutinnen und  Therapeuten, Pflegefachkräften)  stellen nicht nur sicher, dass es weiterhin eine wohnortnahe, allgemeinmedizinische Versorgung gibt, sondern ermöglichen sogar ein umfassenderes gesundheitliches Leistungsangebot für die Gemeinde.  

Ihr Vorteil: sichert Versorgung, mehr Service, verlässlich. 

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