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Junger Mann bei der Psychotherapeutin © Photographee.eu

Transsexualität: Diagnose & Therapie

Wenn sich eine Person dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt und der Wunsch besteht, diese Zugehörigkeit auch körperlich anzupassen, spricht man von Transsexualität (Gender Dysphorie). Welche Ursachen es hat, dass sich Menschen dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, ist noch nicht bekannt . . .  

Diagnose 

Die Diagnosestellung erfolgt durch eine Fachärztin/einen Facharzt für Psychiatrie, eine Klinische Psychologin/einen Klinischen Psychologen oder eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten. Im Rahmen des diagnostischen Prozesses werden die Art und das Ausmaß des Unbehagens oder Missempfindens abgeklärt, die durch die Diskrepanz der subjektiv empfundenen Gender-Identität und dem Geburtsgeschlecht verursacht werden.

Der Diagnostikprozess verfolgt folgende Ziele:

  • Diagnoseerstellung
  • Beschreibung der psychosozialen gesundheitlichen Situation
  • Feststellung, dass die Gender-Dysphorie bzw. Transsexualität ohne Behandlung aus heutiger Sicht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als dauerhaft eingestuft werden kann
  • Indikationsstellung für weitere Behandlungsschritte, z.B. auch, ob und in welchem Ausmaß eine klinisch-psychologische oder psychotherapeutische Behandlung koexistenter psychischer und/oder sozialer Störungen angezeigt ist.


Hinweis Die Kosten für die klinisch-psychologische Diagnostik (Testdiagnostik) werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen (Kassenpsychologinnen/Kassenpsychologen).

Eine klinisch-psychologische oder psychotherapeutische Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß des individuellen Leidenszustandes. Ziel ist eine Stärkung der Identität der Patientin/des Patienten sowie eine Verbesserung der psychischen und sozialen Situation, z.B.:
  • Selbstfürsorge,
  • Arbeitsfähigkeit,
  • Entwicklung tragfähiger Lebens- und Beziehungsperspektiven,
  • realistische sexologische Erwartungshaltung.

Neben der klinisch-psychologischen und psychiatrischen Abklärung gehören in die diagnostische Phase auch endokrinologische, internistische und körperliche Untersuchungen, um zu prüfen, ob Risiken oder Kontraindikationen im Hinblick auf die spätere Hormontherapie und geschlechtsangleichende Operation bestehen.

Entscheidend für die Diagnose der Transsexualität (Gender Dysphorie) ist:

  • ein über lange Zeit konstantes Gefühl oder Verlangen nach Zugehörigkeit zum anderen als dem biologisch gegebenen Geschlecht;
  • ein klinisch relevanter Leidensdruck oder Beeinträchtigungen in sozialen oder beruflichen Bereichen.

Therapie

Im Zuge des Therapieprozesses werden

  • die Entwicklung der Geschlechtsidentität,
  • die psychosexuelle Entwicklung,
  • die derzeitige Lebenssituation bewusst gemacht und bearbeitet.

Weitere wichtige Aspekte der Therapie sind u.a. das Einbeziehen des sozialen Umfelds (Familie, Kinder, Freunde etc.) und die Thematisierung nach dem Wunsch einer geschlechtsanpassenden Operation.

Hinweis Um einen Teil der Therapiekosten von der Krankenkasse refundiert zu bekommen, ist eine Überweisung (z.B. durch die Hausärztin/den Hausarzt) notwendig!


Es besteht die Möglichkeit, die psychotherapeutische Behandlung (Ärzte/innen, Klinische Psychologen/innen oder Psychotherapeuten/innen) im Rahmen eines „Kassenplatzes“ in Anspruch zu nehmen.


„Real-life experience“: Leben im Wunsch-Geschlecht

Eine wichtige Rolle fällt der Klinischen Psychologie und Psychotherapie auch im Zusammenhang mit der „Alltagserprobung“ („real-life experience“) zu. Die Betroffenen sollen über einen längeren Zeitraum für sich selbst prüfen, ob und wie der Wechsel der Geschlechterrolle möglich ist – sowohl im privaten als auch im beruflichen Leben. Gleichzeitig erleben die Betroffenen, ob diese Rolle für sie überhaupt stimmig und zutreffend ist bzw. inwieweit ihr Umfeld (Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen etc.) in der Lage ist, den Rollenwechsel zu akzeptieren.

Ziel dieser Phase ist es, illusorische Erwartungen und Vorstellungen ändern zu können, bevor irreversible Maßnahmen (z.B. geschlechtsangleichende Operation) erfolgt sind.
Der Verlauf und die Behandlung während der „real-life experience“ helfen den Betroffenen und der/dem behandelnden Klinischen Psychologin/Psychologen, der Psychotherapeutin/ dem Psychotherapeuten bzw. der Psychiaterin/dem Psychiater, die Diagnose Gender Dysphorie bzw. Transsexualismus zu sichern.

Wohin kann ich mich wenden?

Es wird auf das Recht der freien Wahl der Behandler/-innen unten den Expertinnen/Experten hingewiesen.

Es gibt Gesundheitsberufe, die sich besonders mit der Thematik Gender Dysphorie bzw. Transsexualismus auseinandersetzen. Dazu zählen:

  • Fachärztinnen/Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin
  • Klinische Psychologinnen/Klinische Psychologen
  • Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten

Auf Transsexualität spezialisierte Klinische Psychologinnen/Psychologen und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finden Sie unter

  • www.boep.or.at (Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen)
  • www.psychnet.at (Online-Informationssystem für psychologische Dienstleistungen)

Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finden Sie in der PsychotherapeutInnen-Suche des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP).

Weitere Anlaufstellen

  • Adressen niedergelassener Klinischer Psychologinnen/Psychologen und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finden Sie beim Berufsverband Österreichischer Psychologinnen/Psychologen (BÖP).
  • Psychologinnen und Psychologen-Suche des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger.
  • Auch im Telefonbuch sind unter der Rubrik „Klinische Psychologinnen und Psychologen“ „Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen“ Namen, Adressen und Telefonnummern aufgelistet.
  • Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finden Sie unter Services nicht ärztliche Gesundheitsdienstleister.
  • In Wien und in jeder Landeshauptstadt gibt es Informationsstellen für Psychotherapie von den Landesverbänden des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie.
  • Von einigen Landesverbänden des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie werden auch Verzeichnisse der im jeweiligen Bundesland tätigen Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten zur Verfügung gestellt.
  • Psychologische und psychotherapeutische Beratungsstellen finden Sie unter Psychologische und psychotherapeutische Hilfe.
  • Näheres zu Ärztinnen/Ärzten für psychotherapeutische Medizin bzw. Psychiaterinnen/Psychiater (Fachärztinnen/Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie) finden Sie unter Ärztliche Hilfe.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden.

Für die klinische-psychologische Behandlung durch Fachpsychologinnen/Fachpsychologen besteht zurzeit keine Kostenübernahme. Ausführliche Informationen zur Psychotherapie & Kosten erhalten Sie unter: Psychotherapie: Hilfe & Unterstützung.

Informationen zu Psychotherapie auf Krankenschein, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten finden Sie unter: Psychotherapie: Angebote & Adressen.

Hinweis Die Kosten für eine psychotherapeutische Stellungnahme über das Ausmaß einer bestehenden Transsexualität werden nicht von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Manche Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten haben mit Vereinen einen Vertrag, der eine volle Kostenübernahme ermöglicht.

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