Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Bein eines Mannes und einer Frau © lukatme1

Transsexualität: Basis-Info

Transsexualität ist primär kein Problem der Sexualität, sondern der Geschlechtsidentität (Transidentität) und der Geschlechterrolle (Transgender) mit sehr unterschiedlichen Ausprägungsformen. Über die Häufigkeit der Transsexualität (Gender Dysphorie) gibt es in diversen Ländern sehr unterschiedliche Angaben. Berechnungen aus einer niederländischen Studie ergaben ein Verhältnis von 1:11.900 Mann-zu-Frau-Transsexuelle und 1:30.400 Frau-zu-Mann-Transsexuelle (basierend auf der Anzahl der Betroffenen, die sich einer medizinischen Behandlung unterzogen haben). Für Österreich liegen keine epidemiologischen Daten vor . . .

In der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen „Internationalen Klassifikation“ (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) wird Transsexualität als eine bestimmte Form der Geschlechtsidentitätsstörung ausgewiesen (ICD-10-WHO).

Störung der Geschlechtsidentität

Mit der ICD-10 werden Störungen der Geschlechtsidentität als eine „Persönlichkeits- und Verhaltensstörung“ (Abschnitt F6) klassifiziert.

Symptomatische Klassifikation:

  • Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden
  • meist einhergehend mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht
  • Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht so weit wie möglich anzugleichen

Diagnostische Leitlinien:

  • der Transsexualismus besteht mindestens seit zwei Jahren
  • der Transsexualismus ist nicht Ausdruck einer anderen psychischen Störung, z.B. einer Schizophrenie
  • der Transsexualismus geht nicht mit intersexuellen, genetischen oder geschlechtschromosomalen Anomalien einher

Neue Bezeichnung: Gender Dysphorie

In den vergangenen Jahren hat sich der Blick auf Transsexualität drastisch verändert. Die aktuelle Fassung des DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (ASA) berücksichtigt daher eine modernere Sichtweise. Die neue Bezeichnung Gender Dysphorie wurde gewählt, um eine Bewertung darüber, was „normal“ bzw. kongruent ist, zu vermeiden. Das DSM-5 schließt somit explizit ein, dass die Geschlechtsrolle außerhalb der Norm der Zweigeschlechtlichkeit liegen kann. Unterschieden werden nach DSM-5 zwei Hauptkriterien:

Kriterium A

deutliche Inkongruenz zwischen dem Geschlechtsidentitätserleben/Geschlechtsrollenverhalten und dem zugewiesenen Geschlecht von mindestens sechs Monaten Dauer, das sich in mindestens zwei der folgenden Kriterien äußert:

  • deutliche Inkongruenz zwischen dem Geschlechtsidentitätserleben/Geschlechtsrollenverhalten und den primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmalen
  • starker Wunsch, aufgrund dessen von den primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmalen befreit zu sein
  • starker Wunsch nach den primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmalen des anderen Geschlechts
  • starker Wunsch, das andere Geschlecht zu sein
  • starker Wunsch, als das andere Geschlecht behandelt zu werden
  • starke Überzeugung, über die typischen Gefühle und Reaktionsweisen des anderen Geschlechts zu verfügen

Kriterium B

Der Zustand ist mit klinisch relevantem Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen verbunden.

Der Weg zum anderen Geschlecht

Transsexuelle wollen vollständig in ihrem Identitätsgeschlecht leben und sowohl in sozialer als auch rechtlicher Hinsicht anerkannt werden. Dies impliziert auch häufig den Wunsch, den eigenen Körper durch hormonelle und chirurgische Behandlungen an das „Wunsch-Geschlecht“ anzupassen.

Dem Bedürfnis nach einer Geschlechtsumwandlung können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Die Selbstdiagnose allein ist keine verlässliche Indikation. Die weitreichenden und letztendlich auch irreversiblen Folgen der Hormonbehandlung und eventuellen chirurgischen Eingriffen (z.B. geschlechtsangleichende Operation) machen es notwendig, dass die Selbstdiagnose sehr sorgfältig im Rahmen eines längerfristigen diagnostisch-therapeutischen Prozesses beurteilt und bestätigt wird. Zudem hilft eine längerfristige therapeutische Begleitung und Behandlung Betroffenen bei der Bewältigung von psychischen Herausforderungen.

Behandlung bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus

In Österreich gibt es Empfehlungen für den Behandlungsprozess bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus nach der Klassifikation in der derzeit gültigen DSM-5 bzw. ICD-10 Fassung. Dabei kommt der „real-life experience“ (Leben in der angestrebten Geschlechtsrolle) eine entscheidende Bedeutung zu. Stabilität des transsexuellen Wunsches und das Leben in der neuen Geschlechterrolle sind Voraussetzungen zur Indikation einer operativen Geschlechtsangleichung. Beides kann sich nur im Verlauf eines diagnostisch-therapeutischen Prozesses erweisen.

Nicht die Transsexualität, die als Teil der Identität gesehen werden muss, sondern die Symptomatik der Geschlechtsdysphorie kann behandelt werden. Das Behandlungsspektrum reicht von alleiniger klinisch-psychologischer und/oder psychotherapeutischer Hilfe, z.B. bei Lernprozessen im Zusammenhang mit einer gewissen Außenseiterposition im sozialen Umfeld, bis zur Durchführung einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie und geschlechtsangleichenden Operation.

Hinweis Die Diagnose Transsexualität (Gender Dysphorie) ist nicht automatisch an das Verlangen nach einem operativen Geschlechtswechsel gebunden, und der Behandlungsprozess kann, muss aber nicht zu hormoneller und chirurgischer Behandlung führen.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse