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Pärchen mit Arzt im Gespräch © Rido

Libidoverlust: Diagnose & Therapie

Grundsätzlich gibt es beim sexuellen Verlangen große individuelle Unterschiede. Es gibt Menschen, die täglich Lust auf Sex haben, anderen reicht es einmal in der Woche oder einmal im Monat. Es ist es völlig normal, phasenweise keine Lust auf Sex zu haben. Probleme ergeben sich häufig dann, wenn anhaltend eine „sexuelle Schere“ vorliegt, also einer der Partner ein sehr starkes und der andere ein sehr schwaches Verlangen hat. Auch wenn Sex nicht überbewertet werden sollte, gehört zu einer Beziehung ein erfülltes Sexualleben – für beide Partner . . .

Geht die Lust auf Sex gänzlich verloren, fehlt oft der „Kitt“ der sexuellen Intimität. Wird die sexuelle Aktivität einvernehmlich eingestellt oder einvernehmlich auf andere als die bekannten Praktiken verlagert, ist nicht von einer Störung zu sprechen . . .

Wann spricht man von Libidoverlust?

Laut ICD-10 und DSM-5 spricht man von einer sexuellen Funktionsstörung, wenn diese mindestens sechs Monate andauert. Dadurch kann besser zwischen vorübergehenden sexuellen Problemen und dauerhaften sexuellen Störungen unterschieden werden. Im Allgemeinen sind Menschen mit einer sexuellen Appetenzstörung sexuell funktionsfähig. In manchen Fällen können auch andere sexuelle Störungen zu einem nachlassenden sexuellen Verlangen führen.

Eine sexuelle Appetenzstörung kann primär (lebenslang) oder sekundär (im Laufe des Lebens erworben) vorliegen. Sie kann generalisiert oder situativ auftreten und auf einen bestimmten Partner oder eine bestimmte Situation begrenzt sein.

Hinweis In Langzeit-Beziehungen ist eine angemessene Abnahme des sexuellen Verlangens normal Abgesehen von diesem Umstand ist das Nachlassen des sexuellen Verlangens neben der Orgasmusstörung die häufigste sexuelle Funktionsstörung bei Frauen und geht meist mit Erregungsproblemen einher. Eine männliche Appetenzstörung ist nach wie vor ein tabuisiertes Störungsbild. Es dazu auch kaum epidemiologische Studien.

Diagnose & Beratung

Wesentlich bei der Diagnose einer sexuellen Appetenzstörung ist eine ausführliche Sexualanamnese (Paarbeziehung, Erhebung des Sexuallebens etc.). Dabei können mögliche Ursachen näher beleuchtet werden. Die Ärztin/der Arzt bzw. die Therapeutin/der Therapeut erkundigt sich nach psychischen, sozialen oder körperlichen Gründen, die ein vermindertes sexuelles Verlangen nach sich ziehen können. In der Regel findet das erste Beratungsgespräch mit der Patientin/dem Patienten zunächst alleine statt. Liegt eine sexuelle Appetenzstörung vor, sollte auch die Partnerin/der Partner nach Möglichkeit in die Anamnese und/oder Therapie mit einbezogen werden.

Diagnostische Methoden

Es stehen verschiedene diagnostische Methoden zu Verfügung, um Aufschluss über die sexuelle Problematik zu erhalten. Dazu zählen neben einer ausführlichen Sexualanamnese:

  • somatisch-medizinische Untersuchungsverfahren (z.B. urologische oder gynäkologische Untersuchungen),
  • psychometrische Testverfahren (Fragebögen) und
  • psychotherapeutische – diagnostische Verfahren.


Hinweis Oft kann es auch sinnvoll sein, einen Labortest durchführen zu lassen, um auch unerkannte chronische Erkrankungen und Hormonstörungen rechtzeitig zu erkennen.

Eine Untersuchung durch eine Ärztin/einen Arzt ist sinnvoll, um für einen eventuell späteren therapeutischen Prozess herauszufinden, ob körperliche Erkrankungen die Ursache für die sexuelle Lustlosigkeit sind. Nach der Diagnosestellung kann mit der Ärztin/dem Arzt bzw. der Therapeutin /dem Therapeuten ein Behandlungsplan festgelegt werden. Dabei wird über Behandlungsform (somatisch, psychotherapeutisch, kombiniert) sowie über Settings (Einzel- oder Paartherapie) entschieden.

Therapeutische Maßnahmen

Die Therapie ist individuell und richtet sich nach der/den auslösenden Ursache(n). Auch ist sie abhängig von Art und Ausmaß der sexuellen Störung und dem dadurch entstandenen Leidensdruck.

Liegt die sexuelle Lustlosigkeit nicht in einer körperlichen Ursache begründet, ist es sinnvoll sich an eine Sexualtherapeutin/einen Sexualtherapeuten zu wenden. Die Sexualtherapie richtet sich an Einzelpersonen und Paare, die Probleme mit ihrer Sexualität haben, sei es etwa, weil sich eine sexuelle Funktionsstörung entwickelt hat oder die Lust an Sexualität mit dem Partner nachgelassen hat oder ausbleibt.

Wohin kann ich mich wenden?

  • Sexualberatungsstellen
  • Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten
  • Gynäkologinnen/Gynäkologen
  • Urologinnen/Urologen

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Sexuelle Funktionsstörungen gelten nicht als Krankheit im Sinn des Sozialversicherungsrechts. Behandlungen von sexuellen Funktionsstörungen fallen nicht in die Leistungspflicht der Krankenversicherung.

Die Kosten werden nur in Einzelfällen von den Sozialversicherungsträgern übernommen.
Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie) ist eine Kostenbeteiligung der Patientin vorgesehen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse, die Sie über die Website der Sozialversicherungsträger finden.

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