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Mehrlinge auf der Geburtenstation © Anatoly Tiplyaskin

Mehrlingsgeburt

Unter Mehrlingen versteht man zwei oder mehr Kinder, die innerhalb einer Schwangerschaft heranwachsen und kurz hintereinander geboren werden. Dass im Bauch der Mutter ein Baby heranwachsen kann, grenzt für viele Paare bereits an ein Wunder. Umso größer ist die Überraschung, wenn sich statt einem, gleich zwei oder drei Babys ankündigen. In der Medizin unterscheidet man zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen/Mehrlingen . . .

Entstehung einer Zwillingsschwangerschaft

Ungefähr ein Drittel aller Zwillinge ist eineiig. Sie besitzen das gleiche Erbgut und haben immer das gleiche Geschlecht. Eineiige Zwillinge entstehen durch die Teilung einer befruchteten Eizelle. Aus der befruchteten Eizelle bilden sich zwei Hälften mit identischem Erbgut, weshalb sich eineiige Zwillinge zum Verwechseln ähnlich sehen. Man unterscheidet:

  • Teilung in den ersten zwei bis drei Tagen: Erfolgt die Teilung der Eizelle in den ersten zwei bis drei Tagen, entwickeln sich die Zwillinge in jeweils einer eigenen Fruchtblase und mit je einem eigenen Mutterkuchen (ca. zehn Prozent aller Zwillinge).
  • Teilung ab dem vierten Tag: Erfolgt die Teilung ab dem vierten Tag, entwickeln sich die Zwillinge in je einer eigenen Fruchtblase, teilen sich jedoch einen Mutterkuchen. Diese Art der Zellteilung kommt am häufigsten vor (ca. 20 Prozent aller Zwillinge).
  • Teilung nach dem achten Tag: Manche Zwillinge entstehen erst, wenn sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat. Sie entwickeln sich in einer gemeinsamen Fruchtblase und teilen sich eine Plazenta. (ca. ein Prozent aller Zwillinge).
  • Späterer Zeitpunkt: Bei einer Teilung zwischen dem 12. und 14. Tag kommt es zu einer unvollständigen Teilung der Eizelle. Es entstehen siamesische Zwillinge. Das heißt, die Embryonen sind miteinander verbunden (sehr selten).

Zweieiige Zwillinge entstehen durch die Befruchtung von zwei Eizellen. Die zwei befruchteten Eizellen entwickeln sich von Anfang an nebeneinander. Die Zwillinge entwickeln sich in jeweils einer Fruchtblase mit je einem Mutterkuchen. Zweieiige Zwillinge sind erbverschieden. Sie können das gleiche Geschlecht oder verschiedene Geschlechter haben. Ungefähr zwei Drittel aller Zwillinge sind zweieiig (dizygot).

Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft

Die Ärztin oder der Arzt kann eine Mehrlingsschwangerschaft bereits bei der ersten Ultraschalluntersuchung feststellen. Andere Hinweise, die auf eine Mehrlingsschwangerschaft hindeuten, entwickeln sich im Laufe der Schwangerschaft: Der Bauchumfang der Schwangeren ist größer, es sind mehr Kindsbewegungen zu spüren etc. 

Am Anfang der Schwangerschaft muss zur Risikobeurteilung und zur Festlegung der Intensität der Schwangerschaftsüberwachung durch die Frauenärztin/den Frauenarzt sonographisch festgelegt werden, ob die Plazenten und die Fruchthöhlen getrennt vorhanden sind.

Schwangerschaftsverlauf bei Mehrlingen

Der Schwangerschaftsverlauf bei Mehrlingen birgt für die Kinder immer ein höheres Risiko und für die werdende Mutter oft eine erhebliche Mehrbelastung. Da häufiger mit Komplikationen und schwangerschaftsspezifischen Krankheiten zu rechnen ist, werden Mehrlingsschwangerschaften immer als "Risiko"-Schwangerschaften eingestuft. Eine engmaschigere Überwachung des Schwangerschaftsverlaufes ist notwendig.

Ungefähr 30 bis 60 Prozent der Mehrlingsschwangerschaften enden mit einer Frühgeburt. Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer verkürzt sich mit der Zahl der Mehrlinge. Bei Zwillingen beispielsweise liegt die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer zwischen 36 und 38 Wochen, bei Drillingen zwischen 32 und 34 und bei Vierlingen bei 30 Wochen. Mögliche Ursachen sind eine Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz), vorzeitige Wehen oder ein vorzeitiger Blasensprung.

Die Geburt von Zwillingen

Auch bei einer normal verlaufenden Mehrlingsschwangerschaft wird die Geburt immer als sogenannte "Risikogeburt" eingestuft. Die Kinder kommen meistens einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft mit drei oder mehr Kindern wird immer ein Kaiserschnitt geplant. Bei einer Zwillingsgeburt ist eine vaginale Geburt möglich. Voraussetzung ist, dass das vorausgehende Kind in Schädellage liegt. Bei Beckenendlage des ersten Kindes wird meistens ein Kaiserschnitt durchgeführt. Die Geburt von Zwillingen unterscheidet sich kaum von einem normalen Geburtsvorgang. Nachdem das erste Kind geboren ist, wird es abgenabelt und untersucht. Wie lange es dauert, bis der zweite Zwilling folgt, kann variieren.

Liegt das zweite Kind in Längslage, kann es ohne Probleme geboren werden. Bei einer Querlage wird versucht, das Kind zu wenden. Sollte eine Wendung nicht gelingen, wird ein Kaiserschnitt vorgenommen. Zu den häufigsten Geburtskomplikationen bei einer Zwillingsgeburt zählen die Wehenschwäche, die aufgrund der stark überdehnten Gebärmutter auftreten kann, oder eine ungünstige Lage eines oder beider Kinder.

Wohin kann ich mich wenden?

Da bei einer Mehrlingsschwangerschaft eine Hausgeburt nicht möglich ist, findet die Geburt in einem Krankenhaus statt. Informationen über den Ablauf einer Spitalsgeburt finden Sie unter Die Spitalsgeburt.

  • Krankenhäuser in Ihrer Nähe finden Sie unter Services (Spitalssuche).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Entbindung in einem Krankenhaus sind durch die Sozialversicherung abgedeckt. Dabei können alle notwendigen medizinischen Leistungen und geburtshilflichen Angebote in Anspruch genommen werden.

Hinweis Für eine normale Entbindung ohne Komplikationen ist die Pflege in einem Krankenhaus längstens für zehn Tage zu gewähren (vgl. § 161 ASVG). Die Geburtsbegleitung im Krankenhaus durch eine Wahlhebamme ist eine Privatleistung und muss daher selbst bezahlt werden. Eine Erstattung durch die Krankenkasse ist nicht möglich.

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