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Frühchen im Brutkasten © Steve Lovegrove

Frühgeburt

Wenn ein Kind vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, gilt es als Frühgeborenes. Eine normale Schwangerschaftsdauer beträgt durchschnittlich 38 bis 42 Schwangerschaftswochen. Durch die moderne Medizin ist es möglich geworden, frühgeborene Kinder ab einem Geburtsgewicht von etwa 500 Gramm (ca. 23. bis 24. abgeschlossenen Schwangerschaftswoche) am Leben zu erhalten und erfolgreich zu behandeln. Die Überlebenschance des Kindes hängt jedoch weniger vom Geburtsgewicht als vom Schwangerschaftsalter ab . . .

Erhöhtes Infektionsrisiko

Je früher ein Kind geboren wird, desto unreifer sind seine Organfunktionen, und somit erhöht sich das Risiko, dass es erkrankt oder eine Behinderung erleidet. Vor allem die unreife Lunge bereitet Frühgeborenen oft Probleme, da ein Sauerstoffmangel entstehen kann. Auch das Immunsystem zu früh geborener Kinder ist noch schwach. Während der Schwangerschaft gibt die Mutter über den Mutterkuchen (Plazenta) wichtige Antikörper an ihr Kind weiter. Frühgeborene haben meist noch zu wenig Antikörper erhalten, um Infektionen erfolgreich zu bekämpfen. Das Risiko, nach der Geburt zu erkranken, ist dadurch erhöht.

Damit sich die Kinder auch außerhalb des Mutterleibs weiterentwickeln können, werden sie in einen Brutkasten (Inkubator) gelegt. Der Brutkasten soll den Mutterleib ersetzen. Er gibt den Kindern Schutz und Zeit zur Reifung. Es gibt unterschiedliche Faktoren, die zu einer Frühgeburt führen können. Welche dazu zählen und welche Untersuchungen bei einer drohenden Frühgeburt durchgeführt werden, finden Sie unter Ursachen und Symptome.

Mögliche Symptome einer drohenden Frühgeburt

Die typischen Anzeichen einer drohenden Frühgeburt sind das vorzeitige Einsetzen der Wehentätigkeit oder ein vorzeitiger Blasensprung. Weitere Symptome können sein:

  • frühzeitige Öffnung des Muttermundes,
  • vaginale Blutung,
  • menstruationsähnliche Krämpfe,
  • unangenehm riechender undverfärbter Ausfluss als Zeichen lokaler Infektionen im Bereich der Gebärmutter.

Maßnahmen bei einer drohenden Frühgeburt

Nach Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sollen bei einer drohenden Frühgeburt folgende Untersuchungen vorgenommen werden:

  • Anamneseerhebung: Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich, ob die schwangere Frau Kontraktionen spürt und wie sich diese anfühlen (z.B.: menstruationsähnliche Beschwerden, tiefer Rückenschmerz). Weiters wird abgeklärt, ob die schwangere Frau vermehrt gelblichen Ausfluss oder vaginale Blutungen beobachtet hat.
  • CTG (Wehenschreiber): Mithilfe des CTG kann die Ärztin oder der Arzt den kindlichen Gesundheitszustand beurteilen. Die Herztöne des Kindes und die Wehentätigkeit werden kontrolliert.
  • Ultraschall (abdominale Sonografie): Im Ultraschall kann die Lage des Kindes beurteilt werden. Weiters kontrolliert die Ärztin oder der Arzt den Sitz der Plazenta sowie die Fruchtwassermenge.
  • Gynäkologische Untersuchung (Spekulum-Einstellung): Um eine Infektion oder Blutungen auszuschließen, wird ein vaginaler Abstrich durchgeführt. Die Ärztin oder der Arzt überprüft auch, wie weit sich der Muttermund bereits geöffnet hat. In der Regel sollten auch diagnostische Schritte zum Erkennen einer Infektion durchgeführt werden (bakterielle Abstriche, Nativ-Präparat).
  • Vaginale Sonografie: Bei der vaginalen Sonografie handelt es sich um einen Ultraschall durch die Scheide. Dabei wird die Gebärmutterhalslänge gemessen und die Trichterbildung beurteilt.

Die Möglichkeiten der Behandlung beschränken sich auf körperliche Schonung, auf die Hemmung der Wehentätigkeit (medikamentöse Tokolyse) sowie auf die Lungenreifung (medikamentöse Reifung der fetalen Lungen). Hat sich der Muttermund bereits zu öffnen begonnen, wird eventuell ein künstlicher Verschluss des Gebärmutterhalses (Cerclage). Beim Nachweis einer Infektion bei vorzeitiger Wehentätigkeit wird diese antibiotisch behandelt. Beim vorzeitigen Blasensprung im Bereich der Frühgeburtlichkeit wird auch ohne bakteriologischen Nachweis einer Infektion eine Antibiose durchgeführt.

Ablauf einer vorzeitigen Geburt

Grundsätzlich können „Frühchen“ auf natürlichem Weg auf die Welt gebracht werden. In bestimmten Situationen ist aber manchmal eine Kaiserschnittentbindung notwendig.
Der Kaiserschnitt wird vor allem dann durchgeführt, wenn es zur Gefährdung von Mutter oder Kind durch die vorzeitige Geburt kommt. Unter günstigen Bedingungen – das heißt weit offener Muttermund, Schädellage und gute kindliche Herztöne – kann eine natürliche Geburt stattfinden. Nach der Geburt wird das Kind zur Erstversorgung dem bereitstehenden kinderärztlichem (neonatologischen) Team übergeben.

Zu früh geborene Kinder sind noch nicht voll ausgereift und deshalb besonders empfindlich. Je nachdem, wie weit sie bei der Geburt entwickelt waren, ist eine sorgfältige ärztliche Betreuung notwendig. Einige Babys werden sofort nach der Geburt in den Brutkasten gelegt, der das Kind wärmt. Herzschlag und Atmung werden laufend überwacht. Manchmal müssen zu früh geborene Kinder zusätzlich durch eine Magensonde ernährt werden oder benötigen Hilfe beim Atmen.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei drohender Frühgeburt empfehlen Expertinnen und Experten, die werdende Mutter in ein perinatalmedizinisches Zentrum zu verlegen. Dabei handelt es sich um spezialisierte Kliniken für Früh- oder Risikogeburten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die intensivere Schwangerschaftsbetreuung und zusätzlichen Untersuchungen bei einer drohenden Frühgeburt sind durch die Sozialversicherung abgedeckt.

Mutterschutz

Für werdende Mütter besteht acht Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung ein absolutes Beschäftigungsverbot. Das ist die sogenannte Schutzfrist bzw. der Mutterschutz. Besteht Gefahr für die Mutter oder ihr Kind – zum Beispiel durch eine drohende Fehlgeburt –, kann die schwangere Frau bereits früher von der Arbeit freigestellt werden. Dazu muss die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt die Freistellung befürworten und schriftlich begründen.

Bei der Frühgeburt (sowie bei Mehrlingsgeburten und Kaiserschnittentbindungen) beträgt die Schutzfrist nach der Entbindung mindestens zwölf Wochen. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Website der Arbeiterkammer.

 
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