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Rettungssanitäter leisten Erste Hilfe bei Radunfall © CandyBox Images

Erstbehandlung von Sportverletzungen

Die richtigen Erstmaßnahmen bei einer Verletzung an der Sportstätte bzw. am Unfallort sind entscheidend und stellen die Weichen für die weitere Diagnostik und Therapie. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Lesen Sie hier, welche Regeln unmittelbar nach einer Sportverletzung hilfreich sind . . .

Die PECH-Regel

Die PECH-Regel ist eine sehr wichtige Leitlinie für Erstmaßnahmen bei Sportverletzungen. Sie bezeichnet die vier elementaren Behandlungsprinzipien: Pause, Eis, Kompression und Hochlagerung.

P – wie Pause

Bei einer Verletzung muss die sportliche Aktivität beendet, also eine Pause eingelegt werden. Besteht der Verdacht auf das Vorliegen eines Knochenbruchs oder einer Gelenkverletzung, sollte die betroffene Körperregion durch eine Schienung ruhig gestellt werden.

Da professionelles Schienungsmaterial vor Ort nur selten vorhanden ist, kann eine provisorische Ruhigstellung, z.B. bei Hand- oder Fußgelenkverletzungen, mit einer gefalteten und mit einer Binde fixierten dicken Zeitung oder einem Brett erfolgen. Dabei ist auf eine Polsterung zur Vermeidung von Druckstellen zu achten. Bei Fingerverletzungen kann z.B. ein Holzspatel verwendet werden. Ein Dreiecktuch lässt sich z.B. aus einem T-Shirt oder Schal anfertigen – z.B. zur Ruhigstellung bei einem Schulter-, Schlüsselbein- oder Oberarmbruch. Bei Halsverletzungen kann ein zusammengerolltes Handtuch als provisorische Halskrawatte eingesetzt werden.

E – wie Eis

Eine Sportverletzung sollte frühzeitig dosiert gekühlt werden. Die Kälteanwendung (Kryotherapie) hat viele positive Effekte: Sie wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und beugt einer stärkeren Schwellung vor. Kleine Blutgefäße ziehen sich zusammen, dadurch wird die Einblutung in das verletzte Gewebe vermindert. Je geringer eine Schwellung bleibt, umso kürzer ist die Heilungszeit.

Die Kühlung kann z.B. mit Eiswürfeln oder Eisbrei (zerstoßenen Eiswürfeln) in einem Handtuch, einem Plastikbeutel oder einem Socken erfolgen, die der verletzten Körperregion angepasst und mit einer Binde fixiert werden. Alternativen sind Eiswasser- oder Cool-Packs sowie Kühlgelpackungen. Um eine lokale Erfrierung zu vermeiden, dürfen sie nicht in direkten Kontakt mit der Haut kommen. Auch bei sogenannten Kältesprays besteht die Gefahr einer lokalen Erfrierung. Riskant ist v.a. die „Vereisung“ mit dem immer noch gebräuchlichen Chloräthyl.

Hinweis Die Kälteanwendung ist unter Sportmedizinerinnen und Sportmedizinern umstritten. Insbesondere über ihre Dauer bestehen unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich gilt, dass die Sportlerinnen und Sportler die Kühlung nicht als unangenehm empfinden dürfen. Bei Sensibilitäts- oder Durchblutungsstörungen muss die Kälteanwendung unterbleiben. Außerdem gilt: Kein Eis auf offene Wunden.

K – wie Kompression (Compression)

Das Anlegen eines Druckverbandes soll eine Schwellung verhindern. Die elastische Binde darf nicht zu fest gewickelt und sollte immer von der Körperperipherie in Richtung Körpermitte angelegt werden, also beispielsweise von den Fingerspitzen in Richtung Schulter. Gute Kombinationen von Kältetherapie und Kompression sind sogenannte 

Hot-Ice-Verbände, Kühlmanschetten bzw. -bandagen.

Hinweis Die/der Verletzte darf den Verband niemals als unangenehm empfinden. Es gilt, nicht zu kalt und nicht zu eng! Bei Taubheitsgefühl, Kribbeln, zunehmenden Schmerzen oder Stauungszeichen bzw. Durchblutungsstörungen – also wenn es vor (körpernah) oder nach (körperfern) dem Verband zu einer Schwellung oder Blau- oder Weißverfärbung der Haut kommt – muss der Verband gelöst bzw. lockerer angewickelt werden.

H – wie Hochlagerung

Diese soll bei Verletzungen am Bein oder Arm ebenfalls der weiteren Einblutung und damit auch Schwellung entgegenwirken. Außerdem wird der „Abtransport“ von Flüssigkeit im Gewebe erleichtert. Dies bedeutet, dass der Fuß oberhalb der Ebene des Kniegelenks gelagert wird bzw. die Hand oberhalb der Ebene des Ellbogengelenks, idealerweise sogar höher als die Ebene des Schultergelenks.

Richtiger Umgang mit Wunden und Blutungen

Bei offenen Wunden wird direkt an der Sportstätte je nach Größe der Wunde ein Pflaster oder ein steriler locker angewickelter Verband angelegt. Es darf keine Stauung auftreten.

Hinweis Im Rahmen der Ersten Hilfe sind Wundsalben und -tinkturen überflüssig oder sogar schädlich und dürfen daher nicht zur Anwendung gelangen. Eine Desinfektion wird nur durchgeführt, wenn ein geeignetes Mittel zur Verfügung steht, das (schleim-)hautverträglich ist und keine zusätzlichen Schmerzen verursacht. Bei verschmutzten Wunden sind ausgedehnte, schmerzhafte Reinigungsversuche zu unterlassen.


Bei einer stärkeren Blutung im Bereich des Armes, des Beines oder am Kopf wird ein Druckverband angelegt. Die Hand bzw. der Fuß sind dabei möglichst über Herzhöhe zu halten, und es muss schnellstens professionelle Hilfe gerufen werden. Fast jede Blutung lässt sich stoppen, indem man Verbandmaterial, ein Handtuch oder Kleidungsstück direkt auf die Wunde presst. Als Druckpolster können Papiertaschentuchpackungen etc. verwendet werden. Als provisorische Binde eignet sich z.B. ein Tuch oder Schal.

Die Sportlerin/der Sportler sollte sich vornüber gebeugt mit offenem Mund hinsetzen und ruhig atmen. Beide Nasenflügel werden etwa fünf bis zehn Minuten mit Daumen und Zeigefinger zusammengedrückt. Hilfreich ist es, z.B. ein kaltes feuchtes Tuch in den Nacken zu legen. Wenn die Blutung nicht stoppt, kann das betroffene Nasenloch mit einer Kompresse verschlossen werden.

Weitere wichtige Maßnahmen

  • Schutz vor Unterkühlung: Im Falle einer Verletzung ist darauf zu achten, dass die Sportlerin/der Sportler nicht unterkühlt. Verschwitzte und nasse Sportbekleidung muss ausgezogen werden. Falls keine trockene Kleidung vorhanden ist, wird die Verletzte/der Verletzte mit anderen Textilien oder einer Decke eingehüllt.

Tipp Ein guter Schutz vor Unterkühlung, direkter Sonneneinstrahlung oder Nässe ist eine Rettungsdecke, die in jedem Autoverbandskasten vorhanden sein muss. Die silberne Seite liegt innen (in Kontakt zur/zum Verletzten), die goldene Schicht zeigt nach außen.

  • Nichts essen und trinken: Bei schwereren Verletzungen muss auch immer an eine eventuell notwendige Operation gedacht werden, für die die Sportlerin/der Sportler nüchtern sein sollte.
  • Keine Medikamente: Sportlerinnen/Sportler sollten keine Medikamente oder Schmerzmittel ohne ärztliche Anweisung einnehmen. Ausnahmen sind z.B. lange Transportwege zur nächsten Arztpraxis oder Klinik.

Grundsätzlich verboten sind Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (z.B. in Aspirin®). Diese und andere blutgerinnungshemmenden Substanzen verzögern die Blutgerinnung und können zur Vergrößerung eines Blutergusses beitragen. Außerdem steigern sie bei einer eventuell notwendigen Operation das Blutungsrisiko. Aus demselben Grund sollte bei akuten Verletzungen (z.B. Muskelfaserriss) die Einreibung mit Salben oder Gelen unterbleiben. Diese enthalten Substanzen, welche – insbesondere bei großflächiger Anwendung – die Blutgerinnung stören können, z.B. Heparin-Salben.

Hinweis Erste Hilfe ersetzt nicht die notwendige ärztliche Behandlung.

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