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Mann spricht mit Ärztin © Photographee.eu

Alkoholabhängigkeit: Therapie

Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit ist individuell verschieden – der Weg zur Abstinenz allerdings meist langwierig. Je nach Situation der Betroffenen werden Maßnahmen eingeleitet, die das Überleben im Notfall sichern bzw. langfristig ein möglichst gesundes Überleben gewährleisten.

Angestrebt wird ein reduzierter Alkoholkonsum oder idealerweise eine vollständige Abstinenz. Die Therapieziele können bis hin zu einem Leben in Selbstrealisierung und Autonomie reichen. Alkoholabhängigkeit ist nach wie vor ein Tabuthema, das von vielen geheim gehalten wird. 

Je früher das Problem erkannt und behandelt wird, desto besser stehen jedoch die Chancen. Oftmals dauert es allerdings, bis die Betroffenen ihre Probleme erkennen und bereit sind, sich einer Therapie zu stellen. Eine Alkoholabhängigkeit ist multifaktoriell bedingt und macht meist professionelle Hilfe von außen erforderlich. Oft ist eine Therapie notwendig, die an mehreren Eckpunkten ansetzt – medikamentös, psycho- und sozialtherapeutisch. 

Spezielle Institutionen, Einrichtungen und Therapeutinnen/Therapeuten sind auf die Behandlung von Alkoholabhängigkeit ausgerichtet und unterstützen dabei, ein Leben ohne Alkohol zu führen. Dafür kann ein stationärer Aufenthalt notwendig sein, aber auch die Nutzung ambulanter Angebote ist möglich.

Welche Therapieformen oder -methoden erforderlich sind und welche Maßnahmen zusätzlich gesetzt werden, empfiehlt die Ärztin/der Arzt abhängig von den Bedürfnissen der Patientin/des Patienten.

Therapie verläuft in Phasen

Die Behandlung erfolgt in mehreren Phasen:

  • Kontakt- und Motivationsphase: Durch Gespräche, Aufklärung und Beratung wird zum Thema Alkoholkonsum und über seine Risiken informiert. Ziel ist es unter anderem, den Alkoholkonsum zu reduzieren und die Eigenverantwortung zu stärken sowie weitere therapeutische Schritte festzulegen. Bei einem sehr hohen Alkoholkonsum kann auch eine Aufnahme in einer Notfallambulanz bzw. in einem Krankenhaus notwendig sein (z.B. bei einer Alkoholvergiftung). Besonders wichtig für den Therapieerfolg ist die Bereitschaft der Patientin/des Patienten, die Therapie zu machen – d.h. die Betroffenen erkennen nicht nur ihr Alkoholproblem, sondern nehmen auch Hilfe an. Manchmal sind die Folgekrankheiten ausschlaggebend für einen Arztbesuch und einen Therapiebeginn.
  • Entgiftungsphase: In dieser Phase soll der Organismus soweit von Alkohol „entwöhnt“ werden, dass nach der Entgiftungsphase kein Alkohol mehr gebraucht wird. Neben der Anpassung des Körpers an ein alkoholfreies Leben steht das Vorbeugen von Entzugserscheinungen im Vordergrund. Treten Entzugserscheinungen mit Komplikationen auf (wie Krampfanfällen, Delirium tremens), kann eine medizinische Behandlung erforderlich werden. Dies erfolgt oftmals in stationären Einrichtungen. Der „kalte Entzug“ erfolgt ohne medikamentöse Unterstützung. In der Regel wird ein „warmer Entzug“ durchgeführt, bei dem die Entzugserscheinungen medikamentös behandelt werden (meist durch die Gabe von Benzodiazepinen in ausschleichender Dosierung sowie zusätzlich eventuell durch Vitamin-B1-Präparate und/oder Antiepileptika).
  • Entwöhnungsphase: Auf die Entgiftungsphase folgt – in einer Fachklinik oder auch ambulant – die Entwöhnungsphase. Dabei wird gelernt, ein Leben ohne Alkohol zu führen. Oft müssen Verhaltensmuster erkannt und Lösungen erarbeitet werden – z.B. Problemlösungsstrategien. Wesentlich ist in dieser Zeit, Ressourcen zu finden bzw. wiederzuentdecken, die eigenen Lebenskräfte zu stärken, um langfristig ein erfülltes Leben ohne Alkohol führen zu können. Außerdem ist es wichtig, persönliche Auslöser für den Alkoholkonsum zu erkennen. Verschiedene therapeutische Angebote (wie psycho- und sozialtherapeutische), Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen, Entspannungsmethoden etc. können dabei helfen. Weitere Informationen finden Sie unter Psyche: Hilfe & Unterstützung.
  • Nachsorgephase: Um die Abstinenz langfristig halten zu können, das Rückfallrisiko zu reduzieren und die soziale Wiedereingliederung zu erleichtern, ist bei einer Alkoholabhängigkeit eine ambulante Nachbetreuung in speziellen Einrichtungen bzw. in Zusammenarbeit mit der Hausärztin/dem Hausarzt notwendig. Umfangreiche Unterstützung ist in dieser Zeit besonders wichtig. Weitere therapeutische Maßnahmen, z.B. im Falle von psychischen Störungen, zählen ebenfalls zur Nachsorgephase.

Medikamentöse Unterstützung kann mitunter auch während der gesamten Therapiezeit oder nach dem Entzug notwendig sein – die Ärztin/der Arzt entscheidet im Einzelfall über die therapeutischen Maßnahmen. Zudem werden mögliche, bereits bestehende organische Probleme (z.B. Schädigung der Leber) berücksichtigt. Bei der Behandlung einer Abhängigkeit spricht man auch von Entzugsbehandlung. Eine Akutbehandlung mittels suchtpsychiatrischen / -medizinischen Maßnahmen wird als „Qualifizierte Entzugsbehandlung“ bezeichnet.

Das Alkoholentzugssyndrom

Das Gehirn gewöhnt sich mit der Zeit an die regelmäßige hohe Alkoholdosis. Wird bei einer Alkoholabhängigkeit die andauernde Alkoholaufnahme plötzlich unterbrochen, kann dies Entzugssymptome hervorrufen. Es kommt zu Fehlregulationen mit teils schwerwiegenden Folgen.

Das Entzugssyndrom beginnt ungefähr fünf bis zehn Stunden nachdem der Alkoholspiegel im Blut abgesunken ist und geht etwa ab dem vierten, fünften Tag wieder zurück. Nach etwa 48 bis 72 Stunden erreicht das Syndrom seinen „Gipfel“. Eine medizinische Behandlung des Alkoholentzugssyndroms ist möglich.

Häufige Symptome:

  • Tremor (Zittern der Hände)
  • Unruhe
  • Angst
  • Übelkeit, Durchfall
  • Schlafstörungen
  • Anstieg von Puls- und Atemfrequenz
  • Schwitzen
  • Fieber

Das Syndrom kann mit oder ohne Delirium ablaufen. Ein Entzugssyndrom mit Delirium wird auch als Delirium tremens (Alkoholdelir) bezeichnet. Typische Anzeichen vor Eintreten eines solchen sind Schlafstörungen, Zittern und Angst. Es kommt zu Bewusstseinstrübung und Verwirrtheit, zu Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen, „Weiße-Mäuse-Sehen“), starkem Zittern, Wahnvorstellungen, Unruhe und Übererregbarkeit (z.B. Herzjagen).

Hinweis Das Delirium tremens kann lebensbedrohlich sein und bis zum Koma oder sogar Tod führen. Es ist ein medizinischer Notfall, der behandelt werden muss.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Behandlung erfolgt meist in spezialisierten stationären Einrichtungen. Auch ambulante Einrichtungen können Ansprechpartner sein (z.B. bei der Nachsorge). Außerdem können die Hausärztin/der Hausarzt sowie Ärztinnen/Ärzte verschiedener Fachrichtungen (z.B. für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie und Neurologie) sowie Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten in den Therapieprozess involviert sein.

Ärztinnen/Ärzten, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten, ambulante wie stationäre Behandlungs- und Beratungsmöglichkeiten etc. finden Sie über die diversen Suchen unter Beratung, Downloads und Tools. Zudem informiert das Handbuch Alkohol über alkoholbezogene Hilfs- und Behandlungsangebote.

Hier erhalten Sie die Informationen zum Suchthilfekompass in Gebärdensprache.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Therapie einer Alkoholabhängigkeit werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen (inklusive Psychotherapie) findet auch in spezialisierten stationäre Einrichtungen (z.B. entsprechende Kliniken, Abteilungen in Krankenhäusern) statt, die Verträge mit den Krankenversicherungsträgern abgeschlossen haben. Die Nachsorge kann in spezialisierten ambulanten Einrichtungen oder bei der Hausärztin/dem Hausarzt erfolgen. Für diese Behandlungsfälle werden im Regelfall die Kosten zur Gänze übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen/ Psychotherapeuten) kann u.a. ein Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger gestellt werden. Weitere Informationen dazu sowie zur Kostenübernahme erhalten Sie unter Leistungen & Kosten.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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