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Schwangere Frau isst Salat © nd3000

Schwangerschaftsdiabetes: Therapie & Verlauf

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) gehört zu den häufigsten Komplikationen während der Schwangerschaft. Eine Umstellung der Ernährungs- und der Bewegungsgewohnheiten sind die wichtigsten Maßnahmen nach der Diagnosestellung. Zusätzlich kann eine Behandlung mit Insulin notwendig sein.
 
Mit den entsprechenden Maßnahmen verläuft die Schwangerschaft in den meisten Fällen unkompliziert.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Die Schwangeren messen in der Regel den Blutzucker nüchtern und eine Stunde nach Beginn der Hauptmahlzeiten, in der Regel daher viermal am Tag. Der Nüchternblutzucker sollte unter 95 mg/dl, jener nach den Mahlzeiten unter 140 mg/dl liegen. Gelegentlich können auch niedrigere Zielwerte vereinbart werden, z.B. wenn das Kind für den Zeitpunkt der Schwangerschaft zu groß ist. Der erste und wichtigste Schritt nach Feststellen eines Schwangerschaftsdiabetes ist eine entsprechende Umstellung der Lebensgewohnheiten. Sowohl der Ernährungsstil als auch das tägliche Bewegungspensum sollten optimiert werden, so weit die Schwangerschaft es zulässt. In vielen Fällen reichen diese Maßnahmen schon aus, um den Blutzuckerspiegel zu normalisieren, und es wird keine Insulintherapie benötigt.

In speziellen Schulungen und mit der Unterstützung von Ernährungsberaterinnen/-beratern, der Frauenärztin/dem Frauenarzt sowie der Hebamme werden individuelle Programme erstellt und Ziele festgelegt. In den Schulungen lernen die betroffenen Frauen zudem, ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig selbst zu messen und zu kontrollieren.

Mehr zum Thema: Diabetes: Lebensstil & Therapie

Bewegung

Beispiele für effektive Maßnahmen sind etwa ein täglicher schneller Spaziergang von rund 30 Minuten Dauer, moderates Krafttraining mindestens dreimal die Woche, z.B. mit einem elastischen Band, oder auch Tanzen, Aerobic und Schwimmen. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität dabei hilft, die Insulinsensitivität der Zellen zu verbessern und damit den Blutzuckerspiegel zu senken. Auch das Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, wird reduziert. Nicht zuletzt konnten auch positive Effekte auf die Gesundheit des ungeborenen Kindes (geringeres Geburtsgewicht) festgestellt werden.

Ernährung

Im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung werden die bisherigen Ess- und Trinkgewohnheiten analysiert und entsprechende Umstellungen vorgenommen. Die Zielwerte (Blutzuckerwert, Körpergewicht, maximale Gewichtszunahme etc.) werden gemeinsam mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt festgelegt.

Allgemein gelten für die Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes folgende Empfehlungen:  

Die Empfehlungen gelten als Richtwerte und werden individuell entsprechend angepasst (z.B. je nach Körpergewicht, eventuellen Begleiterkrankungen, Schwangerschaftsverlauf etc.). Die Grundzüge gesunder Ernährung – viele Vollkornprodukte, viel frisches Obst und Gemüse, Wasser statt Softdrinks etc. – sollten auch für jede Schwangere die Basis bilden.

Medikamentöse Therapie

Wenn der Blutzucker durch Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichend gesenkt werden kann bzw. wenn er bestimmte Grenzwerte übersteigt, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Das Mittel der ersten Wahl ist Insulin. Es gelangt – im Gegensatz zu Zucker – nicht in den Kreislauf des Kindes, da es die Plazenta nicht passieren kann. Das verabreichte Insulin entfaltet lediglich bei der Mutter seine Wirkung und senkt den Blutzuckerspiegel. Dadurch geht in weiterer Folge auch weniger Zucker in den kindlichen Kreislauf über.

Das Insulin wird von der Schwangeren selbst unter die Haut gespritzt. Durch die Anwendung von Stechhilfen (Pens) ist die Verabreichung nahezu schmerzlos. In speziellen Schulungen wird der Umgang erlernt.

Das gebräuchlichste Therapieschema ist die sogenannte intensivierte Insulintherapie (ICT). Dabei wird der Basisbedarf an Insulin mit einem langwirksamen Insulin abgedeckt, das z.B. morgens oder auch mehrmals täglich gespritzt wird. Zusätzlich wird zu den Mahlzeiten ein kurzwirksames Insulin verabreicht, um die hohen Blutzuckerspitzen nach dem Essen abzufangen. Die Dosis der einzelnen Injektionen muss an die jeweilige Situation angepasst und jedes Mal berechnet werden, auch das wird in den Schulungen erlernt.

In Einzelfällen, v.a. bei starkem mütterlichem Übergewicht, kann eine Behandlung mit Metformin eine Alternative oder einen Zusatz zur Insulingabe darstellen. Metformin gehört zur Gruppe der oralen Antidiabetika und wird in Tablettenform eingenommen. Der Einsatz in der Schwangerschaft ist relativ gut untersucht, in verschiedenen Studien konnte im Vergleich mit Insulin kein schädlicher Effekt auf das ungeborene Kind nachgewiesen werden. Allerdings ist Metformin für den Gebrauch in der Schwangerschaft nicht offiziell zugelassen. Wenn die Ärztin/der Arzt es dennoch vorschlägt, spricht man von einem sogenannten Off-label-Gebrauch. Die Ärztin/der Arzt muss darüber genau informieren.

Mehr zum Thema: Medikamentöse Therapie bei Diabetes

Wie ist der weitere Verlauf?

Mit den entsprechenden Maßnahmen verläuft die Schwangerschaft in den meisten Fällen unkompliziert. Es werden jedoch vermehrt Kontrolluntersuchungen durchgeführt, z.B. regelmäßige Kontrollen des Blutzuckerspiegels, Harnuntersuchungen, Blutdruckmessungen sowie Gewichtskontrollen. Auch Ultraschalluntersuchungen sowie CTG-Kontrollen in der späteren Schwangerschaft werden unter Umständen häufiger durchgeführt, um mögliche gesundheitliche Probleme beim ungeborenen Kind rechtzeitig zu erkennen.

Anhand der Ergebnisse der Untersuchungen werden die bevorzugte Art der Entbindung sowie der ideale Geburtszeitpunkt festgelegt; in einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Geburt ein wenig früher einzuleiten. Die Geburt sollte in jedem Fall in einem Krankenhaus mit angeschlossener Kinderabteilung (Neonatologie) stattfinden.

Bei einem insulinpflichtigen Diabetes sollte während der Geburt im Abstand von zwei Stunden der Blutzucker gemessen werden. Wehen verbrauchen viel Energie, eine Insulingabe ist im Verlauf der Geburt nur selten nötig. Generell gilt: mit dem Einsetzen der Wehen wird die Insulinbehandlung beendet. Der Blutzuckerspiegel wird in den nachfolgenden Tagen mehrfach gemessen und kontrolliert. Ist er weiter erhöht, besteht der Verdacht auf Typ-2-Diabetes.

Bei Schwangerschaftsdiabetes sollte sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung der orale Glukosetoleranztest wiederholt werden, um zu überprüfen, ob sich der Zuckerstoffwechsel normalisiert hat.

Auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung sowie eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht sollte auch nach der Schwangerschaft geachtet werden. So kann das Risiko für das spätere Auftreten eines Typ-2-Diabetes bzw. eines weiteren Gestationsdiabetes in einer nachfolgenden Schwangerschaft reduziert werden. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird zudem empfohlen zu stillen, sofern es möglich ist. Denn Studien haben gezeigt, dass auch Stillen das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes verringern kann. 

Wohin kann ich mich wenden?

Die Betreuung und Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes erfolgt durch eine Fachärztin/ einen Facharzt für Gynäkologie bzw. für Innere Medizin. Zusätzlich können Ernährungsberaterinnen/Ernährungsberater bei der Anpassung der Ernährungsgewohnheiten helfen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnosemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.


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