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Symbolfoto Blutzuckermessung © Photographee.eu

Diabetes: Ernährung bei Insulintherapie

Um Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu vermeiden und eine stabile Blutzuckereinstellung zu erreichen, hilft es insulinpflichtigen Diabetikerinnen und Diabetikern, den Kohlenhydratanteil der Ernährung (Broteinheiten, BE) zu berechnen und den Blutzucker nach dem Essen zu kontrollieren . . .

Abhängig von der Art der Therapie ist eine zeitliche und mengenmäßige Regelung der Mahlzeiten erforderlich. Bei der Basis-Bolus-Insulintherapie etwa können Zeitpunkt, Menge sowie Zusammensetzung der Mahlzeiten individuell sehr flexibel gestaltet werden. Um beurteilen zu können, wie sehr eine Mahlzeit den Blutzuckerspiegel hebt, ist es hilfreich, den Wert der Broteinheiten (BE) schätzen zu können.

Als Broteinheiten zu berechnen sind:

  • Getreide und Getreideprodukte,
  • Beilagen wie Reis, Teigwaren, Erdäpfel, Knödel, Nockerl etc.,
  • Zuckermais,
  • Obst: Empfehlung maximal zwei Stück pro Tag (Vorsicht mit größeren Obstmengen bei Übergewicht),
  • Obsterzeugnisse (Marmelade, Kompotte),
  • Obst- und Gemüsesäfte: Obstsäfte und Limonaden vermeiden, da sie einen sehr schnellen Blutzuckeranstieg bewirken,
  • flüssige Milchprodukte wie Milch, Joghurt etc.,
  • Zucker und Zuckeraustauschstoffe,
  • Süßigkeiten (laut Etikett).

Anmerkung: Alle flüssigen Milchprodukte werden mit 250 Milliliter für eine BE berechnet.

Folgende Lebensmittel müssen nicht in Broteinheiten berechnet werden:

  • Gemüse und Salate (Ausnahme: Zuckermais),
  • Hülsenfrüchte,
  • Pilze,
  • Nüsse,
  • Fisch, Fleisch, Wurst,
  • Käse, Topfen, Butter
  • Eier,
  • Margarine, Öle sowie
  • Süßstoffe (Acesulfam K, Aspartam, Cyclamat, Neohesperidin DC, Saccharin, Thaumatin).

Als Hilfsmittel zur Beurteilung des Kohlenhydratanteils hat sich die sogenannte Broteinheiten-(Austausch-)Tabelle bewährt.

Hinweis Eine Broteinheit entspricht zehn bis zwölf Gramm Kohlenhydraten.

Weitere Auswirkungen auf den Blutzucker

Allerdings gibt die Broteinheit nur den enthaltenen Kohlenhydrat-Gehalt eines Lebensmittels an. Die Broteinheit sagt jedoch nichts über die glykämische Wirkung aus (wie schnell die Kohlenhydrate verdaut und zu Traubenzucker abgebaut werden und somit den Blutzucker erhöhen). Gemischte Mahlzeiten (mit Fett und Eiweiß) lassen den Blutzucker deutlich langsamer ansteigen als kohlenhydrat-lastige Speisenzusammensetzungen. Zudem ist die Konsistenz der Speisen für den Blutzuckeranstieg wesentlich verantwortlich. So erhöht z.B. Apfelmus den Blutzucker schneller als ein Apfel am Stück gegessen. Auch der Reifegrad spielt bei Obst eine wesentliche Rolle. Je reifer das Obst, um so höher ist die glykämische Antwort.

Weitere Faktoren, die eine wesentliche Rolle auf den Blutzucker Anstieg ausüben:

  • Häufigkeit der Nahrungsaufnahme
  • Ballaststoffgehalt
  • Temperatur der Speisen
  • zugeführte Getränke
  • körperliche Aktivität vor dem Essen
  • ev. bestehende diabetische Gastroparese (Magenlähmung)
  • individuelle Schwankungen (Tageszeit, Essgeschwindigkeit etc.)
  • Medikamente, die die Magenentleerung verzögern

Broteinheiten-Tabelle

Hier finden Sie eine kleine exemplarische Auswahl kohlenhydrathaltiger Lebensmittel und deren Broteinheiten. Bei bestehender Insulintherapie werden umfangreiche Broteinheiten-(Austausch-)Tabellen von Ärztin/Arzt oder Diaetologin/Diaetologen empfohlen.

Lebensmittel 1 BE entspricht (in g) Schätzhilfe
Haferflocken 20 2 gehäufte EL
Müsli ohne Zucker 20 2 EL
Mischbrot 25 ½ Scheibe
Nudeln, gekocht 50 2 gehäufte EL
Reis weiß +
Naturreis, gekocht
50 2 gehäufte EL
Erdapfel 70 1 mittelgroßer
Joghurt (natur) 250 ¼ Liter
Apfel 100 1 kleiner
Banane geschält 60 ½ normale
Gemüse muss nicht berechnet werden Ausnahme: Zuckermais
Zuckermais, roh 70 3 ½ EL
Schokolade 20 4 bis 5 Stück
Quelle: Broteinheiten Austauschtabelle (Auflage 2015), Verband der Diaetologen Österreichs

Von speziellen Diabetes- oder Diätprodukten mit Fruktose oder anderen energiehaltigen Zuckerersatzstoffen wie Sorbit, Isomalt oder Maltit ist abzuraten, da sie keinen Nutzen bieten. Energiefreie Süßstoffe hingegen (z.B. Acesulfam K, Aspartam, Cyclamat, Neohesperidin DC, Saccharin und Thaumatin) sind für die Diabetikerin/den Diabetiker geeignet, insbesondere in Getränken.

Hinweis Viele als „für Diabetiker geeignet“ beworbene Produkte bringen keine Vorteile in der Ernährung der Betroffenen. Oft sind der Energie- und Fettgehalt sehr hoch. Auch der Preis solcher Produkte ist teils überdurchschnittlich hoch.

Vorgehen bei Unterzuckerungen

Vom Auftreten einer akuten Unterzuckerung (Hypoglykämie, Blutzucker unter 60 mg/dl) sind vorrangig Diabetikerinnen und Diabetiker betroffen, die

  • unter Insulintherapie stehen oder
  • Medikamente einnehmen, die die Insulinausschüttung direkt steigern (z.B. Sulfonylharnstoffe, Glinide).
Um Unterzucker erfolgreich zu bekämpfen, sollten unmittelbar schnell wirksame Kohlenhydrate aufgenommen werden (Blutzucker unter 60 mg/dl -> 1 BE, unter 40 mg/dl -> 2 BE).

Gegen Unterzuckerungen eignen sich:

  • Traubenzucker (2 quadratische Blättchen = 1 BE),
  • Fruchtsäfte und Limonaden (100 ml = 1 BE),
  • Haushaltszucker (3 Stück Würfelzucker = 1 BE) oder
  • Sirup (15 ml = 1 BE).
Nach Bekämpfung der ersten schweren Unterzuckerungssymptome sollte ein Stück Brot oder Obst gegessen bzw. die nächste Mahlzeit vorgezogen werden. Dananch soll der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden.

Hinweis Schokolade, Diätprodukte oder Lightlimonaden sind nicht zur Behandlung von Unterzuckerungen geeignet.


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