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Bärtiger junger Mann schreit © djedzura

Tics und Tourette-Syndrom: Was ist das?

Tics sind nicht einfach Marotten oder nervöse Bewegungen, sie sind organisch bedingte Bewegungsstörungen. Aufgrund der Symptomatik werden sie jedoch psychiatrischen Erkrankungen zugeordnet. Generell unterscheidet man einfache (etwa Hüsteln, Räuspern, Blinzeln) von komplexen Tics (beispielsweise Ausrufen von Wörtern, Imitieren von Bewegungen). Entgegen weit verbreiteter Meinungen sind das Rufen von Schimpfwörtern und obszöne Gesten sehr selten.

Tics – mehr als ein „Splen“

Leidensdruck entsteht vor allem bei schweren Tics durch diese selbst, unpassende Rückmeldungen der Umgebung und die häufigen psychischen Begleiterkrankungen. Tics sind meist gut behandelbar. Nicht jede Ticstörung benötigt medikamentöse Therapie. Tics werden meist als unkontrollierbar erlebt, lassen sich aber mit Anstrengung für eine bestimmte Zeit unterdrücken. Unter Stress können sie stärker werden, während sie im entspannten Zustand und im Schlaf seltener und weniger heftig auftreten. Motorische Tics sind im Prinzip normale Bewegungsmuster, die wiederholt bzw. in Serie auftreten und nicht zur Situation passen.Tics schwanken im Tages- und Jahresverlauf sowohl in der Intensität als auch in der Frequenz: sie sind vormittags geringer, zu Mittag und am Abend stärker.

Jahreszeitlich schwanken sie mit dem Schuljahr, wobei es drei Höhepunkte gibt:

  • zu Schuljahresbeginn,
  • am Ende des 1. Semesters und,
  • am Ende des 2. Semesters.

Es gibt unterschiedliche Schweregrade von leicht bzw. kaum bemerkbar bis schwer und deutlich auffällig sowie behindernd. Auch symptomfreie Intervalle können vorkommen. Häufige Begleiterkrankungen bzw. -störungen sind ADHS (60 bis 90 Prozent), Zwangserkrankungen, Angststörungen und Depressionen. Diese beeinträchtigen die Betroffenen oft mehr als die Tics selbst.

Das Tourette-Syndrom

Treten motorische und vokale Tics wenigstens ein Jahr lang auf, spricht man auch vom Tourette-Syndrom. Diese chronischen Tics werden nach dem französischen Neurologen, Gilles de la Tourette, benannt. Dieser beschrieb 1895 neun Patienten mit den genannten Beschwerden. Der Erstbeschreiber war allerdings eigentlich Jean Marc Gaspard Itard – etwa 60 Jahre früher.

Gekennzeichnet ist das Tourette-Syndrom durch das Auftreten von einfachen oder komplexen motorischen und vokalen Tics. Muskelzuckungen treten vor allem im Kopfbereich und im Bereich der oberen Extremitäten auf. Diese führen u.a. zu:

  • Blinzeln,
  • Mundaufreißen,
  • rasches Kopfwenden,
  • ausfahrende Bewegungen.

Zudem kommen Schniefen, Hüsteln, das Ausstoßen einzelner Vokale oder unpassender Wörter, Wortwiederholungen oder ganzer Sätze vor.

Weitere Ticstörungen

Vom Tourette-Syndrom werden – vor allem im Kindesalter – die chronisch-motorische Ticstörung (CMT) sowie die transiente (vorübergehende) Tic-Störung abgegrenzt. Bei der CMT fehlen die vokalen Tics, sonst ist sie nicht vom Tourette-Syndrom zu unterscheiden. Die transiente Tic-Störung kann meist (mild ausgeprägte) motorische und vokale Symptome aufweisen, die jedoch maximal ein Jahr andauern.

Ursachen von Tics

Als Ursache von Ticstörungen werden Probleme in bewegungsunterdrückenden Regelkreisen, die vor allem das Stammhirn betreffen, angenommen. Bildgebende Verfahren (z.B. MRT, PET, SPECT) konnten ein verringertes Volumen des Nukleus caudatus (Teil der Basalganglien) und benachbarter Strukturen nachweisen. Ferner werden Probleme in der durch die Botenstoffe Dopamin- bzw. Serotonin vermittelten zentralen Steuerung vermutet.

Ticerkrankungen liegt zudem eine genetische Ursache zugrunde. Allerdings ist nicht geklärt, welche Gene betroffen sind. Auch spontane Mutationen können vorkommen. Das Risiko, bei bestehender familiärer Belastung zu erkranken, liegt bei ungefähr zehn bis 20 Prozent. Allerdings kann bislang kein genetischer Test voraussagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung ist. Auch andere Belastungen wie der Einfluss des Immunsystems oder von Infektionen werden diskutiert.

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