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Mann legt sich beide Hände auf Kopf © Sergey Nivens

Schizophrenie: Diagnose & Therapie

Schizophrenie verläuft meist in Episoden. Gesunde wechseln sich mit kranken Abschnitten ab. Die Behandlung konzentriert sich auf medikamentöse und psychosoziale Maßnahmen wie etwa Psycho- und Soziotherapie.

Frühe Warnsignale

Der eigentlichen Erkrankung geht meist ein mitunter jahrelanges Stadium voraus, in dem bereits Veränderungen wahrnehmbar sind (Prodromalphase). Zu frühen Symptomen, die auf Schizophrenie hindeuten können, gehören:

  • Leistungsschwäche,
  • depressive Stimmung,
  • Nervosität bis hin zur Übererregtheit,
  • Schlafstörungen,
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen,
  • Antriebslosigkeit,
  • sozialer Rückzug,
  • Hören von Stimmen, die für andere nicht wahrnehmbar sind (akustische Halluzinationen),
  • ungewöhnliche, nicht nachvollziehbare Denkmuster,
  • sich verfolgt oder hintergangen zu fühlen,
  • Verwirrtheit.

Hinweis Die genannten Symptome sind sehr unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Sie sind weniger ausgeprägt und unregelmäßiger als bei der manifesten Erkrankung. Daher ist es wichtig, diese bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Psychiatrie abzuklären.


Betroffene haben zudem das Gefühl, nicht mehr „der zu sein, der man immer war“. Die Persönlichkeitsveränderungen werden auch vom sozialen Umfeld wahrgenommen. Zu den weiteren Symptomen zählen andere Formen von Halluzinationen (z.B. nicht vorhandene Dinge oder Personen sehen, nicht wahrnehmbare Gerüche riechen etc.) oder Wahnvorstellungen (etwa verfolgt zu werden, von außenstehenden Mächten wie Außerirdischen beeinflusst und wie ferngesteuert in Denken, Fühlen und Handeln zu sein).

Der Umgang mit Gefühlen ist für Betroffene meist schwierig. Es fällt ihnen auch schwer, die Emotionen anderer Menschen nachzuvollziehen. Viele schämen sich aufgrund ihrer Symptomatik und haben Angst, für „verrückt“ gehalten zu werden. Denkstörungen können das Alltagsleben teils massiv beeinträchtigen. Die Fähigkeit, Aufgaben oder Tätigkeiten zu planen sowie die dafür notwendige Motivation, vermindern sich.

Diagnostik der Schizophrenie

Die International Classification of Diseases (ICD-10) gibt Klassifikationskriterien vor, die die Diagnose einer Schizophrenie begründen. Andere Störungen, die der Erkrankung ähnlich sind (z.B. schizotype Persönlichkeitsstörung, vorübergehende psychotische Störung oder organische Erkrankungen wie etwa des Gehirns), müssen ausgeschlossen werden. Die Fachärztin/der Facharzt für Psychiatrie führt zunächst ein Gespräch, bei dem die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben und der psychische Zustand untersucht wird.
Es erfolgt eine körperliche und neurologische Untersuchung. Gegebenenfalls wird auch eine psychologische Testung vorgenommen. Zudem werden Blutwerte bestimmt und ein CT oder MRT des Gehirns durchgeführt. Besteht der Verdacht auf eine Infektionserkrankung, die zu ähnlichen Symptomen führen kann, werden weitere Untersuchungsmethoden herangezogen, z.B. spezielle Laborabklärungen, EEG etc.

Therapiemöglichkeiten

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen vor allem Medikamente, Psycho- sowie Soziotherapie. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser. Medikamente erster Wahl sind sogenannte Antipsychotika (Neuroleptika). Weiters können begleitend Benzodiazepine als Beruhigungsmittel (nur kurzfristig) und Antidepressiva zur Anwendung kommen. Die Ärztin/der Arzt klärt über Nebenwirkungen auf. Während der medikamentösen Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig, z.B. Gewicht, Motorik sowie Labor- und Blutdruckkontrollen. Die Psychotherapie umfasst auch Psychoedukation (das Verständnis für die Störung fördern und z.B. den Bezug zum Alltag erläutern) sowie Verhaltensänderung und bezieht idealerweise auch die Familie bzw. das soziale Umfeld mit ein.

Unter Soziotherapie versteht man das (Wieder-)Erlernen sozialer Fertigkeiten, Sicherstellung sozialer Grundbedürfnisse (wie Versorgung, Wohnraum etc.)  sowie Rehabilitation – auch im Arbeitsumfeld. Andere Therapiemethoden wie etwa Ergotherapie und Physiotherapie können mit einbezogen werden.

Ist eine Behandlung im Krankenhaus (stationär, ambulant oder in einer Tagesklinik) notwendig, erfolgt diese in multiprofessionellen Teams (Ärztinnen/Ärzte, Psychologinnen/Psychologen, Psychiatrischer Krankenpflegedienst etc.). Bei starken Erregungszuständen oder Eigen- sowie Fremdgefährdung (z.B. durch Aggressivität) sind auch Notfallmaßnahmen und eventuell gerichtliche Unterbringungen notwendig.
Psychosoziale Einrichtungen, z.B. die psychosozialen Dienste, helfen Betroffenen und Angehörigen, den Alltag zu meistern, und nehmen eine wichtige Funktion in der Krankenversorgung ein.

Die Behandlung der Schizophrenie erfordert viel Fachwissen und Erfahrung. Sie ist oft ein steiniger Weg, der von der schwierigen Diagnosestellung bis hin zur Suche nach der optimalen individuellen Therapie reicht. Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Motivation von Angehörigen und Betroffenen zur Mitarbeit im Behandlungsprozess.

Prognose

Siebzig bis achtzig Prozent aller Ersterkrankten erholen sich bei früher und adäquater Behandlung innerhalb von drei bis sechs Monaten von der Erkrankung. Sechzig bis achtzig Prozent erleiden keinen Rückfall, wenn sie im Rahmen einer Langzeitbehandlung Antipsychotika einnehmen. Ist eine oder sind mehrere weitere psychische Erkrankungen (z.B. Suchterkrankung, Depression) vorhanden, gestaltet sich die Behandlung komplexer und die Prognose kann sich verschlechtern. Etwa ein Drittel der Betroffenen spricht schlecht oder kaum auf die Therapie an und bedarf lebenslanger medizinischer und sozialer Unterstützung.

Was kann ich als Angehöriger in Krisen tun?

Kommt es zu einer psychiatrischen Krise (kompletter Realitätsverlust, massive Bewegungsstörungen, starke Aufgeregtheit, Zeichen für Selbst- oder Fremdgefährdung etc.) oder starken Nebenwirkungen von Medikamenten, kontaktieren Sie umgehend die Behandler, oder wenn diese nicht erreichbar sind, die Rettung unter 144. Woran Sie eine psychiatrische Krise erkennen, können Sie in der Broschüre „Psychiatrische Krisen. Erkennen – Behandeln – Vorbeugen“ des HPE nachlesen. Zu Nebenwirkungen von Medikamenten informiert die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt bzw. die Apothekerin/der Apotheker.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer Schizophrenie zu leiden, oder möchten Sie jemandem aus Ihrer Umgebung helfen, ist die Fachärztin/der Facharzt für Psychiatrie für Sie die Anlaufstelle erster Wahl. Sie können auch zuerst ein Gespräch mit der Allgemeinmedizinerin/dem Allgemeinmediziner führen. Diese/dieser leitet dann weitere Schritte ein. Für Jugendliche unter 18 Jahren stehen auch spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiaterinnen/Jugendpsychiater zur Verfügung.
Unter Services, Links und Broschüren finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche sowie Suche nach Selbsthilfegruppen (auch für Angehörige).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co: So werden Medikamentenkosten abgedeckt. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine komplette Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Service-Suche.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherungsträger. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden.

Informationen zur Rehabilitation finden Sie unter Reha & Kur.

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