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Arzt sitzt an Tisch mit Brille, Schreibunterlagen und Stethoskop © psphotography

Magersucht: Diagnose & Therapie

Häufig erfolgt die ärztliche Abklärung einer Magersucht (Anorexia nervosa) auf Druck der Angehörigen (Eltern, Erziehungsberechtigte). Besorgte Bezugspersonen stehen meist Betroffenen gegenüber, die ihre Krankheit abstreiten, was zu entsprechend krisenhaften Situationen und Spannungen führen kann. Trotzdem ist eine möglichst frühe Abklärung der Erkrankung wesentlich. Bei erwachsenen Betroffenen ist die Unterstützung der Partnerinnen/Partner bedeutend. Die Therapie ist umfassend . . .

Diagnose einer Anorexia nervosa

Bei Verdacht auf eine Essstörung führt die Ärztin/der Arzt ein Gespräch, nimmt eine sorgfältige körperliche Untersuchung vor und holt verschiedene Befunde ein:

  • Anamnese & körperliche Untersuchung. Die Ärztin/der Arzt ermittelt u.a. Körpergewicht und Körpergröße und bewertet den BMI bei Erwachsenen bzw. Perzentilkurven/BMI bei Kindern und Jugendlichen. Zudem macht sie/er sich ein Bild vom Essverhalten, sozialen Umfeld und der psychischen Verfassung der Patientin/des Patienten. Dazu führt sie/er eine ausführliche Anamnese durch. Diese beinhaltet u.a. Fragen zu Essgewohnheiten, Erbrechen, Verstopfung, Zyklusauffälligkeiten, Bewegungsverhalten und Medikamenteneinnahme, Alkohol- und Drogenkonsum bis hin zu ev. selbstverletzendem Verhalten sowie Suizidversuchen u.v.m.
  • Abklärung von Erkrankungen. Mögliche weitere Erkrankungen und Komplikationen werden abgeklärt – wie etwa Malabsorptionssyndrom, Ösophagitis (Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre), Sprue (Zöliakie), Morbus Crohn, Osteomalazie, schwere Obstipation (Verstopfung) und hypertrophe Osteoarthropathie, hormonelle Erkrankungen wie Hyperthyreose, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen und psychiatrische Erkrankungen oder ein eventueller Drogenkonsum.
  • Laboruntersuchungen. Im Zuge der Diagnose werden zudem verschiedene Laborwerte bestimmt, wie etwa Blutbild, Blutsenkung, Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff), Lipidstoffwechsel (Triglyceride und Cholesterin), Elektrolyte, Blutglukose, Amylase, Transaminase, Leberfunktionstest, Urinstatus, Gesamteiweiß und Albumin. Eine eventuelle Anämie wird abgeklärt. Hormone wie Wachstumshormon und Schilddrüsenhormone können ebenfalls bestimmt werden. Im individuellen Fall können auch weitere Werte erhoben werden. Informationen zu den jeweiligen Werten finden Sie unter Laborwerte-Tabelle.

Die Ärztin/der Arzt kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes vornehmen lassen und gegebenenfalls EKG, Gastroskopie und/oder CT anordnen.

Therapie einer Anorexia nervosa

Die Therapie einer Anorexia nervosa erfolgt einerseits durch eine medizinische Behandlung und andererseits durch Psychotherapie. Idealerweise ist eine enge Abstimmung zwischen den behandelnden Ärztinnen/Ärzten (verschiedener Fachrichtungen) sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vorhanden. Ein möglichst früher Behandlungsbeginn (kurzer Zeitraum zwischen Auftreten der Erkrankung und Behandlungsbeginn) verbessert die Prognose.

Ambulant, Tagesklinik oder stationär

Die Behandlung kann ambulant, in einer Tagesklinik sowie stationär erfolgen. Die Ärztin/der Arzt entscheidet im Einzelfall – abhängig von der körperlichen Verfassung sowie von sozialen und psychischen Faktoren – darüber, in welcher Form die Behandlung erforderlich ist. Eine psychotherapeutische Betreuung kann einzeln oder in Gruppen erfolgen. Sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen werden über die Erkrankung und deren Behandlung informiert und in die Behandlung mit einbezogen. Anfangs, aber auch während der gesamten Behandlung ist oftmals das Motivieren der Betroffenen zur Behandlung notwendig.

Durch die Therapie sollen Körpergewicht und Essverhalten normalisiert sowie psychische Probleme bewältigt werden. Auch Ernährungsinformation (Beratung) sowie Hilfe bei der Bewältigung des Alltags werden in die Therapie mit einbezogen. Unterstützung bei der Bewältigung von Entwicklungsprozessen und des Ablösungsprozesses Jugendlicher von zu Hause kann notwendig sein.
Außerdem müssen mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen behandelt werden.

Therapieüberwachung und Rückfallprophylaxe

Während der Therapie werden regelmäßige Untersuchungen zur Kontrolle des Verlaufes und zur Beurteilung von Komplikationen vorgenommen – z.B. durch Ermitteln des Körpergewichtes oder bestimmter Laborwerte. Zudem ist eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Entlassung notwendig. So können der Übergang zurück ins „normale Leben“ sowie Umgang und Verhalten bei einem Rückfall mit Betroffenen sowie deren Angehörigen besprochen werden.

In der Regel vergehen bis zur Heilung viele Monate oder auch Jahre. Im Lauf der Therapie kann es zu Therapieabbrüchen kommen. Unter Umständen werden außerdem Wohnmöglichkeiten und ein Auszug von zu Hause in eine therapeutische Wohngruppe, die auf die Betreuung von Essstörungen spezialisiert ist, angedacht bzw. durchgeführt.

Familiäres Umfeld

Der Familie bzw. engen Bezugspersonen kommt eine bedeutende Rolle zu. Entscheidend ist der Beitrag der Eltern in allen Phasen der Behandlung, von der Erkennung, Erstvorstellung bis zu intensiver Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team, um der Erkrankung adäquat zu begegnen.

Vor allem bei Kindern, aber auch bei jüngeren Jugendlichen übernehmen Eltern/Erziehungsberechtigte wichtige Entscheidungen und Aufgaben und müssen die Betroffene/den Betroffenen oftmals erst von einer Behandlung überzeugen, möglichst ohne dabei zu stark in deren Autonomie einzugreifen (vor allem bei Jugendlichen). Gleichzeitig ist es meist für Angehörige schwierig zu akzeptieren, dass sie nur relativ wenig helfen können. Vielen Angehörigen fällt es schwer, nicht permanent zu kontrollieren, jedoch interessiert am Therapieverlauf teilzuhaben. Es kann notwendig sein, im Laufe der Therapie Konfliktverhalten in der Familie, Abgrenzungsschwierigkeiten etc. anzusprechen – zum Beispiel durch eine Psycho-, Familien- oder Paartherapie (die auch Angehörige mit einbezieht). Weitere Infos finden Sie unter Essstörungen: Was Angehörige tun können.

Spezialisierte Beratungsstellen und Ambulanzen, Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten und von Psychologinnen/Psychologen finden Sie unter Essstörungen: Links & Downloads.

Medikamentöse Behandlung

Steht beispielsweise die Essstörung mit einer Depression in Zusammenhang, kann auch die Einnahme von Medikamenten verordnet werden (Psychopharmaka wie Antidepressiva). Auch eine Ergänzung fehlender Nährstoffe kann bei einer Anorexia nervosa notwendig sein.

Zwangsbehandlung

Im Idealfall wird die Behandlung mit Einverständnis der Betroffenen durchgeführt, werden Therapieziele besprochen und vereinbart – und eine gesunde, ausgewogene Ernährung wird angestrebt. Manchmal kann es notwendig sein, Maßnahmen zur Sicherstellung der ausreichenden Nahrungszufuhr zu setzen. Dies kann etwa durch Flüssigkostformen (Flüssignahrung) erreicht werden oder auch durch eine Ernährung mittels Sonde. Unter Umständen (in extrem seltenen Fällen) muss auch eine Zwangsbehandlung durchgeführt werden – z.B. wenn die Situation der Patientin/des Patienten lebensbedrohlich ist.

ZwangsbehandlungIm Idealfall wird die Behandlung mit Einverständnis der Betroffenen durchgeführt, werden Therapieziele besprochen und vereinbart – und eine gesunde, ausgewogene Ernährung wird angestrebt. Manchmal kann es notwendig sein, Maßnahmen zur Sicherstellung der ausreichenden Nahrungszufuhr zu setzen. Dies kann etwa durch Flüssigkostformen (Flüssignahrung) erreicht werden oder auch durch eine Ernährung mittels Sonde. Unter Umständen (in extrem seltenen Fällen) muss auch eine Zwangsbehandlung durchgeführt werden – z.B. wenn die Situation der Patientin/des Patienten lebensbedrohlich ist.

Wohin kann ich mich wenden?

Erster Ansprechpartner bei Erwachsenen ist oftmals die Hausärztin/der Hausarzt. Diese/dieser leitet gegebenenfalls Überweisungen in die Wege. In eine Therapie sind meist Ärztinnen/Ärzte verschiedener Fachrichtungen involviert. Bei Kindern und Jugendlichen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie erste Ansprechpartner. Auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können in den Diagnose- und Therapieprozess beteiligt sein.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der ärztlichen Untersuchung zur Abklärung einer Anorexia nervosa sowie der Behandlung werden normalerweise von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten) kann ein Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung gestellt werden. Die interdisziplinäre Behandlung von Essstörungen (inklusive Psychotherapie) findet auch in spezialisierten ambulanten Einrichtungen statt, die Verträge mit den Krankenversicherungsträgern abgeschlossen haben. Für diese Behandlungsfälle werden im Regelfall die Kosten zur Gänze übernommen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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