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E.-Coli-Bakterien © Gunnar Assmy

Nierenbeckenentzündung: Ursachen & Formen

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist die häufigste bakterielle Infektion der oberen Harnwege. Bei dieser Erkrankung können beide Nieren betroffen sein, zumeist kommt es jedoch nur innerhalb einer Niere zur Entzündung. Zumeist liegt der Nierenbeckenentzündung eine vorangegangene bzw. bestehende Blasenentzündung (Zystitis) zugrunde. Krankheitserregende Bakterien gelangen über die Harnröhre in die Harnblase und von dort über den Harnleiter in das Innere der Niere und sammeln sich im Nierenbecken (Pelvis renalis) . . .

Die Entzündung breitet sich häufig auch im umgebenden Nierengewebe (Parenchym) aus. Harnabflussstörungen haben zur Folge, dass sich Restharn bildet, der das Bakterienwachstum begünstigt. Selten geht der Infekt vom Blut in die Nieren über.

Formen einer Nierenbeckenentzündung

Man unterteilt die Nierenbeckenentzündung in unkomplizierte und komplizierte Formen. Liegen schwere systemische Entzündungsanzeichen vor, besteht eine Schwangerschaft bzw. Diabetes mellitus oder sind die Harnwege verlegt, muss mit einem komplizierten Verlauf gerechnet werden. Bei der akuten Nierenbeckenentzündung sind deutliche Schmerzen vorhanden. Bei unzureichender Behandlung kann sich die Erkrankung auch zu einer chronischen Nierenbeckenentzündung entwickeln.

Erreger einer Pyelonephritis

Der häufigste Erreger einer unkomplizierten Nierenbeckenentzündung ist das Darmbakterium Escherichia coli (kurz: E. coli), gefolgt vom Keim Staphylococcus saprophyticus. Bei komplizierten Formen zeigt sich ein breiteres Erregerspektrum, dennoch ist E. coli in den meisten Fällen der Auslöser.

Besonders gefährdete Risikogruppen

Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie und der kürzeren Harnröhre deutlich häufiger von einer Blasenentzündung und somit von einer Nierenbeckenentzündung betroffen. Auch bei Personen mit Diabetes mellitus, Blasenentleerungs- oder Harnabflussstörungen ist die Gefahr besonders hoch, eine derartige Entzündung in den Nieren zu entwickeln. In der Schwangerschaft ist durch die veränderte Lage und Funktion der Nieren sowie der Harnwege das Risiko ebenso erhöht.

Allgemein begünstigende Faktoren:

  • Weibliches Geschlecht: die deutlich kürzere Harnröhre begünstigt das Eindringen von krankheitserregenden Bakterien.
  • Häufiger Geschlechtsverkehr: kann zur Verschleppung von Bakterien führen, die mitunter über die Harnröhre in die Nieren aufsteigen.
  • Schwangerschaft: die vergrößerte Gebärmutter drückt auf die Harnleiter und bedingt eine physiologische Harnstauung. Sammeln sich nun Bakterien im oberen Harntrakt an, kann sich daraus eine Pyelonephritis bilden.
  • Abflussbehinderungen: durch Verengung oder Verlegung der Harnleiter oder -röhre bei z.B. angeborenen Anomalien wie Engstellen im Nierenbeckengang, Zystennieren sowie Vergrößerung der Prostata, Nieren- oder Harnsteine.
  • Chronische Erkrankungen: Diabetes mellitus kann z.B. zu einer Nierenschädigung führen.
  • Häufiger Schmerzmittelgebrauch: Nierenschäden können die Folge sein.
  • Nicht funktionierende (Dauer-)Blasenkatheter: begünstigen Bakterienwachstum und können bei Fehlfunktion zu einer Nierenbeckenentzündung führen.
  • Blasenentleerungsstörungen: bei neurologischen Erkrankungen wie z.B. Multipler Sklerose oder Querschnittslähmung.

Ein chronischer Verlauf wird u.a. begünstigt durch:

  • nicht behobene Harnabflussstörungen oder Anomalien der Harnwege;
  • immer wieder auftretende Harnsteinbildung durch Abflussstörungen. Derartige Steine dienen Krankheitserregern als „Nistplatz“;
  • Begleitsymptome von Diabetes mellitus wie z.B. Gefäßveränderungen in den Nieren, Immunschwäche und Veränderungen im Harn wie Glukosurie oder Azidurie (Zucker bzw. Säure im Harn);
  • Niereneinschränkungen durch den langfristigen Gebrauch von Schmerzmitteln (Analgetikanephropathie).

Sonderform: Reflux aus der Harnblase

Ein sogenannter vesikorenaler Reflux (auch: vesicoureterorenaler Reflux) tritt vorwiegend bei Kindern auf und kann zu einer Nierenbeckenentzündung führen. Durch eine angeborene Störung des Muskelaufbaues zwischen Harnblase und -leiter funktioniert der Ventilverschluss des Harnleiters nicht ordnungsgemäß.

Es fließt Harn aus der Harnblase in die Nieren zurück (Reflux). Bakterien können somit leichter in die Nieren vordringen. In den meisten Fällen heilt diese Fehlbildung während des Größenwachstums der Kinder von selbst aus.

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