Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Escherichia coli © Gunnar Assmy

Blasenentzündung: Formen und Erreger

Die geläufig als Harnwegsinfekt bezeichnete unkomplizierte Blasenentzündung (akute Zystitis) ist eine Entzündung der Harnblase, genauer des Gewebes der Blaseninnenwand. Verursacht wird sie von Bakterien, die meist aus dem Darmbereich über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und sich dort vermehren. Der Harnwegsinfekt (HWI) ist die häufigste Infektionskrankheit bei Frauen. Sie erkranken daran auch deutlich häufiger als Männer. 50 bis 80 Prozent der Frauen haben zumindest einmal im Leben einen Harnwegsinfekt, meistens verläuft dieser unkompliziert . . .

20 bis 30 Prozent der Frauen, die bereits einen Harnwegsinfekt durchgemacht haben, bekommen wieder einen. Aufgrund der im Vergleich zu Männern deutlich kürzeren Harnröhre können bei Frauen Bakterien leichter in die Harnblase aufsteigen und sich dort vermehren.

Anders stellt sich die Situation beim männlichen Geschlecht im Säuglingsalter sowie in fortgeschrittenen Jahren sowie im Säuglingsalter dar: Veränderungen an der Prostata lassen bei Männern ab 50 Jahren die Häufigkeit eines Harnwegsinfektes deutlich ansteigen und sind dann beinahe gleich häufig wie bei Frauen. Angeborene Fehlbildungen der Harnwege sind bei männlichen Säuglingen häufiger als bei Mädchen und die Ursache für vermehrte Infekte.

Welche Formen von Harnwegsinfekten gibt es?

Harnwegsinfekte werden u.a. nach ihrer Lokalisation im Harntrakt unterteilt:

Infektionen der unteren Harnwege: v.a. Entzündung der Harnblase (Zystitis), der Harnröhre (Urethritis) und der Prostata (Prostatitis).

Infektionen der oberen Harnwege: v.a. Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), ausgelöst durch Bakterien, welche über die Harnleiter (Ureteren) in die Nieren aufgestiegen sind.

Aus therapeutischer Sicht ist zudem die Einteilung des zu erwartenden Verlaufs der Erkrankung in einen unkomplizierten oder komplizierten Harnwegsinfekt wichtig.

Unkomplizierter Harnwegsinfekt: Im Harntrakt liegen keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Vor- bzw. Begleiterkrankungen vor, die eine Harnwegsinfektion bzw. gravierende Komplikationen begünstigen.

Komplizierter Verlauf: Risikogruppen sind u.a. Personen mit

  • Störungen der Immunabwehr, z.B. HIV, entgleister oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus,
  • Funktionseinschränkungen in den Harnwegen, wie
  • anatomisch oder chirurgisch bedingte Veränderungen.

In den meisten Fällen handelt es sich um einen unkomplizierten Harnwegsinfekt, darunter insbesondere die Blasenentzündung (akute Zystitis). Geläufig ist auch der Begriff der sogenannten Honeymoon-Zystitis (Flitterwochen-Zystitis), der sich auf ein gehäuftes Auftreten von Harnwegsinfekten nach häufigem Geschlechtsverkehr bezieht.

Werden Betroffene mehrmals jährlich von einem Harnwegsinfekt heimgesucht, d.h. die Symptome treten akut mindestens zweimal pro Halbjahr oder dreimal pro Jahr auf, spricht man vom

Ein rezidivierender Harnwegsinfekt liegt vor, wenn mindestens zwei Episoden pro Halbjahr oder drei Episoden pro Jahr auftreten. 

Sonderform: Bakteriurie

Von einer Bakteriurie wird gesprochen, wenn bei der Harnuntersuchung ein erhöhter Wert von Bakterien festgestellt wird. In vielen Fällen sind damit keine Beschwerden verbunden. Diese sogenannte asymptomatische Bakteriurie heilt häufig von selbst und muss nur in seltenen Fällen behandelt werden, z.B.

  • Frauen in der Schwangerschaft,  
  • Männer vor einer transurethralen Prostataresektion oder einer sonstigen traumatisierenden Intervention im Harntrakt.

Bei einer weiteren Form der Bakteriurie sind im Harn zwar Entzündungsparameter wie z.B. weiße Blutkörperchen vorhanden, die Patientin/der Patient zeigt jedoch keine typischen Symptome, Beschwerden und hat auch keine Schmerzen (sterile Leukozyturie). 

Was sind die häufigsten Erreger einer Blasenentzündung?

Bei einem Harnwegsinfekt gelangen bakterielle Erreger in die Harnwege und führen dort zur Entzündung. In den meisten Fällen sind aufsteigende Darmkeime die Auslöser. Die in Europa häufigste Auslöserspezies ist das Darmbakterium Escherichia coli (kurz: E. coli). Weitaus seltener sind andere Erreger.

Das Spektrum der häufigsten Erreger:

  • Escherichia coli
  • Staphylococcus saprophyticus
  • Klebsiella spp.
  • Proteus spp.
  • Enterococcus spp.
  • Citrobacter spp.
Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen