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Ärztin begutachtet MR oder CT ©zinkevych

Niedriggradige Gehirntumoren

Hirntumoren gehören zu den eher seltener vorkommenden Tumoren. Niedriggradige („gutartige“) Hirntumoren bestehen aus langsam wachsenden Tumorzellen. Diese dringen normalerweise nicht in das benachbarte, gesunde Gewebe ein. Durch die Raumforderung kann es dennoch zu schweren Symptomen und Gehirnschäden kommen. Das Tumorgewebe drückt mitunter auf wichtige Gehirnanteile, Hirnnerven oder Blutgefäße und kann eine Schwellung des Gehirns bewirken, welche den Effekt verstärkt. Das Gehirn kann sich - ohne Schaden zu nehmen - nur minimal im Schädelknochen ausdehnen. Bei niedriggradigen Gehirntumoren ist jedoch oftmals eine Heilung durch vollständige Entfernung des Tumors möglich . . .

Diagnose & Therapie

Viele Symptome bereitet ein Hirntumor dadurch, dass er Druck auf das benachbarte Hirngewebe ausübt. Die Beschwerden hängen davon ab, wo der Tumor liegt und wie groß er ist bzw. wie schnell er wächst. Zu den wichtigsten Symptomen zählen:

  • Schwindel/Gleichgewichtsstörungen

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit/Erbrechen

  • Epileptische Anfälle

  • Sehstörungen (z. B. Doppelbilder)

  • Sprachstörungen/Wortfindungsprobleme

  • Wesensveränderungen (z.B. rasche Erregbarkeit, Teilnahms- bzw. Antriebslosigkeit)

  • Hormonelle Veränderungen

Bei Verdacht auf einen Gehirntumor erfolgt eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung sowie eine Bildgebung (meist MR, aber auch CT oder PET). Eine eindeutige Diagnose bringt allerdings nur eine Gewebeuntersuchung nach einer Biopsie bzw. im Rahmen einer – meist mikrochirurgischen – Operation. Mittels moderner Verfahren wie Neuronavigation und intraoperativem Neuromonitoring (Überwachung der Funktion bestimmter Hirnanteile) sowie in einigen Zentren auch intraoperativem MRT gelingt eine Operation unter dem Mikroskop heutzutage sehr präzise unter höchstmöglicher Schonung des umgebenden Hirngewebes. In ausgewählten Fällen kann auch eine Wachoperation erfolgen, im Rahmen derer die Patientin/der Patient während der Operation aus der Narkose erwacht, um die zu schonenden Funktionen unmittelbar testen zu können.

Die häufigste Behandlung besteht in der möglichst vollständigen Entfernung des Tumors, aber auch weitere Therapieverfahren können zur Anwendung kommen. Schmerzen werden mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten (z.B. Kortison zur Abschwellung des Gehirns) behandelt. Je nach Symptomen kommen noch andere Arzneimittel (z.B. gegen Übelkeit oder Schwindel) zur Anwendung. Auch Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie oder psychoonkologische Maßnahmen können die Behandlung ergänzen. Zudem kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe unterstützend sein. Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt berät Sie über Begleitmaßnahmen, notwendige Kontrolluntersuchungen und Nachsorgetermine. Auch ein Rehabilitationsaufenthalt kann gegebenenfalls in Anspruch genommen werden.

Tumorformen im Detail

Es gibt eine Vielzahl an niedriggradigen Gehirntumoren, von denen einige der wichtigsten in der Folge dargestellt werden. 

Meningeom

Meningeome kommen unter den niedriggradigen („gutartige“) Hirntumoren am häufigsten vor. Meningeome entstehen aus den Hirnhäuten, den Meningen. Diese ummanteln Gehirn und Rückenmark. Meningeome treten eher bei älteren Menschen auf, bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern. Diese Tumoren wachsen langsam und bleiben dadurch meist lange unbemerkt. Sie können jedoch auch zu schweren Symptomen bis hin zum Notfall führen. In seltenen Fällen können Meningeome aber auch bösartig (höhergradig entartete Tumorzellen) sein – sie wachsen dann in umliegendes Hirn- oder Knochengewebe ein, bilden aber üblicherweise keine Metastasen. Je nachdem wo der Tumor liegt, kann er nach einer gewissen Zeit Beschwerden verursachen, z.B. Kopfschmerzen, Einschränkungen der Sinneswahrnehmungen (Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen), epileptische Anfälle oder Lähmungserscheinungen.

Als wesentlicher Umwelt-Risikofaktor für Meningeome zählt ionisierende Strahlung („Radioaktivität“). Auch Patientinnen/Patienten mit der genetischen Erkrankung Neurofibromatose Typ 2 haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die Operation erfolgt dann, wenn ein Meningeom größer wird und zu Symptomen führt. Ist eine vollständige Entfernung des Tumorgewebes nicht möglich, kann nach der OP eine Strahlentherapie erfolgen.

Pilozytisches Astrozytom

Diese Tumoren sind die häufigsten Hirntumoren des Kindes- und Jugendalters. Sie gehen vermutlich aus Astrozyten (Stützzellen des Gehirns) hervor. Pilozytär bedeutet „faserartig“, da sie unter dem Mikroskop wie Fasern erscheinen. Mit bloßem Auge haben pilozytische Astrozytome jedoch meist die Form einer flüssigkeitsgefüllten Zyste. Die meisten dieser Tumoren wachsen langsam und haben eine sehr gute Prognose. Da das Wachstum sehr langsam erfolgt, entwickeln sich die Symptome oft unbemerkt bzw. schleichend. Es wird eine genetische Ursache für diesen Tumor vermutet. In den meisten pilozytischen Astrozytomen findet sich eine veränderte Genvariante im BRAF-Gen, die eine unkontrollierte Teilung der Tumorzellen anregt. Sofern möglich wird der Tumor komplett mikrochirurgisch entfernt. Ist eine vollständige Entfernung des Tumorgewebes nicht möglich, kann nach der Operation eine Strahlen- oder Chemotherapie erfolgen.

Schwannom/“Akustikusneurinom“

Die sogenannten Schwann-Zellen umgeben unsere Nerven als Bindegewebe. Entwickeln sich aus diesen Zellen niedriggradige („gutartige“) Tumoren, werden sie Schwannome oder Neurinome genannt. Am bekanntesten sind das „Akustikusneurinom“ (Vestibularisschwannom) des Gleichgewichtsnervs, seltener des Hörnervs. Der Druck auf den Nerv führt zu Funktionseinschränkungen der Nervenweiterleitung, z.B. zu Hör- oder Gleichgewichtsproblemen. Auch der Gesichtsnerv kann in der Folge von einer Lähmung betroffen sein. Die Behandlung setzt ein, sobald Beschwerden vorhanden sind. Sind kaum oder keine Beschwerden vorhanden, kann auch zugewartet werden. Dabei wird allerdings das Wachstum mittels MRT beobachtet. Symptome treten meist erst ab einer gewissen Größe des Tumors auf, wobei auch ein großer Tumor manchmal noch keine besonderen Beschwerden macht.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Radiochirurgie sowie eine Operation unter dem Einsatz eines Mikroskops. Das „Akustikusneurinom“ tritt selten auch im Rahmen der sogenannten Neurofibromatose Typ 2 auf. Bei dieser treten auch weitere gutartige Tumoren des Zentralnervensystems auf. Problematisch wird das „Akustikusneurinom“ vor allem dann, wenn es die benachbarten Strukturen des Hirnstamms bedrängt und es zu einer lebensbedrohlichen Ansammlung von Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) kommen kann.

Hypophysenadenom

Diese Tumore der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sind fast immer niedriggradig („gutartig“). Es gibt hormonaktive und die häufiger vorkommenden hormoninaktiven Hypophysenadenome. Hormonaktive Tumore bestehen aus Zellen, die Hormone freisetzen. Das kann z.B. zu Fruchtbarkeitsstörungen oder Problemen mit dem Längenwachstum führen. Hormoninaktive Hypophysenadenome produzieren zwar keine Hormone, es können jedoch dennoch durch den Druck des Tumors Störungen der Gehirnfunktion entstehen. Zu den ersten Symptomen zählen meist Sehstörungen durch Druck auf die Sehnervenkreuzung.

Man unterscheidet kleine Mikroadenome (<10 mm) von größeren Makroadenomen (>10 mm). Hypophysenadenome können auch in die angrenzenden Gebiete (z.B. Schädelknochen oder Blutgefäße an der Schädelbasis) einwachsen. Bei manchen Hypophysenadenomen reicht die Einnahme von Tabletten als Behandlung (z.B. bei Prolaktinomen) aus, um sie an ihrem Wachstum zu hindern oder zu verkleinern. Andere Tumore benötigen je nach Art einen mikrochirurgischen Eingriff (in den meisten Fällen durch die Nase) bzw. eine Strahlenbehandlung. Die meisten Hypophysenadenome können gut entfernt werden, wodurch eine Heilung erzielt wird. In vielen Fällen ist allerdings eine – oft lebenslange – Hormonersatztherapie notwendig, um jene Hormone zu ersetzen, die von der Hypophyse nach der Erkrankung kaum oder gar nicht mehr gebildet werden können.

Hirntumoren und psychische Veränderungen

Hirntumoren können auch psychische Auswirkungen haben, z.B.:

  • Ängste

  • Antriebslosigkeit

  • Halluzinationen

  • Persönlichkeitsveränderungen

  • Sozial nicht angemessene Verhaltensweisen

  • Reizbarkeit

  • Verminderung der Impulskontrolle

Auch Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit treten beispielweise auf. Zudem kann es zu Problemen im Beziehungsverhalten kommen – privat und am Arbeitsplatz. Genaue Abklärung und Behandlung der Symptome und des Tumors und zusätzliche Maßnahmen wie klinisch-psychologische Diagnostik und Behandlung, Psychotherapie sowie Ergotherapie können helfen, die Veränderungen zuzuordnen, mit ihnen umzugehen und sie auch so weit wie möglich zu beseitigen. Auch Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Antipsychotika sowie Beruhigungsmittel) kommen zum Einsatz.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Beschwerden, die auf einen Gehirntumor hindeuten, können Sie sich primär an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie

Bei akuten Beschwerden suchen Sie bitte umgehend die nächstgelegene Notfallambulanz auf. Treten Krämpfe, Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit, Lähmungen oder andere bedrohliche Symptome auf, rufen Sie sofort die Rettung unter 144.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen diagnostischen Methoden werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte sowie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt? Näheres zur Rehabilitation finden Sie unter Reha und Kur.

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