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Blutröhrchen © Kurt Kleemann
Blutröhrchen © Kurt Kleemann

Lymphome: Symptome & Diagnose

Lymphome entwickeln sich aus krankhaften Lymphomzellen, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Man unterscheidet rund 100 verschiedene Unterformen an Lymphomen – und auch die möglichen Symptome sind vielfältig. Nicht immer treten typische Beschwerden auf, es gibt jedoch einige Warnzeichen.

Die Diagnose ergibt sich aus einer körperlichen Untersuchung, bildgebenden Verfahren sowie der Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe. Zusätzlich sind verschiedene diagnostische Schritte nötig, um die genaue Form der Erkrankung sowie das Krankheitsstadium zu ermitteln.

Wie äußert sich ein Lymphom?

In vielen Fällen entsteht ein Lymphom innerhalb eines Lymphknotens. Dort sammeln sich die krankhaften Lymphozyten an und wachsen und vermehren sich. Eine Lymphknotenschwellung, z.B. im Hals-, Brust-, Achsel- oder Leistenbereich, ist daher häufig die erste Veränderung, die von Betroffenen bemerkt wird. Oft wird geschwollenen Lymphknoten zunächst keine große Bedeutung zugeschrieben, denn diese treten auch im Rahmen von harmlosen Infekten auf. Ist die Lymphknotenschwellung jedoch auch ohne Infekt vorhanden bzw. klingt nicht innerhalb kurzer Zeit wieder ab, kann dies ein Warnzeichen sein. Bösartig veränderte Lymphknoten sind typischerweise nicht schmerzhaft und haben eine gummiartige Konsistenz.

Da bei einem Lymphom manchmal übermäßig viele Lymphozyten im Knochenmark produziert werden, kann die Bildung aller anderen Blutzellen beeinträchtigt sein. Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gesunden weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten) entsteht. Die möglichen Folgen sind z.B. eine Blutarmut (Anämie), die sich durch Müdigkeit, geringe Belastbarkeit oder Herzrasen äußert. Durch den Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen ist die Immunabwehr vermindert, und es treten häufig Infekte auf. Der Mangel an Blutplättchen kann zu erhöhter Blutungsneigung führen.

Zudem können Fieber (über 38°C) ohne andere erkennbare Ursache, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust mögliche Anzeichen für ein Lymphom sein. Diese Symptomkombination wird als B-Symptomatik bezeichnet und tritt vor allem bei Hodgkin-Lymphomen auf.

Die weiteren Symptome hängen davon ab, in welchen Organen und Geweben sich die Lymphomzellen angesiedelt haben. Oft kommt es zu Vergrößerung von Milz oder Leber und dadurch zu Druckschmerzen im Bauchbereich. Juckreiz ist ein weiteres mögliches Symptom bei Lymphomen. Lymphknotenschwellungen im Brustbereich können Reizhusten, Sodbrennen und Atemnot verursachen. Bei Hautlymphomen sind die Hautveränderungen die ersten Symptome, Multiple Myelome machen sich durch Knochenbeschwerden bemerkbar.

Nicht immer treten typische Symptome auf bzw. werden als solche erkannt. Manche Lymphome werden nur zufällig entdeckt, wenn aus anderen Gründen Untersuchungen durchgeführt werden. Die Anzeichen des Lymphomes werden den Betroffenen oft erst nach der Diagnose bewusst.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der erste Schritt besteht in einem ausführlichen Anamnesegespräch, bei dem sich die Ärztin/der Arzt über die jeweiligen Beschwerden informiert. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der auch die Lymphknoten abgetastet werden.

Auch eine Blutuntersuchung gehört zu den diagnostischen Maßnahmen. Dabei wird unter anderem Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie die Anzahl der roten Blutkörperchen, der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen bestimmt (kleines Blutbild) sowie die Zusammensetzung der verschiedenen Arten der Leukozyten und deren Aussehen analysiert (Differenzialblutbild).

Um die Diagnose zu bestätigen, ist in vielen Fällen die Entnahme einer Gewebeprobe nötig. Dazu wird ein verdächtiger Lymphknoten bzw. verdächtiges Gewebe in einem kleinen operativen Eingriff entfernt; je nach Lokalisation erfolgt dieser Eingriff unter Lokalanästhesie oder in kurzer Allgemeinnarkose. Meist kann er ambulant stattfinden. Bei Verdacht auf ein Lymphom innerhalb des Magen-Darm-Trakts kann zur Abklärung und zur Gewebeentnahme eine Magenspiegelungbzw. eine Darmspiegelung notwendig sein. Die entnommene Probe wird anschließend feingeweblich (histologisch, immunhistochemisch) untersucht. Einige Lymphomformen (z.B. CLL, Multiples Myelom) werden aus dem Blut diagnostiziert, ohne dass Untersuchungen des Knochenmarkes notwendig sind.

Weitere spezielle Laboruntersuchungen

Ist die Diagnose gestellt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um die Erkrankung einer Untergruppe zuordnen zu können. Dies ist für die entsprechende Therapieplanung von großer Bedeutung. So können mit genetischen Tests die Chromosomen und die DNA der Lymphomzellen untersucht und Genveränderungen festgestellt werden. Bei Lymphomen der B-Zell-Reihe wird das Blut auf das Vorhandensein bestimmter Antikörper getestet, die von den Lymphomen produziert werden (z.B. bei Multiplem Myelom). Durch molekulargenetische Methoden (z.B. Immunphänotypisierung) lassen sich individuelle Merkmale der Lymphomzellen, wie etwa Oberflächenstrukturen, erkennen.

Welche weiteren Untersuchungen werden durchgeführt?

Um zu beurteilen, ob sich die Lymphomzellen im Körper ausgebreitet haben und welche Organe betroffen sind, folgen weitere diagnostische Schritte (Ausbreitungsdiagnostik, Staging). Dazu gehören:

  • Computertomographie mit Kontrastmittel; damit können Ansiedelungen von Krebszellen in  Lymphknoten und Organen beurteilt werden. Bei Kontrastmittelunverträglichkeit kann anstelle der CT eine Magnetresonanztomographie durchgeführt werden.

  • Die PET-CT stellt eine weitere Untersuchungsmöglichkeit dar. Damit kann der Stoffwechsel von Gewebe sichtbar gemacht und eine mögliche Tumoraktivität beurteilt werden.

  • Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) können bei Lymphomen zur Anwendung kommen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Tumorabsiedelungen in den Knochen besteht (z.B. beim Multiplen Myelom). Zudem gibt eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes Auskunft über eine eventuell vorhandene Ansammlung von Tumorzellen hinter dem Brustbein (Mediastinaltumor); dies ist ein häufiger Befund bei Hodgkin-Lymphomen.

  • Knochenmarkspunktion: dabei wird aus dem Beckenknochen eine kleine Menge Knochenmark entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Es wird analysiert, ob krankhaft veränderte Blutzellen nachweisbar sind und zu welcher Zellreihe sie zugeordnet werden können (sogenannte Zytomorphologie und Zytochemie). Eine Knochenmarkspunktion findet unter örtlicher Betäubung statt und kann in den meisten Fällen ambulant erfolgen.

  • Lumbalpunktion: Bei einigen Lymphomformen besteht das Risiko, dass sich krankhafte Zellen auch im zentralen Nervensystem ansiedeln. Im Rahmen einer Lumbalpunktion wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und auf das Vorhandensein von Lymphomzellen untersucht.

  • Magen- und Darmspiegelung: zur weiteren Abklärung von MALT-Lymphomen in der Magen- oder Dünndarmschleimhaut.

  • Auch eine EKG- und Herzultraschalluntersuchung sowie ein Lungenfunktionstest und eine Schilddrüsendiagnostik werden durchgeführt, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu beurteilen.

Nicht bei jeder Patientin/jedem Patienten werden all diese Untersuchungen durchgeführt; die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt wird darüber informieren, welche Schritte individuell notwendig sind.

Wie erfolgt die Einteilung der Krankheitsstadien?

Anhand der Untersuchungsergebnisse wird beurteilt, wie weit sich die krankhaften Zellen im Körper ausgebereitet haben. Je nachdem wird das Stadium der Erkrankung bestimmt (Staging). 

Die Hodgkin-Lymphome sowie die meisten Non-Hodgkin-Lymphome werden nach der sogenannten Ann-Arbour-Klassifikation in Stadien eingeteilt. Dabei orientiert man sich an der anatomischen Verteilung der befallenen Lymphknotenregionen im Körper:

  • Stadium I: nur eine Lymphknotenregion ist befallen.
  • Stadium II: zwei oder mehr Lymphknotenregionen sind befallen, aber nur auf einer Seite des Zwerchfelles.
  • Stadium III: zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfelles sind befallen.
  • Stadium IV: diffuser Befall mehrerer Organe bzw. Gewebe.

Auch bestimmte Risikofaktoren spielen eine Rolle (z.B.: Wie sehr ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit verändert? Ist ein großer Tumor hinter dem Brustbein vorhanden?). Unter Berücksichtigung aller Faktoren wird die Erkrankung schließlich in drei Stadien eingeteilt: Frühes (limitiertes) Stadium, mittleres (intermediäres) Stadium und fortgeschrittenes Stadium.

Für einige Lymphomformen (z.B. CLL, Multiples Myelom) gelten andere Stagingsysteme.

Prognosesysteme

Die Therapieplanung wird bei bösartigen Erkrankungen nicht nur an das Krankheitsstadium, an genetische Faktoren und andere Untersuchungsergebnisse angepasst, sondern auch an den allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen. Dabei fließt z.B. ein, ob Begleiterkrankungen vorliegen, ob starke Beschwerden vorhanden sind, wie sehr die Patientin/der Patient im Alltag eingeschränkt ist, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt etc. Für eine einheitliche Beurteilung dieser Faktoren gibt es verschiedene Skalen, wie z.B. den Karnofsky-Index oder den ECOG-Status. Letztlich können diese Skalen auch zur Abschätzung des individuellen Krankheitsverlaufes herangezogen werden, denn im Allgemeinen gilt: je fitter die Patientin/der Patient ist, umso besser ist die Prognose.

Wohin kann ich mich wenden?

Die ersten Symptome eines Lymphoms sind eher unspezifisch und führen nicht selten zunächst zur behandelnden Hausärztin/zum behandelnden Hausarzt. Sobald der Verdacht auf ein Lymphom besteht, sollte die weitere Abklärung bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Innere Medizin mit Spezialisierung auf dem Gebiet der Hämato-Onkologie erfolgen. Die Behandlung des Lymphomes findet in einem darauf spezialisierten Zentrum statt.

Eine Auflistung österreichweiter onkolgischer Zentren bzw. Abteilungen finden Sie hier

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