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Frau greift sich müde an Schläfe © Africa Studio

Fatigue: Erschöpfung bei Krebs

Eine Krebserkrankung ist für Betroffene mit vielen Belastungen in allen Lebensbereichen verbunden. Die Bemühungen, sich den Anforderungen zu stellen, können auch zu körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung führen. Die dabei auftretende Symptomatik ist vielschichtig. Man spricht bei Auftreten dieses Beschwerdebildes von der sogenannten krebsbedingten (tumorassoziierten) Fatigue (fatigue = französisches Wort für „müde“). Diese tritt sehr häufig auf. Erfahren Sie, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt, um mit dieser Erschöpfung besser zurechtzukommen . . .

Symptome 

Krebsbedingte Fatigue äußert sich individuell sehr unterschiedlich. Zu den Kennzeichen zählen u.a.:

  • abnehmende Leistungsfähigkeit
  • Gefühle der Abgeschlagenheit
  • Inaktivität
  • dauernde Müdigkeit
  • gesteigertes Ruhe- bzw. Schlafbedürfnis
  • Antriebslosigkeit
  • Hilflosigkeit
  • fehlende Regeneration
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Die Symptome bessern sich meist nicht durch Erholungsphasen. Selbst alltägliche Tätigkeiten werden als große Anstrengung empfunden und kosten viel mehr Kraft und Energie als gewöhnlich. Fatigue kann so weit gehen, dass sogar das Essen oder Sprechen als zu anstrengend empfunden wird.

Es ist wichtig, krebsbedingte Fatigue von anderen Krankheitsbildern zu unterscheiden. Die Symptome können beispielsweise jenen einer Depression sehr ähnlich sein, sind aber unterschiedlich zu behandeln. Zudem ist krebsbedingte Fatigue vom sogenannten Chronic Fatigue Syndrom (Chronisches Erschöpfungsyndrom) zu unterscheiden. 

Krebsbedingte Fatigue kann über einen längeren Zeitraum bestehen und dadurch die Lebensqualität sehr stark beeinträchtigen. Sie kann während, aber auch nach Abschluss einer erfolgten tumorspezifischen Behandlung in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. 

Ursachen 

Es gibt unterschiedliche Theorien zur Entstehung von krebsbedingter Fatigue. Es werden unter anderem Stoffwechselveränderungen sowie Schädigungen des Nervensystems diskutiert. Darüber hinaus gibt es verschiedene Risikofaktoren, wie ständiger Schmerz, Übelkeit und vorbestehende depressive Zustände oder andere psychische Belastungen. Die Forschungsergebnisse zur Fatigue gehen aber immer von Modellen aus, die viele unterschiedliche Gründe für die Entstehung dieser Symptomatik beschreiben:

  • Krebserkrankungen und ihre körperlichen Folgen,
  • Nebenwirkungen von Therapien (vor allem von Chemo- und Strahlentherapie),
  • Mangelernährung,
  • Entzündungsprozesse im Körper,
  • Hormonstörungen,
  • Schlafstörungen sowie
  • seelischer Leidensdruck/erhöhter Stress.

Therapeutische Möglichkeiten 

Zur Behandlung der Beschwerden können jeweils auf die Symptome abgestimmte Medikamente sowie weitere nicht medikamentöse Therapien (z.B. Psychotherapie) zum Einsatz kommen. Psychosoziale Interventionen umfassen z.B. Schulungsprogramme, um eine Balance zwischen gezielter Aktivität und ausreichenden Erholungsphasen zu erlernen. An den Gesundheitszustand angepasste Bewegungsmaßnahmen (z.B.  Spaziergänge, Nordic Walking, Schwimmen) können sehr hilfreich sein. Zudem helfen auch kleinere Maßnahmen wie ein geregelter Tagesablauf, Work-Life-Balance, gesunde Ernährung sowie ein regelmäßiger Schlafrhythmus. Eine möglichst frühzeitige Behandlung vermeidet, dass die Symptomatik chronisch wird. Eine Kombination verschiedener Methoden erweist sich als zielführend.

Was kann ich selbst tun?

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt offen über Ihre Beschwerden, damit Ihnen bestmöglich geholfen werden kann. Leiden Sie unter krebsbedingter Fatigue, sollten Sie gut auf sich achten. Teilen Sie Ihre Kräfte gut ein. Um abzuschätzen, was Ihnen besonders viel Energie abverlangt und was Ihnen guttut, können Sie beispielsweise ein Fatigue-Tagebuch führen. In dieses können Sie täglich Ihr körperliches und seelisches Befinden sowie Ihre Aktivitäten eintragen. Gemäßigte Tätigkeiten sind meist eher hilfreich, besondere Schonung hingegen nicht.

Wie Angehörige unterstützen können

Für Angehörige sind die Erschöpfungs- und Müdigkeitssymptome Betroffener manchmal nicht leicht nachzuvollziehen. Eine offene, zugewandte Haltung kann helfen, die betroffene Person besser zu verstehen. Manchmal hilft es auch, ein längeres Gespräch über die belastende Situation zu führen und gemeinsam Pläne über Aktivitäten und Erholungen zu erstellen. In vielen Fällen ist eine aktive Unterstützung der betroffenen Person bei Alltagstätigkeiten erforderlich. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Betroffene so selbstständig wie möglich bleiben und die/der Betroffene selbst entscheidet, welche Hilfen sie/er in Anspruch nehmen möchte.

Scheuen Sie sich nicht davor, auch selbst oder gemeinsam mit der/dem Betroffenen professionelle Hilfe (z.B. Pflegeunterstützung, psychosoziale Beratung) anzunehmen. Dies hilft Ihnen dabei, ausreichend informiert zu sein sowie Möglichkeiten zur besseren Bewältigung des Alltags zu erfahren.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechpartnerin/Ansprechpartner für krebsbedingte Fatigue ist Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt. Diese/dieser kann Sie gegebenenfalls noch an eine weitere Stelle überweisen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen, (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Gesundheitsleistungen.

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